Samstag, 20. Juli 2019

Kurserholung in Fernost Chinas "Staatsbörse" erholt sich nach Plan - zumindest vorläufig

Börsenbulle in Shanghai: Seit zwei Tagen steigen die Kurse - wie lange noch?

An den Börsen in China sind die Aktienkurse auch am Freitag stark gestiegen. Der Leitindex in Shanghai legte um 4,5 Prozent zu, in Shenzhen betrug das Plus ebenfalls mehr als 4 Prozent. Nach mehreren Wochen mit heftigen Verlusten hatte es schon am Vortag eine kräftige Erholung um rund 6 Prozent gegeben. Insgesamt handelt es sich damit um das stärkste Comeback der Börse Chinas seit 2008, so Bloomberg.

Um den Aufwärtstrend weiter zu befeuern, hat Peking bereits eine neue, überaus kuriose Maßnahme ersonnen, doch dazu später mehr. Schon in den vergangenen Tagen hatte die politische Führung angesichts der massiven Kursverluste seit Juni massiv in das Marktgeschehen eingegriffen. So wurden Aktienverkäufe limitiert und viel Liquidität in den Handel gespült, um die Kurse zu stützen. Etwa die Hälfte der Aktien in Shanghai sind nach wie vor vom Handel ausgesetzt.

"Die Maßnahmen der Behörden brauchten etwas Zeit um zu wirken", sagt Gerry Alfonso, Händler der Shenwan Hongyuan Group in Shanghai. "Jetzt beginnen sie endlich Wirkung zu zeigen." Viele Aktien, so glaubt er, dürften noch eine Weile vom Handel ausgesetzt bleiben. Denn die Verantwortlichen wollten sicher nicht, dass die Kurse durch das Angebot erneut ins Rutschen geraten.

Ob der Kurssturz mit dem beiden Gewinntagen bereits beendet ist, erscheint ohnehin fraglich. Chinas Börsen waren seit 2014 um mehr als 100 Prozent gestiegen. Viele Experten hatten bereits vor dem Platzen einer Spekulationsblase gewarnt. Sollte es eine solche tatsächlich gegeben haben, so hat sie sich durch die Kursrückgänge von rund 30 Prozent bislang möglicherweise noch nicht aufgelöst.

"Erholung für die A-Shares!"

Entsprechend differenziert fallen die Stimmen zu den Aussichten aus. Schwellenländer-Experte Mark Mobius von Franklin Templeton etwa sieht bereits einen Wendepunkt kommen und will wieder in den Markt einsteigen, wie er auf CNBC sagte. Auch der Fondsriese Fidelity gibt sich optimistisch. "In Bezug auf die Fundamentaldaten sind wir ziemlich zuversichtlich", sagte Fondsmanager Robert Bao aus Hongkong zu Bloomberg. "Wir sind voll investiert."

Die Bank of America dagegen merkt kritisch an, dass die chinesische Börse nun am Tropf des Staates hänge. Es gebe die konkrete Chance auf eine weitere Abwärtsbewegung in den nächsten Monaten, sobald der Staat seine Unterstützung zurückfahre, sagte David Cui, China-Stratege der Bank, laut Bloomberg in einem Conference-Call. Denn der Verkaufsdruck bleibe vorerst bestehen.

Immerhin: Peking hat zwar bereits zahlreiche Hebel in Bewegung gesetzt, um den Börsencrash aufzuhalten. Noch hat die Regierung aber offensichtlich nicht all ihr Pulver verschossen.

Zu den unkonventionellen Maßnahmen, die manager-magazin.de bereits satirisch aufgelistet hatte, gesellt sich vielmehr nun noch eine weitere - und die ist ausgesprochen kuriose Realität: Wie die "Financial Times" berichtet, steht am Sonntag die Verabschiedung der Absolventen der Elite-Universität von Tsinghua an.

Die Hochschulabgänger, wohl gemerkt die kommende Wirtschaftselite Chinas, dürfen ihre Zeugnisse aber nicht sofort in Empfang nehmen, so die "FT". Zuvor müssen sie noch, so stehe es auf dem Ablaufplan der Veranstaltung, der Anweisung folgen und laut den folgenden Slogan rufen:

"Erholung für die A-Shares, zum Wohl des Volkes; Erholung für die A-Shares, zum Wohl des Volkes."

Sehen Sie hier einen Überblick über die zehn Maßnahmen, mit denen Peking bislang versucht, die Kurssturz aufzuhalten.

Und sehen Sie hier einen satirischen Blick auf die Börse in China und den verzweifelten Kampf der Volksrepublik mit dem ungeheuerlichen Finanzmarkt

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Christoph Rottwilm auf Twitter

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