Börse Dax steigt deutlich, Kurssprung bei Pinterest

Die Autobauer VW, Mercedes und BMW stützen den Dax. Auch der Dow legt zu. In den USA klettert die Aktie von Pinterest zweistellig. Der Finanzinvestor Elliott steigt bei dem Unternehmen ein.
Dax im Plus: Die Autowerte VW, BMW und Mercedes stützen den deutschen Leitindex

Dax im Plus: Die Autowerte VW, BMW und Mercedes stützen den deutschen Leitindex

Foto: Arne Dedert / picture alliance/dpa

Zum Ende einer schwachen Woche hat sich der Dax  am Freitag wieder stabilisiert. Bis zum Mittag baute der deutsche Leitindex seine Gewinne auf 1,8 Prozent aus und kletterte auf 12.730 Zähler. Damit hat er seine Verluste vom Vortag fast wieder egalisiert. Auch MDax und Eurostoxx legten deutlich zu. Vor allem Autowerte waren gefragt.

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Die Aktien der Autobauer und -zulieferer haben am Freitag die Erholungsbewegung an den europäischen Märkten angeführt. Der Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 zog um rund drei Prozent an - vor anderthalb Wochen hatte er noch den tiefsten Stand seit November 2020 markiert.

Autobauer und Autozulieferer gefragt

Im Dax behaupteten die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW ) nach Absatzzahlen für den Mai mit plus dreieinhalb Prozent ihre Gewinne. Die Wolfsburger scheinen sich allmählich aus der Absatzkrise durch fehlende Mikrochips und Corona-Probleme im wichtigsten Markt China herauszuarbeiten und peilen dort eine rasche Erholung an. Im Juni gingen die weltweiten Auslieferungszahlen gegenüber dem Vorjahr um 6,3 Prozent zurück - einen Monat zuvor hatte der Rückgang im Vergleich zu 2021 noch 23,5 Prozent betragen.

Hinter VW folgten die Papiere von Mercedes Benz, BMW und der VW-Dachgesellschaft Porsche und von BMW mit Kursaufschlägen von 2,6 bis 3,2 Prozent. Die Titel des Zulieferers und Reifenherstellers Continental und des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck verteuerten sich um über vier beziehungsweise mehr als drei Prozent.

Beim im MDax -notierten Zulieferer und Rüstungskonzern Rheinmetall stand ein Plus von rund dreieinhalb Prozent zu Buche. Dürr und Knorr Bremse legten um über vier beziehungsweise zweieinhalb Prozent zu, und im SDax ging es für Vitesco und Schaeffler um jeweils mehr als drei Prozent hoch

Italien-Krise: Draghi bleibt vorerst im Amt

"Auf den Ausverkauf folgt auch diesmal der Erholungsversuch", kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Laut Altmann seien es "zum einen die klassischen Schnäppchenjäger, die auf dem aktuellen Kursniveau günstige Einstiegschancen wittern". Dazu kämen "Erleichterungskäufe, weil Mario Draghi nach der Ablehnung seines Rücktrittsgesuchs auch heute Morgen noch italienischer Premierminister ist".

Schwache Wirtschaftsdaten aus China trüben unterdessen die Stimmung. Vor allem wegen der harten Corona-Lockdowns brach das Bruttoinlandsprodukt binnen Jahresfrist ein und legte nur um magere 0,4 Prozent zu. Allerdings fielen die Einzelhandelsumsätze besser als erwartet aus. Im Tagesverlauf stehen unter anderem die Einzelhandelsumsätze aus den USA im Fokus der Anleger.

MDax: Uniper klettert zweistellig, Software AG bricht ein

Die Aktien der Software AG verloren am MDax-Ende achteinhalb Prozent auf 24 Euro - damit setzten sie ihre jüngste Talfahrt fort und rutschten auf den niedrigsten Stand seit dem Frühjahr 2020. Der Konzern senkte sein Jahresziel für den Auftragseingang in der Digitalisierungssparte. Nach der schwächer als erwarteten Entwicklung im zweiten Quartal gebe es erste Anzeichen dafür, dass Kunden ihre Entscheidungen aufgrund des sich verändernden wirtschaftlichen Umfelds verzögerten, hieß es zur Begründung. Analyst Knut Woller von der Baader Bank zeigte sich überrascht von dieser Begründung. Berichte anderer Unternehmen hätten bislang darauf hingedeutet, dass sich die Softwareausgaben im zweiten Quartal gut entwickelt hätten. Es sei daher nicht auszuschließen, dass bei der Software AG auch interne Gründe eine Rolle gespielt hätten.

