Börse Dax bleibt trotz Euro-Rally im Plus

Der Dax setzt seine Erholung fort. Anleger blicken auf die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Auch der Euro gewinnt zum Dollar weiter an Wert. EZB-Chef Draghi muss einen Drahtseilakt bewältigen.
Bulle und Bär in Frankfurt: Mit dem Ausbruch aus dem Abwärtstrend eröffnet sich Kurspotenzial für den Dax

Bulle und Bär in Frankfurt: Mit dem Ausbruch aus dem Abwärtstrend eröffnet sich Kurspotenzial für den Dax

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins auf seinem Rekordtief von 0 Prozent. Anleger beeinflusst das kaum: Der deutsche Leitindex Dax (Kurswerte anzeigen) verweilt auch nach der Zinsentscheidung von EZB-Chef Mario Draghi im Plus und beendet den Tag mit Gewinnen von 0,7 Prozent bei 12.296 Punkten. Zeitweise hatte der Dax 0,9 Prozent zugelegt, gab auf Grund der kräftigen Aufwertung des Euro  unmittelbar nach der EZB-Pressekonferenz einen Teil seiner Gewinne wieder ab.

Der Anstieg des Dax ist auch charttechnisch getrieben: Am Mittwoch hatte der Dax seinen Abwärtstrend seit Ende Juni gebrochen, was für technisch orientierte Anleger ein klares Kaufsignal ist. Zur Wochenmitte hatte das Börsenbarometer anfänglich noch einmal das Ausbruchsniveau getestet, sich dann ab dem Mittag aber dynamisch nach oben abgesetzt. Zu den größten Gewinnern im Dax gehörten die Energiewerte RWE (Kurswerte anzeigen) und Eon (Kurswerte anzeigen) sowie die Autotitel BMW (Kurswerte anzeigen) und Daimler (Kurswerte anzeigen).

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 (Kurswerte anzeigen) legte ebenfalls zu, wenn auch weniger dynamisch als der Dax. Wie erwartet hält die EZB auch an ihrem Anleihekaufprogramm fest. Zuletzt hatte es verstärkt Forderungen an die EZB gegeben, wegen der gestiegenen Inflation von der lockeren Geldpolitik abzurücken. Das Münchner Ifo-Institut sowie Deutsche Bank und Commerzbank forderten einen Kurswechsel.

Einigung im US-Schuldenstreit - Aufschub bis Mitte Dezember

Eine überraschende Einigung im US-Etatstreit und nachlassende Spannungen in der Nordkorea-Krise haben am Donnerstag den Anlegern an den asiatischen Börsen Mut gemacht. US-Präsident Donald Trump und der Kongress hatten sich am Mittwoch auf eine Zwischenfinanzierung für die amerikanische Bundesregierung bis zum 15. Dezember geeinigt, womit ein sogenannter "government shutdown" vermieden wird.

RWE und Autowerte an der Dax-Spitze

Neben den Autowerten Daimler und BMW waren auch die Papiere von RWE (Kurswerte anzeigen) gefragt und zogen an der Dax-Spitze um mehr als 3 Prozent an. Sie profitierten zudem von einer positiven Branchenstudie der Deutschen Bank. Laut Analyst James Brand sollten Eon , RWE und Innogy von steigenden Strompreisen, nachhaltigen Liquiditätszuflüssen, Refinanzierungen und einer Umstrukturierung des Sektors profitieren.

Tec-Dax auf 16-Jahres-Hoch, Aixtron mit Kurssprung

Klarer Favorit im TecDax (Kurswerte anzeigen) waren die Anteilsscheine von Aixtron (Kurswerte anzeigen) mit einem Kursprung von 7 Prozent. Die Geschäftsaussichten des auf die Halbleiterindustrie spezialisierten Anlagenbauers seien weitaus besser als der Markt erwarte, schrieb Analyst Uwe Schupp von der Deutschen Bank.

Der TecDax kletterte am Donnerstag außerdem mit 2334 Punkten auf den höchsten Stand seit Februar 2001. Nachdem der TecDax im vergangenen Jahr seinem großen Bruder Dax noch hinterher gehinkt war, sieht die Bilanz seit Jahresbeginn deutlich positiver aus: So steht bei dem TecDax ein Plus von fast 29 Prozent zu Buche, während der deutsche Leitindex in diesem Zeitraum lediglich ein Plus von rund 7 Prozent schaffte.

Plus 30 Prozent seit Jahresbeginn: TecDax profitiert von Nasdaq

Der TecDax profitierte damit zum einem vom Boom der Tec-Werte an der Wall Street, die bereits seit einiger Zeit von deutlichen Kursgewinnen bei Schwergewichten wie Apple  oder Alphabet  angetrieben werden. Zum anderen gibt es im hiesigen Branchenindex viele Unternehmen, die über wichtige industrielle Kernkompetenzen etwa bei der Digitalisierung verfügen. Ferner sind die Firmen in der Regel weniger stark vom Export abhängig, so dass sie einen festeren Euro besser verkraften können als die im Dax notierten Konzerne.

Euro über 1,19 US-Dollar

Der Euro  hat sich am Donnerstag über der Marke von 1,19 US-Dollar gehalten. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1915 Dollar und damit etwas weniger als im asiatischen Handel. Schwache Produktionsdaten aus der deutschen Industrie belasteten den Euro am Morgen moderat.

Nikkei etwas fester

In Tokio schloss der Nikkei  0,2 Prozent höher bei 19.396 Zähler. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 0,4 Prozent.

An den chinesischen Aktienmärkten kamen die großen Indizes aber kaum vom Fleck. In Seoul atmeten die Anleger dagegen durch, der Leitindex legte über ein Prozent zu. Südkoreas Präsident Moon Jae In sagte, auf der Halbinsel werde es keinen Krieg geben. Sein russischer Kollege Wladimir Putin sieht in Washington den Wunsch, den Nordkorea-Konflikt zu entschärfen. "Die Ängste wegen Nordkorea sind zurückgegangen", sagte Marketingdirektor Gavin Parry von Parry International Trading in Hongkong.

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