Kursrutsch an der Börse Dax fällt auf niedrigsten Schlusskurs seit einem Jahr

Der Dax setzt seinen Kursrutsch am Dienstag fort und fällt unter die Marke von 14.000 Zählern. In den USA baut der US-Leitindex Dow Jones ebenfalls seine Verluste aus.
Händlerin an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main: Der Dax taumelt abwärts

Händlerin an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main: Der Dax taumelt abwärts

Foto: Frank Rumpenhorst / picture alliance / dpa

Eine Fülle von Sorgen zehrt an den Nerven der Anleger: Der Krieg in der Ukraine treibt die Rohstoffpreise, wodurch ein Inflationsschub bei gleichzeitiger Abkühlung der Konjunktur droht. Dazu gesellen sich enttäuschende Firmenbilanzen. Dax  und EuroStoxx50 verloren am Dienstag jeweils knapp vier Prozent auf 13.905 beziehungsweise 3777 Punkte. Das war für beide Indizes der niedrigste Schlusskurs seit etwa einem Jahr. Der US-Standardwerteindex Dow Jones büßte 1,7 Prozent ein.

"Wenn man unterstellt, dass es keine schnelle Lösung für den Konflikt gibt, könnte das weltweite Wirtschaftswachstum um einen halben bis einen Prozentpunkt geringer ausfallen", prognostizierte Paul Jackson, leitender Analyst beim Vermögensverwalter Invesco. Teile Europas könnten sogar in eine Rezession rutschen. Außerdem müsse mit einer langfristig hohen Inflation gerechnet werden.

Einem Satellitenfirma zufolge hat Russland Verbände vor der ukrainischen Hauptstadt Kiew zusammengezogen. Gleichzeitig intensivierte es den Beschuss ukrainischer Städte. "Beim Thema direkter Sanktionen gegen russische Öl- und Gas-Exporte ist es nur noch eine Frage von 'wann' und nicht 'ob'", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Dax

Die Entwicklung der kommenden Monate werde vor allem im Zeichen großer Unsicherheit über russisches Öl, Gaslieferungen und die Sanktionen im Finanzsektor stehen, konstatierte Michael Heise, Chefvolkswirt vom Vermögensverwalter HQ Trust. Die Zentralbanken könnten indes den geplanten Zinsanstieg nun etwas behutsamer angehen.

Kein Handel in Moskau, Rubel stabilisiert sich

Russland setzte zuletzt den Invasionskrieg in der Ukraine mit unverminderter Härte fort. Erste Gespräche zwischen den Ländern blieben ohne greifbares Ergebnis. Die USA planen inzwischen ein milliardenschweres Hilfspaket für die Ukraine. Lesen Sie alle Entwicklungen in unserem Newsblog.

An der Moskauer Börse soll unterdessen auch am Dienstag kein Aktienhandel stattfinden. Der Handel an der Aktien- und Derivatebörse werde am 1. März nicht wieder aufgenommen, entschied die russische Zentralbank noch am Montag. Die russische Währung stabilisiert sich am Dienstag nach ihrem Absturz zum Wochenanfang wieder. Nach einer Notzinserhebung und mehreren Sofortmaßnahmen der russischen Zentralbank erholte sich die Währung etwas. Am Dienstag liegt der Dollar unverändert bei 101 Rubel. Am Vortag war der Dollar wegen des eskalierenden Streits Russlands mit dem Westen auf ein Rekordhoch von zeitweise 120 Rubel geschossen.

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"Die EU hat ihre Reaktion auf den Krieg in der Ukraine deutlich verschärft", schrieb Volkswirt Gilles Moëc von Axa Investment. Mit Blick auf die Entscheidung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die nukleare Abschreckung Russlands in Alarmbereitschaft zu setzen, werde "die Neubewertung der Situation durch den Markt wahrscheinlich schmerzhaft sein". Steigende europäische Erdgaspreise seien das Hauptrisiko für das Wachstum. Höhere Energiekosten dürften die Gewinne und Investitionen europäischer Unternehmen schmälern.

Rüstungsaktien mit deutlichen Gewinnen

Die Aktien von Hensoldt und Rheinmetall haben am Dienstag erneut Käufer angezogen. Der fortgesetzte Krieg in der Ukraine nährt die Erwartung steigender Rüstungsausgaben in der Zukunft. Während Rheinmetall um 8 Prozent zulegten, schnellten Hensoldt um 18,5 Prozent nach oben. Damit handelten beide Papiere allerdings noch immer unter den Höchstkursen vom Wochenauftakt.