Derweil sprangen die schon zuletzt stabilisierten Aktien von Uniper an der MDax-Spitze um fast zehn Prozent auf 9,715 Euro hoch. Der angeschlagene Energieversorger profitierte davon, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs ihre Verkaufsempfehlung strich und die Titel nun mit "Neutral" empfiehlt. Analyst Alberto Gandolfi halbierte zwar gleichzeitig das Kursziel auf 10 Euro, liegt damit aber immer noch knapp über der aktuellen Bewertung. Seit Jahresbeginn habe die Aktie rund 80 Prozent verloren, und nun könne Uniper auf baldige staatliche Hilfe sowie die Erlaubnis zur Weitergabe der gestiegenen Gaspreise hoffen. Allerdings gibt es laut dem finnischen Mutterkonzern Fortum in den Gesprächen über Staatshilfen noch keine Einigung.

USA: Pinterest Aktie klar im Plus

Die nachlassende Furcht vor drastischeren Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed gibt der Wall Street Auftrieb. Außerdem hellten ermutigende Konjunkturdaten und Firmenbilanzen die Stimmung auf. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 stiegen zur Eröffnung am Freitag jeweils um etwa ein Prozent.

Erleichtert reagierten Investoren auf die Aussagen zweier führender US-Notenbanker, die sich für eine Zinserhöhung von 0,75 Prozentpunkten in zwei Wochen aussprachen. Nach den überraschend hohen US-Inflationsdaten vom Dienstag hatten sie einen Schritt von einem vollen Prozentpunkt befürchtet. "Die Debatte über eine Zinserhöhung um 100 Basispunkte hält den Markt in Atem", sagte Peter Cardillo, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Spartan. Positiv werteten Börsianer zudem den überraschend starken Anstieg der US-Einzelhandelsumsätze. Die Kauflaune der US-Verbraucher gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Nasdaq 100

Citigroup und Pinterest jeweils mit Kurssprung

Ein weiterer Lichtblick waren die Zahlen der Citigroup. Wegen Rückstellungen für faule Kredite brach der Quartalsgewinn zwar auf 4,5 von 6,19 Milliarden Dollar ein. Überstrahlt wurde dies aber von einem Umsatzplus von zehn Prozent auf 19,6 Milliarden Dollar dank brummender Handelsgeschäfte. Citi-Aktien stiegen um 6,5 Prozent.

In den USA legten die Aktien der Online-Pinnwand Pinterest zeitweise um 10 Prozent zu. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" steht der Finanzinvestor Elliott vor dem Einstieg bei dem Unternehmen. Elliott werde mehr als 9 Prozent der Anteile an Pinterest erwerben, hieß es.

Bitcoin verharrt bei 20.000 US-Dollar

Die Digitalwährung Bitcoin pendelt weiter um die Marke von 20.000 US-Dollar. Am Morgen notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  bei rund 20.650 US-Dollar und damit etwa 2,5 Prozent höher als am Vortag. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise steigen wieder

Die Ölpreise sind am Freitag gestiegen und haben sich nach starken Verlusten im Verlauf der Handelswoche stabilisiert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete am Morgen 100,00 US-Dollar. Das waren 90 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 54 Cent auf 96,32 Dollar.

Brent

Am Vortag hatten die Ölpreise noch zeitweise erheblich unter Druck gestanden. Der Preis für Rohöl aus der Nordsee war bis auf 94,50 Dollar gefallen. Das ist der tiefste Stand seit Februar. Am Donnerstagnachmittag setzte dann eine Erholung am Ölmarkt ein, und die Notierung für Brent-Öl konnte sich kurz vor dem Wochenende bei 100 Dollar stabilisieren.

Schwache Konjunkturdaten aus China haben die Ölpreise am Morgen nicht belastet. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat die Konjunktur deutlich an Fahrt verloren.

Mit Nachrichtenagenturen
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