Mittwoch, 13. November 2019

Börsenprofi Moritz Schildt erklärt Wann die Anleihe die Aktie schlägt

Skyline des Bankenviertels in Frankfurt am Main
Frank Rumpenhorst / DPA
Skyline des Bankenviertels in Frankfurt am Main

Auch wenn der Sektor der "Financials", also Banken und Versicherungen, traditionell zu den wichtigsten und größten Segmenten des Anlageuniversums gehört, hat dieser Bereich in der Vergangenheit Anlegern nur wenig Freude bereitet. Über 5 Jahre haben Investoren des EuroStoxx-Banks-Index mit einer Performance von -26,85% einen gehörigen Verlust eingefahren, während der EuroStoxx 50 ein deutliches Plus von 37,96% verbuchen konnte. Schließlich weist der Sektor auch eine deutlich höhere Volatilität auf: Über 5 Jahre erreicht der Bankenindex einen Wert von 27,06% während der EuroStoxx 50 nur eine Volatilität von 17,54% aufweist.

Moritz Schildt
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    Moritz Schildt ist Gründer der nordIX AG, die auf festverzinsliche Anlagen spezialisiert ist. Das Unternehmen verwaltet in fünf 5 Spezial- und Publikumsfonds mehrere 100 Millionen Euro.

Und die Hoffnungen auf eine baldige Erholung des Sektors sind allenfalls moderat: Sowohl Banken als auch Versicherungen haben erheblich mit dem Niedrigzinsumfeld zu kämpfen. Das Eigengeschäft und Zinsergebnis, das bei vielen Banken historisch oft mehr als 50% zum Ergebnis beiträgt, ist kaum noch profitabel zu gestalten. Fast noch bedrohlicher sieht es bei den Versicherungen aus: Viele Anbieter sind bereits seit mehreren Jahren nicht in der Lage, mit den am Markt verfügbaren Anlagen die kalkulatorisch erforderlichen Renditeniveaus zu erreichen.

Aber nicht nur die Zinsentwicklung gibt Anlass, hinsichtlich der Ertragspotentiale des Finanzsektors gesunde Vorsicht walten zu lassen. Die laufend strengeren regulatorischen Anforderungen, die zunehmende Konkurrenz durch Fintechs, die ohne den Ballast jahrzehntealter IT-System den Herausforderungen der Digitalisierung begegnen können, machen es schwer, ein Wachstumsszenario mit entsprechenden Kursgewinnen zu zeichnen.

Auch wenn in Bezug auf das künftige Ertragspotential Anlass zur Vorsicht besteht, wäre es falsch, die Financials kategorisch zu ignorieren. Gerade die gestiegenen regulatorischen Anforderungen und der damit oftmals induzierte Rückgang der risikobehafteten Assets hat auch etwas Gutes: Was einerseits Marge kostet, trägt andererseits zur Stabilität des Sektors bei und macht die Unternehmen weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen. Dies könnte die Hypothese rechtfertigen, dass die traditionell hohen Risikoaufschläge des Finanzsektors teils überhöht sein könnten.

Hiervon können Anleiheinvestoren profitieren: Unser Chart der Woche zeigt den Kursverlauf der Aktie der nach Marktkapitalisierung zweitgrößten Bank Europas - der spanischen Banco Santander - im Vergleich zu einer Nachranganleihe des selben Emittenten. Während die Aktie im Dreijahreszeitraum vom 03.10.2016 bis 23.09.2019 eine moderate Performance von 6,37% erzielen konnte, gleichzeitig aber eine Volatilität von 23% aufwies, hat ein Investor, der stattdessen in eine nachrangige Anleihe der Santander investiert hat, eine Performance von 34,15% erzielen können und dabei eine Volatilität von nur 6,51% hinnehmen müssen.

Das Beispiel Santander steht dabei stellvertretend für den gesamten Sektor: Auch bei der Deutschen Bank hätte eine Investition in die Aktie im Zeitraum vom 02.01.2019 bis 07.10.2019 eine Rendite von -57% erwirtschaftet. Demgegenüber konnte der Käufer einer Nachranganleihe der Deutschen Bank einen Ertrag von 12,24% einspielen.

Gerade im Bereich der Nachranganleihen, die traditionell im Financial-Sektor eine besondere Bedeutung haben und in vielen Ausprägungen am Markt erhältlich sind, bieten sich durchaus interessante Investitionsmöglichkeiten. Die höhere Verzinsung des Nachrangkapitals ist dem Umstand geschuldet, dass die nachrangigen Titel einem höheren Ausfallrisiko unterliegen, da im Falle einer Insolvenz des Schuldners diese Anleihen erst nachrangig bedient werden, also nur dann zurückgezahlt werden, nachdem zunächst die Gläubiger normaler Schuldtitel befriedigt worden sind.

Dieser Nachteil kommt also nur zum Tragen, wenn tatsächlich ein Ausfall des Schuldners zu befürchten ist. Daher erfordert die Suche nach attraktiven Nachrangtiteln eine sorgfältige Analyse sowohl des Emittenten als auch der konkreten Ausgestaltungsmerkmale der jeweiligen Anleihe.

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