Börse Kursrallye im Dax – Russland will Gashahn offenbar wieder aufdrehen

Innerhalb weniger Minuten springt der Dax um 250 Punkte nach oben. Die Hoffnung auf russisches Gas beflügelt den Leitindex. Auch der mögliche große Zinsschritt der EZB gibt dem Aktienmarkt Auftrieb.
Börse Frankfurt: Der Dax springt über 13.300 Punkte

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Arne Dedert / dpa

Gerüchte über ein Wiederanlaufen der Gaspipeline Nord Stream 1 haben am deutschen Aktienmarkt zu einem kräftigen Kurssprung geführt. Der deutsche Leitindex Dax  übersprang die Marke von 13.300 Punkten und legte um 2,7 Prozent auf 13.308 Zähler zu. Der MDax  gewann zuletzt 2,3 Prozent auf 26.516 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  ging es um rund 2,2 Prozent auf 3588 Punkten nach oben.

Russland will Gashahn offenbar wieder aufdrehen

Auslöser der Rallye war ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, demzufolge nach dem Ende der Wartungsarbeiten an der wichtigen Pipeline Nord Stream 1 am Donnerstag wieder Gas von Russland nach Deutschland fließen soll. Allerdings werde die Transportkapazität nicht ausgeschöpft, sagten zwei mit den russischen Exportplänen vertraute Personen.

Börsianer hatten in den vergangenen Tagen gerätselt, ob Russland als Vergeltung für die Sanktionen des Westens den Gashahn komplett zudreht. Der daraus resultierende Energiemangel würde Europa Experten zufolge in eine Rezession stürzen.

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Bei den Aktienwerten gehörte der deutsche Gas-Versorger Uniper, der durch die reduzierten russischen Lieferungen in Schieflage geraten ist, mit einem Plus von zeitweise 16 Prozent zu den Favoriten. Auch bei den Chemiekonzernen BASF und Covestro, für die Erdgas als Energieträger und Rohstoff wichtig ist, griffen Investoren zu. Ihre Titel stiegen um bis zu 8,8 Prozent. Der Gaspreis kam dagegen unter Druck. Der europäische Future fiel um 3,1 Prozent auf 154,25 Euro je Megawattstunde.

EZB will Zinsen womöglich stärker anheben

Wie bereits bekannt, beschleunigte sich die Inflation in der Eurozone im Juni weiter. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhten sich die Verbraucherpreise um 8,6 Prozent. Eine erste Schätzung wurde damit bestätigt. Im Vormonat waren die Lebenshaltungskosten um 8,1 Prozent gestiegen.

Wegen des Preisauftriebs gibt es in der Europäischen Zentralbank einem Bericht zufolge Überlegungen zu einer stärkeren Zinsanhebung. Anstatt wie bisher signalisiert, die Leitzinsen am Donnerstag erstmals seit elf Jahren um 0,25 Prozentpunkte anzuheben, könnte man sich auch zu einer stärkeren Anhebung um 0,5 Punkte entschließen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Eon und Fraport mit Gewinnen

Die als relativ "sichere Häfen" in turbulenten Zeiten geltenden Versorgerwerte legten deutlich zu. Die Papiere von Eon verteuerten sich um 2,1 Prozent. Die Anteilsscheine von RWE stiegen an der Dax-Spitze um 2,7 Prozent.

Die Aktien von Fraport kletterten um 3,3 Prozent nach oben. Analysten hatten zuletzt nach den Kursverlusten im Juni auf Einstiegsmöglichkeiten hingewiesen. Die finanziellen Belastungen des Flughafenbetreibers durch Personalprobleme in der Abfertigung sollten sich in Grenzen halten, hieß es.

Für die Titel von Delivery Hero ging es nach einem negativen Votum der Investmentbank Exane BNP um 3,8 Prozent abwärts. Zum Wochenstart waren die Aktien des Essenslieferanten noch als MDax-Spitzenreiter um 8 Prozent nach oben geschnellt.

Gewinne in den USA trotz schwacher Immobilienmarktdaten

Die US-Börsen haben am Dienstag vorerst wieder in die Erfolgsspur gefunden. Am Montag war bei den Anlegern noch die Risikobereitschaft geschwunden, nun kehrte sie erst einmal wieder zurück. Dies zeigte sich auch am schwachen US-Dollar, der Anlegern zuletzt als sicherer Hafen gedient hatte. Mutiger wurden die Anleger auch wegen der Gerüchte über ein Wiederanlaufen der Gaspipeline Nord Stream 1 nach Europa.

Der Leitindex Dow Jones Industrial weitete seine Gewinne mit 31.558 Punkten auf 1,56 Prozent aus. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 1,80 Prozent auf 3899 Zähler hoch. Der technologielastige Nasdaq 100 kehrte über die runde 12.000er Marke zurück, indem er 1,93 Prozent auf 12.107 Zähler gewann. Zu Wochenbeginn waren alle drei Indizes noch ins Minus gerutscht und hatten es so versäumt, an ihre Stabilisierung vom Freitag anzuknüpfen.

Bitcoin knapp über 22.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte zuletzt knapp über der Marke von 22.000 US-Dollar und damit etwas niedriger als am Vortag. Binnen einer Woche hat Bitcoin damit um mehr als 10 Prozent zugelegt. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise geben leicht nach

Die Ölpreise sind am Dienstag leicht gefallen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  105,82 US-Dollar. Das waren 45 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 30 Cent auf 102,30 Dollar.

Die leichten Preisabschläge folgen auf kräftige Aufschläge am Montag, als die Erdölpreise von der überwiegend guten Börsenstimmung und einem etwas schwächeren US-Dollar profitierten. Generell bleibt die Lage am Rohölmarkt schwankungsanfällig, da sich der Markt zwischen großen Nachfrage- und Angebotsrisiken bewegt.

Auf der Nachfrageseite herrschen seit einiger Zeit Rezessionssorgen vor, was die Preise dämpft. Auf der Angebotsseite dominiert die Furcht vor anhaltenden Engpässen infolge des Ukraine-Kriegs. Das Preisniveau am Ölmarkt ist deshalb nach wie vor hoch. Seit Jahresanfang haben die Ölpreise nach aktuellem Stand etwa 40 Prozent zugelegt.

Mit Nachrichtenagenturen
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