Börse Zinsangst stoppt Dax-Höhenflug

Der Dax gibt deutlich nach. Nach dem Kurssturz vom Vorabend bleiben Anleger auch an der Tech-Börse Nasdaq nervös. Auch der Bitcoin gibt deutlich nach und hat binnen acht Wochen mehr als ein Drittel seines Börsenwertes verloren.
Händlerin an der Deutschen Börse: Zinsängste belasten vor allem die hoch bewerteten Technologietitel

Händlerin an der Deutschen Börse: Zinsängste belasten vor allem die hoch bewerteten Technologietitel

Foto: Niklas Rüge/ dpa

Die Angst vor schneller steigenden Zinsen in den USA hat den jüngsten Höhenflug des Dax  am Donnerstag vorerst beendet. Am Vortag dank nachlassender Omikron-Sorgen noch fast auf Rekordhoch, tauchte der deutsche Leitindex am vorletzten Handelstag der ersten Börsenwoche 2022 zeitweise wieder unter die runde Marke von 16 000 Punkten. Zum Handelsschluss stand bei 16 052 Punkten ein Minus von 1,35 Prozent. Der MDax  der mittelgroßen Börsentitel notierte vorübergehend unter 35 000 Punkten und ging mit minus 1,3 Prozent auf 35 168 Zählern ähnlich geschwächt über die Ziellinie.

Die stark wachstumsorientierten Tech-Unternehmen gelten als besonders anfällig bei höheren Zinsen, weil dadurch ihre Finanzierungskosten steigen. Am Donnerstag standen sie europaweit erheblich unter Druck. Im Dax etwa fielen die Chip-Titel von Infineon um 2,7 Prozent, im MDax büßten die Software-Aktien von Nemetschek 6,8 Prozent ein.

Marktbeobachter sehen in einem erkennbar strafferen geldpolitischen Kurs der US-Notenbank (Fed) die Hauptursachen für die Kursverluste am Aktienmarkt. Dies würde Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren weniger attraktiv erscheinen lassen.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor am Donnerstag 1,53 Prozent auf 4324,81 Punkte. In Frankreich ging es für den am Vortag noch rekordhohen Cac 40 noch etwas mehr bergab. In London fielen die Verluste für den FTSE 100 nicht ganz so deutlich aus. In New York notierte der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsende 0,3 Prozent schwächer, die Technologiebörse Nasdaq erholte sich nur wenig von ihrem jüngsten Ausverkauf.

Dax

Anbieter erneuerbarer Energien unter Druck

Die Sorge vor rasch steigenden Zinsen in den USA ließ am Donnerstag auch Papiere von Unternehmen aus dem Bereich Alternative Energien abrutschen. Ohnehin teure Finanzierungen beispielsweise von Windkraft- und Solarprojekten würden in diesem Szenario dann noch teurer.

So verloren im Nebenwerteindex SDax die Titel von Encavis mehr als fünf Prozent. SMA Solar und Nordex gaben um jeweils mehr als dreieinhalb Prozent nach. Für die Aktien des Biokraftstoffherstellers Verbio ging es um mehr las siebeneinhalb Prozent abwärts.

Zudem machten Börsianer weiterhin einen großen Bogen um Aktien aus den Corona-Gewinnerbranchen. Im Dax lagen die Papiere des Lieferdienstes Delivery Hero mit minus fünfeinhalb Prozent auf dem letzten Platz, die des Online-Modehändlers Zalando sanken um 4,2 Prozent.

Der Euro notierte nach dem Börsenschluss bei 1,1308 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1315 (Mittwoch: 1,1319) Dollar festgesetzt, der Dollar damit 0,8838 (0,8835) Euro gekostet. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,23 Prozent am Vortag auf minus 0,19 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,12 Prozent auf 143,66 Punkte. Der Bund-Future sank um 0,13 Prozent auf 170,31 Punkte.

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Zinsen in USA werden steigen: Dow weitet Verluste aus, Nasdaq nach Kursrutsch kaum verändert

Die Stimmung an der New Yorker Wall Street hat sich nach einem starken Jahresauftakt eingetrübt. Details aus dem Notenbank-Protokoll hatten bereits für einen schwachen Handelsschluss am Mittwoch gesorgt. Am Donnerstag verlor der Dow Jones Industrial weitere 0,47 Prozent auf 36 236 Punkte. Der S&P 500 gab um 0,10 Prozent auf 4696,05 Zähler nach. Der technologielastige Nasdaq 100 schloss mit minus 0,04 Prozent auf 15 765,36 Punkte zwar ebenfalls knapp behauptet, hat allerdings seit Jahresbeginn 3,4 Prozent eingebüßt.

Starke Auftragseingangsdaten aus der Industrie und wenn auch etwas schwächer als erwartete, aber immer noch starke ISM-Stimmungsdaten aus dem Dienstleistungsgewerbe sorgten für eine gewisse Zurückhaltung unter den Anlegern. Denn: Wachstumszweifel seien nach diesen Daten «nicht angebracht», kommentierte Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba. Zwar forcierten sie die Erwartungen an bald steigende Zinsen in den USA nicht zusätzlich, allerdings seien «diese bereits deutlich ausgeprägt».

