Börse Viele Risiken lähmen den Dax, Ölpreise fallen weiter

Der Krieg in der Ukraine und die Risiken einer drohenden Stagflation haben den Dax erneut in die Verlustzone gedrückt. Auch die Ölpreise fallen erneut. An der Wall Street gewinnen die Titel des Computerherstellers HP nach dem Zukauf von Warren Buffett stark.
Börsenstadt Frankfurt am Main: Wenig Optimismus unter den Anlegern

Börsenstadt Frankfurt am Main: Wenig Optimismus unter den Anlegern

Foto: Boris Roessler / DPA

Drohende Zinserhöhungen, eine mögliche Stagflation und damit verbunden der Krieg in der Ukraine lassen derzeit am deutschen Aktienmarkt keine länger anhaltende Erholung zu. Nachdem der Dax am Donnerstag zunächst zulegte und einen kurzen Ausflug über die Marke von 14.300 Punkte wagte, ging es rasch wieder nach unten. Mit einem Abschlag von 0,52 Prozent auf 14.078 Punkte ging der Leitindex nur wenige Zähler über seinem Tagestief aus dem Handel. Der MDax sank um 0,73 Prozent auf 30.395 Punkte. Der EuroStoxx 50 büßte 0,59 Prozent ein auf 3802 Zähler.

Die Risiken einer Stagflation, also einer schwächer laufenden Wirtschaft bei gleichzeitig anziehender Inflation, nähmen deutlich zu, so Volkswirt Andrew Kenningham von Capital Economics. Ungeachtet des wirtschaftlichen Schadens durch den Ukraine-Krieg dürfte die hohe Inflation die Europäische Zentralbank (EZB) zu einem schnelleren Beginn einer geldpolitischen Straffung veranlassen, als dies gegenwärtig am Markt eingepreist sei, so seine Prognose.

Eine schnellere Gangart legen auch die Währungshüter in den USA an den Tag. Aus dem Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung ging am Vortag hervor, dass die Notenbank eine zügige Rückführung ihrer Bilanzsumme anstrebt. Man will monatlich Anleihen im Wert von bis zu 95 Milliarden US-Dollar auslaufen lassen, ohne neue nachzukaufen. Bei einer härteren Geldpolitik mit steigenden Zinsen verschlechtern sich die Voraussetzungen für Aktien-Investments, weil andere Anlageklassen dann wieder attraktiver werden.

Dax

Als Schlusslicht im Dax weiteten die Anteile des Essenslieferdienstes Delivery Hero ihre Vortagesverluste um etwas mehr als 5 Prozent aus. Oben im Leitindex fanden sich die Titel des Duftstoff- und Aromenherstellers Symrise mit plus 2,4 Prozent.

Gerresheimer gewannen an der MDax-Spitze 5,4 Prozent. Die Aktien des Spezialverpackungsherstellers für Pharma- und Kosmetik profitierten von Quartalszahlen und einem angehobenen Umsatzausblick.

Immobilien-Aktien belastete die Aussicht auf steigende Zinsen. Vonovia etwa verloren im Dax 2,5 Prozent, die Papiere der Tochter Deutsche Wohnen im MDax 3,9 Prozent.

Top-Favorit im Nebenwerte-Index SDax waren mit plus 5,6 Prozent die Anteile des Biokraftstoff-Herstellers Verbio. Eine deutliche Kurszielerhöhung auf 110 Euro durch die Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe gab Auftrieb. Eine erneute Aufstockung der Jahresziele sei nur eine Frage der Zeit, hieß es in der Studie.

Ebenfalls im Plus waren die Papiere des Stahlhändlers Klöckner & Co (KlöCo) Eine positive Ergebnisüberraschung im ersten Quartal bescherte den Papieren ein Kursplus von 2,3 Prozent.

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Wall Street beruhigt

Am US-Aktienmarkt haben die Technologiewerte nach ihrer jüngsten Talfahrt nur noch leicht nachgegeben. Für etwas Beruhigung sorgte am Donnerstag, dass die Rendite für zehnjährige Staatspapiere nicht mehr so stark anzog. Zuletzt war unter anderem befürchtet worden, dass deutlich steigende Zinsen die Finanzierungskosten der sehr wachstumsorientierten Tech-Werte erhöhen können. Ferner verringern anziehende Zinsen den heutigen Wert der hohen Gewinne, den die Tech-Unternehmen in der Zukunft erwirtschaften wollen. Ein weiterer Nebeneffekt höherer Zinsen ist, dass Aktien allgemein im Vergleich zu weniger riskanten Anlagen wie Anleihen an Attraktivität einbüßen. Insofern agierten die Anleger weiter vorsichtig.

Der Leitindex Dow Jones Industrial stand zuletzt 0,04 Prozent höher bei 34 512 Punkten. Für den breiter gefassten S&P 500 ging es geringfügig auf 4485 Punkte nach oben. Der technologielastige Nasdaq 100 gab um 0,17 Prozent auf 14 474 Punkte nach.

HP-Aktien steigen um mehr als 15 Prozent

Aktien von Tesla legten 1,4 Prozent zu. Hochrangige US-Regierungsvertreter hatten mit wichtigen Autobossen ein Gespräch über E-Autos und Auflademöglichkeiten geführt.

HP-Titel stiegen um 16,4 Prozent, nachdem Warren Buffetts Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway bekannt gegeben hatte, fast 121 Millionen Aktien des Personal Computing- und Druckunternehmens gekauft zu haben.
Ford-Aktien verloren dagegen fast 4 Prozent und litten damit unter einer skeptischen Studie der britischen Investmentbank Barclays. Trotz des jüngsten Ausverkaufs unterschätzten Investoren nach wie vor die Risiken für den Automobilsektor, schrieb Analyst Brian Johnson. Der Experte verwies auf die hohe Inflation und den Produktionsdruck. Kurzfristig scheine Ford anfällig für den anhaltenden Chipmangel zu sein

Nasdaq

Asiens Börsen schwächer

In Tokio zeigte sich die Börse am Donnerstag schwächer. Die Angst vor schnell steigenden Zinsen in den USA im Kampf gegen die Inflation sorgte an den asiatischen Märkten insgesamt für fallende Kurse. Langsam würden die Börsen die veränderte Grundhaltung in den USA verstehen, sagten Marktstrategen.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 2 Prozent tiefer bei 26.803 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 1,8 Prozent und lag bei 1889 Punkten.

Bitcoin unter Druck

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte zuletzt bei 43.525 Dollar. Die Kryptowährung befindet sich seit Tagen im Sinkflug.

Bitcoin

Ölpreise fallen weiter

Die Ölpreise sind am Donnerstag erneut unter Druck geraten. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent fiel erstmals seit dem 17. März unter die Marke von 100 US-Dollar. Bis zum späten Nachmittag sank der Preis um 1,51 Dollar auf 99,53 Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) gab um 1,24 Dollar auf 95,00 Dollar nach.

Brent

Die Ölpreise knüpften an ihre noch deutlicheren Verluste vom Vortag an. Am Mittwoch waren die Preise unter Druck geraten, nachdem der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, auf Twitter eine zusätzliche Freigabe aus der strategischen Ölreserve der Mitgliedsländer bestätigt hatte. Details dazu wurden am Donnerstagabend bekannt gegeben: die IEA gibt 120 Millionen Barrel Rohölreserven frei. Erst kürzlich hatten die USA mitgeteilt, einen erheblichen Teil ihrer Ölreserven auf den Markt zu geben.

Mit Nachrichtenagenturen