Sonntag, 15. September 2019

Kursturbulenzen in Fernost Chinas Behörden untersuchen Kursrutsch - was vom Beben bei uns ankommt

4. Teil: Warum bekommt Peking die Börse nicht in den Griff?

Chinesischer Präsident Xi Jinping: Massive Eingriffe in den Aktienmarkt
Als die Kurse im Juni das erste Mal massiv einbrachen, stemmte sich Peking mit zahlreichen Maßnahmen dagegen. Die Regierung will offenbar um jeden Preis verhindern, dass der Traum vieler Landsleute vom Reichtum durch das Aktiengeschäft platzt. Vor allem aber geht es den Funktionären um die eigene Glaubwürdigkeit: Sollten sich die Wirtschaft oder die Märkte erstmals in eine Richtung entwickeln, die von Peking nicht gewollt ist?

Das Problem ist jedoch, dass es sich beim Aktienmarkt um das Herzstück des Kapitalismus handelt. Dort müssen die Kräfte des Marktes aus Angebot und Nachfrage so frei wie möglich wirken. Nur so ist gewährleistet, dass die Bewertungen der Unternehmen an der Börse auf lange Sicht auch möglichst genau deren tatsächlichen Werten entsprechen. Weil sich Firmen an der Börse mit Kapital versorgen, ist das eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Wirtschaft.

Schon häufig ist es am Aktienmarkt zu Übertreibungen gekommen. Spekulationsblasen, die dabei entstehen, platzen irgendwann und die Kurse kommen auf ein realistisches Niveau zurück. Solange die Kurse dieses realistische Niveau nicht erreicht haben, bleibt Verkaufsdruck bestehen. Und dieser Verkaufsdruck lässt sich durch Regulierung und staatliche Eingriffe nicht auflösen. Deshalb lassen sich die Kursverluste auf Dauer nur verzögern, aber nicht verhindern.

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