Börse Nervöser Handel vor Zinsentscheidung in den USA

Der Dax beendet den Handel am Dienstag mit Gewinnen. In den USA reduziert der Dow Jones seine Verluste, der Nasdaq bleibt allerdings unter Druck. Der Bitcoin erholt sich.
Zitterkurve: Anleger sind vor dem Treffen der US-Notenbanker hochnervös

Zitterkurve: Anleger sind vor dem Treffen der US-Notenbanker hochnervös

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Der deutsche Aktienmarkt hat sich von seiner steilen Talfahrt zu Wochenbeginn etwas erholt. Das Wohl und Wehe hierzulande wie an Europas Börsen bleibt dabei spürbar abhängig vom Handelsverlauf in den USA, wie sich auch am Dienstag wieder zeigte. Insgesamt sind die Anleger weltweit vor den Zinsaussagen der US-Notenbank sehr nervös. Die große Frage lautet Börsianern zufolge, wie die Fed künftig den Spagat schafft, die hohe Inflation zu bekämpfen und gleichzeitig die Finanzmärkte vor einer Schieflage zu bewahren.

Der Dax schloss nach einem teils stark schwankenden Verlauf 0,75 Prozent höher bei 15.123 Punkten. Zeitweise hatte er am Nachmittag wieder um die Marke von 15.000 Punkten gekämpft. Tags zuvor hatte er wegen Ängsten über bald anstehende Leitzinsanhebungen in den USA und die zugespitzte Ukraine-Krise fast 4 Prozent eingebüßt und war im Verlauf erstmals seit Oktober sogar wieder unter 15.000 Punkte gefallen. Der MDax  gewann am Dienstag 0,57 Prozent auf 32.424 Zähler und auch europaweit erholten sich die Aktienmärkte etwas.

Dax

Dax

Zu den wenigen Gewinnern am deutschen Aktienmarkt zählten neben Fresenius Medical Care (plus 6,6 Prozent) auch die Titel von Siemens Energy mit einem Plus von 4,7 Prozent. Die Aktien hatten in den vergangenen Tagen wegen anhaltender Problemen bei der Windkraft-Tochter Siemens Gamesa ordentlich Federn lassen müssen. Zeitweise hatten sie bei 17,80 Euro ein Rekordtief markiert. Zu einer Erholung setzte in den USA auch die Aktie von Biontech an, die um rund 6 Prozent zulegte. Zuvor hatte sich der Börsenwert von Biontech binnen acht Wochen aber auch halbiert.

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Lufthansa plant Deal mit ITA

Die Aktien der Lufthansa rückten um mehr als 2 Prozent vor. Die Fluggesellschaft und die Container- und Kreuzfahrt-Reederei MSC erwägen die mehrheitliche Übernahme der Alitalia-Nachfolgerin ITA Airways. Beide Unternehmen hätten ihr Interesse bekundet, teilte ITA mit. Der italienische Staat solle als Minderheitseigner an der Airline beteiligt bleiben.

Die Uniper-Titel gewannen 0,8 Prozent. Die kanadische Bank RBC stufte die Aktien des Kraftwerksbetreibers hoch und hob das Kursziel an.

USA: Dow reduziert Verluste

Die US-Börsen bleiben auch am Dienstag auf einer Berg- und Talfahrt. Auf eine schwungvolle Erholung im späten Vortageshandel folgte eine Flucht der Anleger, der Abgabedruck ließ allerdings schnell wieder nach.

Der Dow Jones Industrial rutschte im frühen Handel zeitweise um mehr als 2 Prozent ab und damit deutlich unter die Marke von 34.000 Punkten. Zuletzt büßte er dann aber nur noch 0,88 Prozent auf 34.061 Punkte ein. Der marktbreite S&P 500 verlor derweil noch 1,51 Prozent auf 4343 Zähler. Angeschlagen bleibt vor allem der technologielastige Nasdaq 100, der um 2,05 Prozent auf 14.212 Zähler absackte.

