Börse Snap reißt US-Techwerte und Dax mit in die Tiefe

Die Snap-Aktie bricht nach einer Gewinnwarnung um 40 Prozent ein und reißt andere Technologiewerte an der Wall Street mit in die Tiefe. Der Dax baut seine Verluste aus, der Bitcoin fällt unter 29.000 Dollar.
Und abwärts: Händler an der New Yorker Börse

Und abwärts: Händler an der New Yorker Börse

Foto: IMAGO/Courtney Crow / IMAGO/Xinhua

Ein Rekordkurssturz bei Snap hat Anleger an den US-Börsen am Dienstag geschockt. Die Aktien  des Snapchat-Betreibers brachen nach einer Gewinnwarnung zuletzt noch um rund 40 Prozent auf 13,58 Dollar ein und rissen weitere Technologie-Aktien mit nach unten. Der Nasdaq 100 -Index brach um 3,4 Prozent auf 11.635 Punkte ein. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 1,33 Prozent nach auf 31.456 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500  verlor zuletzt rund 2,2 Prozent auf 3922 Zähler.

Nasdaq 100

Die heruntergeschraubten Erwartungen von Snap für das laufende Quartal seien ein Indiz für die sich verschlechternde Konjunktur und das Werbegeschäft, sagte Analyst Brent Thill von der Investmentbank Jefferies. Titel stark werbeabhängiger Firmen wie Twitter, Google-Mutter Alphabet, Meta Platforms und Pinterest rutschten zwischen 2,8 und 17 Prozent ab.

Snap hatte in der Nacht zu Dienstag erklärt, dass die Ziele bei Umsatz und operativem Gewinn sehr wahrscheinlich verfehlt würden. Seit der Prognose vor einem Monat habe sich das Konjunkturumfeld weiter verschlechtert - und zwar schneller als erwartet. Snap hatte bereits im April vorsichtige Töne eingeschlagen, nachdem das Geschäft im ersten Quartal unter anderem vom russischen Angriffskrieg in der Ukraine gebremst wurde. Die Warnung offenbart nun eine rapide Verschlechterung des Geschäfts. Ins Jahr gestartet war Snap so stark, dass es im ersten Quartal noch ein Umsatzplus von 38 Prozent gab – obwohl nach der russischen Invasion viele Werbekunden zeitweise ihre Kampagnen gestoppt hatten. Für das laufende Vierteljahr stellte Snap dann nur noch ein Wachstum von 20 bis 25 Prozent in Aussicht, da die Firma bereits mit Gegenwind unter anderem durch Inflationssorgen rechnete. Doch auch diese Erwartung wird wohl verfehlt.

Auch bei Abercrombie & Fitch gab es einen Kurssturz. Die Aktien stürzten um knapp 30 Prozent ab, nachdem der Bekleidungseinzelhändler seinen Umsatzausblick für das Gesamtjahr gesenkt hat.

Dax stürzt ab

Die Schaukelbörse der vergangenen Tage hat sich am Dienstag fortgesetzt. Nach Kursgewinnen zum Wochenbeginn ging es kräftig abwärts. Der Dax  verlor 1,8 Prozent auf 13.920 Punkte und fiel in den Abwärtstrend zurück. Seit Wochen schon pendelt der Leitindex um die Marke von 14.000 Zählern. Der MDax  der mittelgroßen Unternehmen büßte 1,9 Prozent auf 28.894 Punkte ein.

Auch europaweit standen die Börsen unter Druck. Der EuroStoxx 50  fiel um 1,64 Prozent auf 3647,56 Punkte. Der Pariser Cac 40 schloss 1,66 Prozent niedriger.

"Letzten Endes ist die konjunkturelle Unsicherheit immens, und auch wenn eine Rezession nicht das Basisszenario ist, so ist sie doch eine realistische Perspektive", sagte Analyst Craig Erlam vom Handelshaus Oanda. Zuletzt hätten die Wachstumsschwäche Chinas und eine Gewinnwarnung des Social-Media-Unternehmens Snap die Anleger verunsichert. Mit Snap gerieten an der US-Börse Nasdaq auch andere Branchentitel wie Meta, Pinterest und Match Group unter Druck.

Dax

Anleger hatten sich bereits seit Börsenstart am Morgen zurückgehalten, auch weil in der Eurozone nun die Zinswende konkrete Formen annimmt. So ist laut der Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, ein Ende der Netto-Wertpapierkäufe "sehr früh" im dritten Quartal zu erwarten. Dies würde eine erste Zinsanhebung im Juli ermöglichen, so die Französin.

Die Geldpolitik müsse sich auf die Bekämpfung der hohen Inflation konzentrieren, sodass kein Raum mehr bleibe für die indirekte Unterstützung der Aktienmärkte, wie sie in den vergangenen Jahren stets in Schwächephasen erfolgt sei, erläuterten die Volkswirte der DekaBank. Kurzfristig dürften die Schwankungen an den Märkten erhöht bleiben, langfristig orientierte Anleger könnten ausgeprägte Schwächephasen aber für Zukäufe nutzen, hieß es weiter.

About You verlieren zweistellig

Am deutschen Aktienmarkt stachen die Titel von About You mit einem Minus von zeitweise fast 14 Prozent heraus. Das war der größte Kurssturz seit dem Börsengang vor rund einem Jahr. Das angepeilte Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2022/2023 bleibe mit 25 bis 35 Prozent hinter den Markterwartungen zurück, moniert Analyst Volker Bosse von der Baader Helvea Bank. Daraufhin geriet auch Rivale Zalando unter Druck, dessen Papiere knapp 5 Prozent einbüßten.

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RWE fielen um fast 5 Prozent, Uniper im MDax-Ende um über 6,5 Prozent. Marktteilnehmer verwiesen als Belastung auf einen Pressebericht über eine womöglich drohende Sondersteuer in Großbritannien auf außerordentlich hohe Gewinne von Stromerzeugern durch den Preisanstieg der vergangenen Monate.

TAG Immobilien rutschten im MDax nach Zahlen für das erste Quartal um rund 8 Prozent ab. Der Tickethändler und Konzert-Veranstalter CTS Eventim zeigt sich nach einem Gewinn zum Jahresstart optimistisch für eine deutliche Erholung von der Corona-Pandemie, wagt aber trotz Rekord-Ticketabsatz keine klare Prognose für 2022. Der Aktienkurs sank um 7,5 Prozent.

Bitcoin unter 29.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 29.887 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise fallen leicht

Die Ölpreise sind am Dienstag leicht gefallen. Gegen Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  112,98 US-Dollar. Das waren 44 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 52 Cent auf 109,77 Dollar.

Mit Nachrichtenagenturen