Mittwoch, 11. Dezember 2019

EZB setzt Anleihekäufe fort Deutsche Banker fordern Draghi zu Zinswende auf

Trotz einer anziehenden Teuerung in Euroland dürfte die EZB an ihrer Nullzinspolitik festhalten und ihre Anleihekäufe fortführen. Deutsche Banker fordern EZB-Chef Draghi dagegen zu einer Wende in der Zinspolitik auf.

Zinsen bleiben unten, und die Anleihekäufe werden fortgesetzt: Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte heute an ihrer Zinspolitik festhalten und die Geldschleusen weiter offen halten. Da die Inflation in der Euro-Zone jedoch deutlich angezogen ist, wächst der Druck auf die EZB, bald umzusteuern. Deutsche Banker fordern EZB-Chef Draghi bereits zu einer Wende in der Zinspolitik auf: "Es ist wirklich Zeit, dass die Europäische Zentralbank umsteuert", sagte zum Beispiel der Präsident des Genossenschaftsbanken-Verbandes BVR, Uwe Fröhlich, am Donnerstag in Berlin.

Dabei sei das Kernproblem weniger die niedrigen Zinsen, als das Anleihekaufprogramm der EZB. Die Zeichen in der Welt ständen auf einer Abkehr von der extrem lockeren Geldpolitik, und dem könne und dürfe sich Europa nicht widersetzen. Die Hoffnung, dass EZB-Präsident Mario Draghi bereits bei der Zinssitzung am Vormittag dies tue, habe er aber nicht, sagte Fröhlich. Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon stellte sich hinter diese Positionen seines BVR-Kollegen. Laut Fröhlich ist für seine Bankengruppe die aktuelle Niedrigzinspolitik zwar kein Existenzproblem, aber doch eine ernste Erschwernis im Geschäft.

Trotz der wachsenden Kritik deutscher Banker: Die EZB wird am Donnerstag (9. März) nach Einschätzung von Experten trotz des jüngsten Anstiegs der Inflation keine Abstriche an ihrer extrem lockeren Goldpolitik machen. Am Markt wird damit gerechnet, dass der Leitzins in der Eurozone unverändert bei Null Prozent bleibt und der Einlagensatz bei minus 0,4 Prozent. Auch beim Kaufprogramm für Anleihen sollte die Notenbank keine Änderungen vornehmen. Allerdings dürfte die EZB ihre Inflationsprognose deutlich anheben.

In den USA dagegen wird bereits in der kommenden Woche mit einer Zinserhöhung durch die Fed gerechnet. Die stabile Konjunktur und der brummende US-Arbeitsmarkt sind die Voraussetzungen für die geplante Zinserhöhung. Damit entwickeln sich USA und Eurozone mit Blick auf die Zinspolitik weiter auseinander. An den Aktienmärkten in Deutschland, Europa und den USA ist die Nervosität wegen der nahenden Zinsentscheidungen zuletzt gestiegen.

Draghi wird Anleihekäufe fortsetzen

Im Dezember hatte die EZB eine Verlängerung des vor allem in Deutschland oftmals kritisierten Kaufprogramms von Anleihen bis zum Jahresende beschlossen. Allerdings senkte die Notenbank das Volumen des Kaufprogramms ab April von 80 Milliarden Euro pro Monat auf nur noch 60 Milliarden.

"Auf der Pressekonferenz wird EZB-Präsident Mario Draghi wohl bestätigen, dass das Anleihekaufprogramm wie beschlossen ohne Abstriche fortgesetzt wird", sagte Experte Michael Schubert von der Commerzbank. Außerdem dürfte der EZB-Rat am Donnerstag an der Option festhalten, den Leitzins nochmals zu senken.

Inflation in Deutschland über 2 Prozent

Die Entwicklung der Verbraucherpreise in der Eurozone hat die Währungshüter zuletzt allerdings unter Druck gesetzt. Im Februar war die Inflationsrate wieder auf zwei Prozent gestiegen. Damit lag die Teuerung erstmals seit etwa vier Jahren wieder über der von der EZB anvisierten Zielmarke von knapp zwei Prozent, bei der die Währungshüter Preisstabilität als gewährleistet ansehen. In Deutschland lag sie sogar bei 2,2 Prozent und damit klar über der Zielmarke.

Allerdings geht der jüngste Anstieg der Inflation vor allem auf einen starken Anstieg der Energiepreise zurück. Die Kerninflation, bei der die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden, war im Februar erneut deutlich niedriger ausgefallen als die Gesamtrate. "EZB-Präsident Mario Draghi hat vermehrt auf die Entwicklung der Kerninflation verwiesen, die zuletzt mit unverändert 0,9 Prozent auf einem niedrigen Niveau verharrte", sagte Expertin Viola Julien von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Vor dem Hintergrund politischer Risiken vor zahlreichen Wahlen in der Eurozone dürfte dem EZB-Präsidenten außerdem daran gelegen sein, "mit einer Politik der ruhigen Hand keine unnötigen Turbulenzen zu erzeugen", kommentierte Julien weiter. Unabhängig davon dürften die Inflationsprojektionen des EZB-Stabes deutlich und die Wachstumsprojektionen möglicherweise leicht höher ausfallen als noch im Dezember

300.000 neue Jobs in USA - Zinserhöhung erwartet

Der Job-Boom in den USA setzt sich unterdessen fort - unabhängig davon, wer im Weißen Haus sitzt: US-Firmen haben im Februar weit mehr neue Jobs geschaffen als erwartet. Es entstanden 298.000 neue Stellen, wie der Arbeitsvermittler ADP am Mittwoch unter Berufung auf seine Umfrage unter amerikanischen Privatunternehmen mitteilte. Das ist der größte Zuwachs seit Dezember 2015.

US-Präsident Donald Trump dürfte den weiteren Aufschwung zwar für sich reklamieren. Doch schon vor Trumps Wahlsieg zeigten sich Konjunktur und Jobmarkt in den USA in bester Verfassung. Im Januar fiel der Zuwachs mit 261.000 Arbeitsplätzen ebenfalls relativ stark aus. Die Jobdaten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank in Kürze die Zinsen anheben wird.

Eine solche Zinserhöhung um 25 Basispunkte ist bereits eingepreist.

Fed wird nächste Woche wohl die Zinsen erhöhen

Die Notenbank Fed hat für Mitte nächster Woche eine Zinserhöhung signalisiert. Als eine Voraussetzung dafür nannte Fed-Chefin Janet Yellen allerdings, dass der Arbeitsmarkt weiter rund läuft. Die ADP-Zahlen gelten als gutes Omen für den am Freitag anstehenden Arbeitsmarktbericht der Regierung, der neben Stellen in der Wirtschaft auch staatliche Jobs umfasst. Experten erwarten für Februar eine Zunahme der Arbeitsplätze um 190.000. Sollte es keine Ausreißer nach unten geben, dürfte eine Zinserhöhung nach dem Urteil vieler Experten ausgemachte Sache sein. Zuletzt hatten die Währungshüter die geldpolitischen Zügel im Dezember 2016 gestrafft. Seither liegt der Leitzins in einer Spanne zwischen 0,5 und 0,75 Prozent.

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