Nervosität an der Börse Dax fällt weiter, Wall Street wackelt

Der starke Euro und die hohe Nervosität der Anleger belasten den Dax weiterhin. Nach dem Kursrutsch am Vortag rutscht der Index auch am Freitag weiter ab. Börsianer sehen bereits die 12.000 Punkte Marke in Gefahr.

Nervosität an der Börse: Der Dax  setzte am Freitag seine Talfahrt fort, nachdem er bereits am Vortag um mehr als 200 Punkte eingebrochen war. Zum Xetra-Schluss am Freitag notierte der deutsche Leitindex  0,7 Prozent schwächer und fiel auf 12.325 Punkte. Grund ist unter anderem die hohe Nervosität der Anleger, der verhaltene Start an den US-Börsen und der weiterhin starke Euro. "Das ist eine ausgeprägte Konsolidierung. Der Dax ist nun auch charttechnisch angeschlagen und könnte in der kommenden Woche die Marke von 12.000 Punkten testen", sagte ein Börsianer. In der vergangenen Woche hatte sich der deutsche Leitindex noch nah an die Marke von 13.000 Zählern herangepirscht - doch nun nehmen Anleger verstärkt Gewinne mit.

Bayer-Kursrutsch belastet Dax

Zu den größten Verlierern im Dax zählte am Freitag das Index-Schwergewicht Bayer , das nach einer Gewinnwarnung deutlich nachgab.

Wegen eines schwächelnden Agrarchemie-Geschäfts kassierte der Leverkusener Konzern seine Gesamtjahresziele. "Schlimmer als die betragsmäßige Auswirkung ist der Vertrauensverlust, den eine Gewinnwarnung bedeute, erklärte DZ Bank-Analyst Peter Spengler. Er betrachte die Prognosesenkung aber als einmalige Angelegenheit.

Wall Street kaum verändert

Nach ihren Kursverlusten vom Vortag hat sich die Wall Street zunächst nur leicht erholt. Die Indizes Dow Jones  , Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) und S&P 500 legten zur Eröffnung am Freitag zwischen 0,3 und 0,5 Prozent zu.

Zu den größten Gewinnern zählten die Titel von Nike  , die sich nach Zahlen um 8 Prozent verteuerten. Der Adidas-Rivale steigerte seinen Quartalsumsatz überraschend stark um 5,3 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar.

Micron Technology legte ebenfalls Geschäftszahlen über Markterwartungen vor. Der Hersteller von Speicherchips für PC und Smartphones verdoppelte den Umsatz im abgelaufenen Quartal auf 5,57 Milliarden Dollar und machte einen Gewinn von 1,65 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum machte die Firma noch einen Verlust von 215 Millionen Dollar. Micron-Aktien legten 0,7 Prozent zu.

Euro hält sich über 1,14 US-Dollar

Daneben sorgte die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter für Diskussionsstoff auf dem Börsenparkett. Der Euro verbilligte sich zwar auf 1,1403 Dollar, kostete wegen der anhaltenden Spekulationen auf eine baldige Drosselung der EZB-Anleihekäufe aber immer noch rund zwei US-Cent mehr als vor Wochenfrist.

Delivery Hero mit gelungenem Börsengang

Am Aktienmarkt stand neben Bayer Delivery Hero im Rampenlicht. Bei ihrem Börsendebüt stiegen die Titel des Essenslieferdienstes ("Lieferheld", "Foodora", "Pizza.de") auf bis zu 27,70 Euro. Das ist ein Plus von knapp neun Prozent zum Ausgabepreis von 25,50 Euro.

Adidas profitiert von Nike-Zahlen

Gefragt waren auch Adidas-Aktien, die sich dank eines überraschend hohen Umsatzes des Erzrivalen Nike um 3,3 Prozent verteuerten. Die Zahlen untermauerten die starke Konjunktur im Sportartikel-Sektor, urteilte Analyst Volker Bosse der Baader Helvea Bank. Nike-Papiere gewannen im vorbörslichen US-Geschäft 5,8 Prozent.

Anleger behalten Bankaktien und RWE bleiben im Blick

Im Dax dürfte der Blick erneut auf die Bankaktien und die Papiere des Versorgers RWE  gehen. Während die Commerzbank  und die Deutsche Bank  bereits seit drei Handelstagen die Favoriten im Leitindex waren - am Donnerstag sogar die alleinigen Gewinner - sind die RWE-Papiere aktuell nicht mehr gefragt. Tags zuvor waren sie erneut Schlusslicht im Leitindex gewesen und hatten damit den neunten Handelstag in Folge nachgegeben.

Endgültige Zahlen für sein erstes Geschäftsquartal legte am Morgen der SDax-Konzern Hornbach  Holding vor. Die Muttergesellschaft der Baumarktkette Hornbach hatte die meisten Analysten Anfang Juni mit einem sehr starken Auftakt in das neue Geschäftsjahr 2017/18 überrascht, allerdings die Jahresziele unverändert beibehalten. Viele Marktteilnehmer rechnen daher mit einer Anhebung der Konzernergebnis-Prognose im weiteren Jahresverlauf. Vorbörslich legten die Papiere auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss um moderate 0,22 Prozent zu.

Ölpreise steigen leicht

Seit gut einer Woche geht es am Ölmarkt wieder bergauf - nach deutlichen Verlusten zuvor. Zuletzt seien die "schwimmenden Lagerbestände" an Brent-Öl gesunken, was den Preisen Auftrieb gegeben habe, hieß es aus dem Handel. Gemeint sind Bestände in Tankern. Ölkonzerne nutzen häufig Schiffe, um Öl auf dem Meer zu lagern.

Die Ölpreise sind am Freitag weiter gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 47,70 US-Dollar und damit 28 Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 24 Cent auf 45,17 Dollar.

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