Börse Dax lässt vor US-Inflationsdaten Luft ab

Vor den US-Inflationszahlen nimmt die Nervosität der Anleger zu. Der Dax schließt mit deutlichen Verlusten, auch in New York halten sich die Investoren zurück. Besonders unter Druck geraten die Aktien von Continental, Titel der Rückversicherer sind gefragt. Der Ölpreis zieht an, der Bitcoin fällt.
Abwärts: Der Dax schloss am Dienstag an der Frankfurter Börse mit Verlusten

Abwärts: Der Dax schloss am Dienstag an der Frankfurter Börse mit Verlusten

Foto: A3399 Arne Dedert/ dpa

Vor den zur Wochenmitte anstehenden US-Inflationszahlen hat die Nervosität am deutschen Aktienmarkt am Dienstag zugenommen und für Gewinnmitnahmen gesorgt. Der Dax  schloss mit einem Minus von 1,12 Prozent bei 13.534 Punkten, nachdem er sich seit Mitte Juli um rund neun Prozent erholt hatte. Der MDax  der mittelgroßen Unternehmen verlor am Dienstag 2,09 Prozent auf 27.270 Zähler.

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Mit Spannung warten die Marktteilnehmer auf die aktuellen US-Verbraucherpreise am Mittwochnachmittag. "Sollte die Teuerungsdynamik nachlassen, könnte der geldpolitische Gegenwind in Zukunft weniger stark ausfallen. Dies wäre Wasser auf die Mühlen der Anleger. Verharrt die Inflation jedoch weiterhin auf sonderbar hohem Terrain, dürften die Zinszügel auf der kommenden September-Sitzung erneut deutlich angezogen werden", glaubt Marktanalyst Timo Emden von Emden Research.

US-Tech-Werte geben nach

Zum Handelsschluss in Europa notierten die US-Aktienindizes im Minus. Insbesondere die zinssensiblen Technologiewerte gerieten nochmals unter Druck. Der Tech-Index Nasdaq 100 verlor zuletzt 1,30 Prozent auf 12.988 Punkte. Der Leitindex Dow Jones notierte geringfügig im Minus bei 32.821 Zählern. Der marktbreite S&P 500  rutschte um 0,40 Prozent tab auf 4124 Zähler.

Einen Tag vor der Veröffentlichung viel beachteter Verbraucherpreisdaten in den USA für Juli scheuten die Anleger eher das Risiko. Ökonomin Tiffany Wilding vom Vermögensverwalter Pimco geht zwar davon aus, dass sich die Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Komponenten Energie und Lebensmittel im Monatsvergleich gegenüber dem alarmierend hohen Wert des Vormonats abschwächen wird. Die Expertin erwartet dennoch, dass eine feste Kerninflationsrate und steigende Lohnstückkosten die Stärke des zugrunde liegenden Inflationsdrucks bekräftigen werden.

In den USA liegt die Inflation derzeit deutlich über der von der Fed anvisierten Zielmarke von 2 Prozent. Zuletzt hatten US-Notenbanker mehrfach Hinweise auf weiter steigende Zinsen gegeben. Allerdings gibt es auch die Befürchtung, dass höhere Zinsen die Konjunktur deutlich belasten. In einem solchen Szenario würden insbesondere die stark wachstumsorientierten Technologiefirmen unter hohe Finanzierungskosten leiden.

Papiere der Rückversicherer gefragt

Unter den Einzelwerten setzten sich die Rückversicherer an die Dax-Spitze. Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hatte zwar durchwachsene Quartalszahlen gemeldet, doch Analysten fokussierten sich vor allem auf die "hervorragende Solvabilität", also die Ausstattung mit Eigenmitteln, sowie das bekräftigte Ziel für den Jahresüberschuss. Munich Re legten ebenso wie die Papiere des Konkurrenten Hannover Rück um 1,8 Prozent zu.

Continental-Aktie stark unter Druck

Für die Anteilscheine des Autozulieferers und Reifenherstellers Continental ging es dagegen um 6,5 Prozent abwärts. Wegen gestiegener Kosten und Abschreibungen im zweiten Quartal rutschte der Konzern in die Verlustzone.

Der Flughafenbetreiber Fraport erhöhte nach einem starken Geschäftsbericht zum zweiten Quartal seine Jahresziele für die Passagierzahlen und den Gewinn im Tagesgeschäft. Die Aktie stieg letztlich um 2,0 Prozent.

Jungheinrich setzten sich nach einer positiven Studie von Hauck & Aufhäuser IB mit plus 2,9 Prozent an die MDax-Spitze. Analyst Jorge Gonzalez Sadornil erwartet, dass steigende Verkaufspreise und zugleich sinkende Stahlpreise dem Gabelstaplerhersteller im restlichen Jahresverlauf ein Stück weit in die Karten spielen dürften.

Brent-Ölpreis klettert binnen Stunden um mehr als 2 Dollar

Die Ölpreise haben am Dienstag nach anfänglichen Verlusten zugelegt. Marktbeobachter begründeten die Preisentwicklung mit Meldungen, dass die Lieferung von russischem Öl über den Südstrang der Pipeline Druschba (Freundschaft) unter anderem nach Ungarn eingestellt worden sei. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordsee-Sorte Brent  stieg auf 97,54 US-Dollar. Das waren 89 Cent mehr als am Vortag. Im späten europäischen Vormittagshandel war der Brent-Preis noch auf 94,90 Dollar gefallen. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) legte um 58 Cent auf 91,34 Dollar zu.

Der Transit von russischem Öl nach Ungarn wurde nach Angaben aus Moskau gestoppt. Der russische Pipeline-Monopolist Transneft machte für den Lieferstopp die Ukraine verantwortlich: "Tatsächlich hat (das ukrainische Unternehmen) Ukrtransnafta das Durchpumpen von Öl nach Ungarn, Tschechien und in die Slowakei über den Südstrang der Pipeline Druschba am 4. August um 6.10 Uhr morgens vollständig gestoppt", gab Transneft laut staatlicher russischer Nachrichtenagentur Ria Nowosti am Dienstag bekannt. Von ukrainischer Seite gab es dafür zunächst keine Bestätigung.

Bitcoin nahe 23.000 Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte am Abend auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 23.065 US-Dollar. Am Vormittag wurde der Bitcoin am Vormittag noch mit knapp 23.900 Dollar gehandelt.

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Mit Nachrichtenagenturen
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