Beiersdorf fanden sich mit einem Aufschlag von 4 Prozent ebenfalls unter den Dax-Gewinnern wieder, laut Marktteilnehmern half vor allem der Ausblick des Nivea-Herstellers. Bayer-Papiere holten mit einem Plus von mehr als 3 Prozent die Vortagesverluste auf, auch hier kamen insbesondere die Konzernziele gut an sowie der zuletzt unerwartet gute Lauf in der Agrarchemiesparte.

Zalando und HelloFresh enttäuschen

Heftig enttäuscht zeigten sich die Anleger dagegen vom schwächeren Wachstumsausblick des Online-Modehändlers Zalando. Die Papiere brachen um fast 7 Prozent ein. Erst vor dem Wochenende hatte der Kurs das niedrigste Niveau seit Mai 2020 markiert.

Noch stärker unter Druck standen am Dax-Ende HelloFresh mit fast 8 Prozent Minus. Mit den Wachstumszielen des Kochboxenversenders dürften deutlich höhere Investitionen einhergehen, schrieb Analystin Niza Naizer von der Deutschen Bank.

USA: Dow Jones rutscht weiter ab

Auch an der Wall Street starteten die Anleger verhalten und trennten sich tendenziell von Aktien. Der Leitindex Dow Jones Industrial notierte zuletzt 1,4 Prozent tiefer. Der marktbreite S&P 500 sank um rund 1 Prozent. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 schwankte am Dienstag um den Vortagesschluss.

Nasdaq

Ungeachtet neuer westlicher Sanktionen verschärft Russland seine Angriffe auf die Ukraine. Die Anleger sind vor diesem Hintergrund weiterhin sehr nervös und steuern den als sicher empfundenen Hafen der Staatsanleihen an. Zudem ziehen die Ölpreise stark an. Rohstoffexperten beschäftigen sich mit den Konsequenzen für die Öllieferungen Russlands. Das Land ist einer der weltgrößten Rohölförderer und -exporteure.

Asiatische Börsen fester

Die asiatischen Börsen haben am Dienstag weiter zugelegt. Die vergleichsweise solide Entwicklung der Wall Street und besser als erwartete chinesische Konjunkturdaten stützten. Damit zeigten sich die Börsen in Fernost wenig beeindruckt von der weiterhin angespannten Lage in der Ukraine.

In Tokio legte der Nikkei-Index  um 1,2 Prozent auf 26.844 Punkte zu. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland zog um 0,83 Prozent auf 4619 Punkte an. Für den Hang-Seng-Index in der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong ging es zuletzt um 0,41 Prozent auf 22.806 Punkte nach oben. In Australien gewann der S&P/ASX 200 0,67 Prozent auf 7095 Punkte.

Bitcoin mit deutlichen Kursgewinnen

Die Digitalwährung Bitcoin ist am Dienstag wieder deutlich gestiegen. Zuletzt notierte die größte Kryptowährung auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 43.568 US-Dollar. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine war der Bitcoin bis auf 34.600 US-Dollar eingebrochen, erholte sich dann aber schnell wieder. Die Kursgewinne erklärten Beobachter damit, dass der Swift-Ausschluss Russlands die Kryptowährungen als Ausweichwährung wieder in den Blickpunkt rücke. Reiche Russen könnten versuchen, Vermögen in Kryptowährung zu parken, um den Sanktionen westlicher Staaten zu entgehen.

Bitcoin

Ölpreise über 100 US-Dollar

Vor diesem Hintergrund stiegen die Ölpreise für die Rohöl-Sorte Brent  aus der Nordsee um neun Prozent auf ein Siebeneinhalb-Jahres-Hoch von 106,80 Dollar je Barrel (159 Liter). Ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) kostete am Dienstag 97,46 Dollar und damit 1,62 Dollar mehr als am Montag.

Brent

Auslöser des jüngsten Preisschubs am Erdölmarkt sind der Krieg Russlands in der Ukraine und die sich eintrübenden Beziehungen zwischen dem Westen und Russland. Rohstoffexperten beschäftigen sich mit den Konsequenzen für die Öllieferungen Russlands. Das Land ist einer der weltgrößten Rohölförderer und -exporteure. Die Internationale Energieagentur (IEA) will am Dienstag eine außerordentliche Sitzung zu der Thematik abhalten.

Die scharfen Wirtschafts- und Finanzsanktionen, die viele Länder gegen Russland ergriffen haben, richten sich bisher nicht direkt gegen den Ölsektor. Ebenso hat Russland bisher keine konkreten Gegensanktionen auf dem Gebiet ergriffen. An den Märkten wird spekuliert, dass große Volkswirtschaften wie die USA einen Teil ihrer strategischen Erdölreserven freigeben könnten.

Mit Nachrichtenagenturen