Dienstag, 17. September 2019

Ende des Rekordlaufs Dax im Rückwärtsgang - und jetzt?

Kurspotenzial jenseits der 12.000 Punkte? Auch bei den Profis wächst die Skepsis

Zehn Wochen lang hat der Dax ununterbrochen zugelegt - und diese Gewinnserie jetzt mit einem Minus von 1,4 Prozent auf Wochensicht beendet. Privatanleger werden vorsichtig - und nicht nur sie.

Bei Anlegern wächst die Überzeugung, dass nach den enormen Kurssteigerungen seit Jahresbeginn die Zeit für eine Dax-Verschnaufpause gekommen ist.

Immerhin gäbe es genügend Anlässe für einen Kursrutsch. Der Bürgerkrieg im Jemen ruft Saudi-Arabien auf den Plan und lässt den Ölpreis steigen, Griechenland droht weiterhin die Staatspleite, und auch der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine schwelt weiter.

Dennoch sind Aktien trotz der jüngsten kräftigen Kurssteigerungen weiterhin einen Blick wert - wenn bestimmte Schritte sorgfältig abgearbeitet werden.

Schritt eins haben Privatanleger bereits vollzogen - eine nüchterne Bestandsanalyse. Und die fällt ernüchternd aus. So bezweifelt derzeit jeder Zweite, dass sich seine Geldanlage noch rechnet, notiert die Fondsgesellschaft Union Investment als eines der Ergebnisse einer Anlegerbefragung. Tatsächlich werfen Tagesgeld & Sparbuch derzeit kaum etwas ab. Deutschlands Sparer sind damit so etwas wie den Kollateralschaden der permanenten Krisenpolitik.

Auch Schritt zwei ist schon gemacht, wenngleich eher zögerlich. Denn die Einstellung ändert sich. Lange waren Deutschlands Anleger in eherner Treue dem Sparbuch ergeben. Doch jetzt - siehe Schritt eins - nicht mehr. Entsprechend orientieren sie sich um. So zeigt die Union-Studie, dass beispielsweise Investmentfonds erstmals seit dem ersten Quartal 2010 als attraktiver beurteilt werden als Tagesgeld. 31 Prozent der Befragten halten die Fonds nun für eine gute Idee, nur 29 Prozent das Tagesgeldkonto.

"Don't overpay!"

Nun steht Schritt drei aus - weg von der abstrakten Erkenntnis, hin zu jenen Anlagen, die höhere Erträge versprechen als Sparkonten. Das sind Aktien, sei es als Fonds oder als Direktanlage. Doch bei diesem Schritt zaudern die Menschen. Kein Wunder: Den entscheidenden Punkt sprach Steven Andrew während einer Telefonkonferenz an. "Don't overpay", bloß nicht zu viel zahlen, sagte der Fondsmanager von M&G. Das sei die Devise.

Sind Aktien bereits zu teuer? Immerhin hat die lange Hausse deren Bewertungen nach oben getrieben. Dax-Papiere beispielsweise liegen inzwischen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von gut 15 schon etwas über dem langjährigen Schnitt, schreibt die Privatbank Ellwanger & Geiger. Vielleicht ist das teuer. Doch nicht im Vergleich. Und Profiinvestoren denken immer in Alternativen, vergleichen.

Anleihen zum Beispiel seien in Relation zu Aktien "hoffnungslos überbewertet", schreibt die Bank. Und tröstlich ist auch der Blick nach Amerika: "Europäische Aktien sind anhand unterschiedlicher Kennzahlen billiger als amerikanische Aktien - und das schon länger", sagt Mark Nichols, Fondsmanager von F&C Investments. Mit anderen Worten: Aktien sind weit davon entfernt, günstig zu sein.

Sie deswegen kategorisch abzulehnen ist deswegen genau falsch wie ihr blinder Kauf. Stattdessen muss sich jeder fragen, mit wie viel Risiko er leben kann, wie viel Zeit er für die Anlage hat - und wie viel er mit seiner Geldanlage erzielen will. Und ob nicht langfristig die Aussichten für Dividenden und Wertsteigerungen unternehmerischer Beteiligungen besser sind. Werden Privatanleger also verstärkt auf Aktien setzen? Die Studienautoren von Union Investment zumindest sind skeptisch. Nur jeder fünfte Sparer sei bereit, für die Aussicht auf höheren Ertrag auch risikoreichere Geldanlagen in Betracht zu ziehen. Und der Preis für eine höhere Renditechance, so die simple Börsenweisheit, ist nun einmal die Bereitschaft zum Risiko.

Die Charts der Woche: Welche Dax-Aktien noch Potenzial haben

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