Nasdaq 100

Nasdaq

Die Strategen von Goldman Sachs warnen inzwischen vor einem inflationsbedingten Zinsschock. Gemeint ist damit eine besonders scharfe geldpolitische Straffung, die laut den Experten eine Wachstumsdelle auslösen und den Aktienmarkt belasten könnte. Besonders für hoch verschuldete Unternehmen etwa aus der Technologiebranche werden steigende Zinsen schon länger als Problem angesehen.

Nvidia unter Druck: Übernahme von Arm droht zu scheitern

An der erneut abrutschenden Nasdaq-Börse waren die Aktien von Nvidia mit einem Kursrutsch ein Sinnbild für die insgesamt unter Druck stehenden Chipwerte. Der Grafikkarten-Spezialist rechnet Insidern zufolge nicht mehr mit der Übernahme des Chipdesigners Arm. Zeitweise verloren die Aktien fast 6 Prozent, zuletzt relativierte sich das Minus aber auf 2,5 Prozent.

Mit minus 6,4 Prozent gerieten am breiten Markt die Papiere des Mischkonzerns General Electric deutlich unter Druck. Dessen Zahlen vergraulten einmal mehr die Anleger, der Kurs näherte sich dem Zwischentief vor Weihnachten. Enttäuschende Umsätze wurden am Markt als Rückschlag gewertet, was die Neuausrichtung unter Konzernchef Larry Culp betrifft.

Bitcoin startet Erholungsversuch

Kryptowährungen starten nach dem jüngsten Ausverkauf einen Erholungsversuch. So kostete ein Bitcoin zuletzt rund 37.000 Dollar, nachdem die weltweit wichtigste Kryptowährung am Montag zeitweise bis auf 33.000 Dollar gefallen war. Seit seinem Rekordhoch bei 67.000 US-Dollar hat der Bitcoin damit binnen zehn Wochen mehr als die Hälfte seiner Marktkapitalisierung eingebüßt. Der Handel bleibt extrem volatil: Seit dem Tief am Montagnachmittag hat die Cyberdevise inzwischen wieder rund 10 Prozent an Wert gewonnen, weil Krypto-Fans auf eine Bodenbildung hoffen.

Bitcoin

Bitcoin

Die Erzählung, dass Kryptowährungen wie Bitcoin wie ein Inflationsschutz funktionierten, da die Anzahl von Bitcoin begrenzt sei, hat sich unterdessen als Irrtum erwiesen. Während Anleger Zuflucht in Gold suchen, hat sich der Verkaufsdruck auf Bitcoin und andere Cyberwährungen in den vergangenen Wochen stark erhöht – sie haben noch stärker nachgegeben als die Kurse am Aktienmarkt.

Börsen in Asien verharren im Minus

In Asien schloss der japanische Nikkei 1,7 Prozent leichter bei 27.120 Punkten. An der chinesischen Festlandbörse in Shanghai tauchte der Leitindex um 1,6 Prozent ab auf 3469 Zähler und der Hang Seng in Hongkong gab 1,6 Prozent nach auf 24.256.

Ölpreise erholen sich etwas

Die Ölpreise haben sich am Dienstag von ihrem Kursrutsch am Vortag erholt, ohne die Verluste jedoch vollständig aufzuholen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 87,19 US-Dollar. Das waren 92 Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 70 Cent auf 84,01 Dollar.

Brent

Zu Wochenbeginn wurden die Erdölpreise erheblich durch die schlechte Stimmung an den Aktienmärkten belastet. Ungeachtet dessen haben sich die Ölpreise zuletzt etwas von ihren siebenjährigen Höchstständen entfernt, die sie in der vergangenen Woche markiert hatten. Für prinzipiellen Preisauftrieb sorgt ein knappes Angebot bei einer steigenden Nachfrage. Die aktuelle Omikron-Welle dämpft die Entwicklung zwar, allerdings weit weniger als frühere Corona-Wellen. Ausschlaggebend ist, dass die kurzfristigen gesundheitlichen Folgen der Omikron-Variante des Virus in der Regel weniger drastisch sind.

Mit Nachrichtenagenturen