Dass die Zinsen bald angehoben werden, daran hatte die US-Notenbank (Fed) in ihren am Vortag veröffentlichten Minutes keinen Zweifel gelassen. Darüber hinaus hatten sich einige Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses dafür ausgesprochen, auch schon kurz nach der ersten Zinserhöhung mit der Verringerung der Bilanzsumme der Notenbank zu beginnen. Das habe die Märkte insofern überrascht, da die Fed-Protokolle eine recht aggressive geldpolitische Sicht der Notenbanker offenbart hätten, urteilte Analystin Birgit Henseler von der DZ Bank.

Nasdaq

Papiere von US-Banken gefragt

Erfreut reagieren darauf die Anleger aus dem Bankensektor, weil hier höhere Zinsen als vorteilhaft für das Alltagsgeschäft etwa mit Krediten gelten. Die Papiere der US-Großbanken JPMorgan , Morgan Stanley oder Citigroup kletterten im vorbörslichen Handel zwischen 1,3 und 1,5 Prozent. Unter den Banken beginnt in der kommenden Woche außerdem die Berichtssaison. Der JPMorgan-Experte Vivek Juneja rechnet mit einem sehr starken Kreditwachstum. Damit sollte die Branche im neuen Jahr nicht nur von steigenden Zinsen profitieren, so seine These.

Für die Papiere von Tesla, einem wichtigen Gradmesser für die Grundstimmung an der Nasdaq, ging es um weitere 2 Prozent bergab. Der Kurs nähert sich mit 1064 US-Dollar allmählich wieder der psychologisch wichtigen 1000-Dollar-Marke. Anfang Januar hatte eine Tesla-Aktie noch 1200 US-Dollar gekostet.

Am Unternehmensseite gab es ansonsten nur vereinzelt bewegende Nachrichten. Eine Stütze für den Dow waren die Aktien der Drogerie- und Apothekenkette Walgreens Boots Alliance. Diese ist dank Corona-Impfungen und -Tests mit überraschend starken Zuwächsen in das neue Geschäftsjahr gestartet. Im Zuge der Quartalszahlen wurde die Jahresprognose des Unternehmens angehoben.

Börsen in Asien mit deutlichen Verlusten

Die Fed-Protokolle haben auch die Börsen in Asien stark belastet. Der japanische Leitindex Nikkei-Index  schloss mit einem Minus von 2,9 Prozent auf 28.487 Punkte. Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland sank zuletzt um knapp 1 Prozent auf 4822 Punkte. In der Sonderverwaltungsregion Hongkong gab der Hang-Seng-Index um fast ein halbes Prozent auf 22.813 Punkte nach. Auch in Australien, Südkorea und Indien fielen die Kurse teils deutlich.

Bitcoin rutscht erneut ab - 30 Prozent Kursverlust binnen acht Wochen

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin kam ebenfalls stark unter Druck. Zuletzt notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  rund 8 Prozent schwächer bei 42.900 US-Dollar. Seit ihrem Hoch von 67.000 US-Dollar von Anfang November hat die Cyberdevise binnen acht Wochen inzwischen mehr als 30 Prozent an Wert verloren. Auch andere Kryptowährungen wie Ether standen auch am Donnerstag stark unter Druck.

Bitcoin

Ihren Tiefstand im vergangenen Jahr markierte der Bitcoin bei 27.734 US-Dollar am 4. Januar, seitdem hatte sich der Kurs zeitweise mehr als verdoppelt. Seit Anfang November 2021 stehen Kryptowährung jedoch unter verstärktem Abgabedruck, da Anleger eine schärfere Regulierung befürchten.

Ölpreise geben nach

Die Ölpreise sind am Donnerstag gesunken. Die allgemein trübe Stimmung auf den Finanzmärkten zog auch die Notierungen am Ölmarkt nach unten. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete am Morgen 80,13 Dollar. Das waren 67 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  fiel um 63 Cent auf 77,22 Dollar.

Ausschlaggebend für die trübe Stimmung ist auch hier das am Vorabend veröffentlichte Protokoll der jüngsten Zinssitzung der US-Notenbank Fed. Außerdem wurde auf die Corona-Krise in China verwiesen. Die Regierung hat zuletzt mehrfach Ausgangsverbote in großen Städten verhängt. Wegen der Einschränkung der Mobilität befürchten Anleger einen Rückgang der Nachfrage nach Rohöl in China.

Zudem hat sich der Ölverbund Opec+ trotz der schnellen Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus für eine erneute Erhöhung der Fördermenge entschieden. Im Verlauf der Woche wurde beschlossen, dass die von Saudi-Arabien und Russland dominierte Allianz ihre Fördermenge im Februar um weitere 400.000 Barrel pro Tag ausweiten wird.

Mit Nachrichtenagenturen
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