Börsenrally Dax erreicht Rekordhoch - doch auch Euro steigt

Donald Trump verabschiedet sich mit der Kündigung des Klimaabkommens aus der Weltgemeinschaft und isoliert sein Land. Anleger bringt das nicht aus der Fassung - der Dax springt statt dessen auf Rekordhoch.
Bulle vor der Frankfurter Börse: Der Dax notiert so hoch wie nie zuvor

Bulle vor der Frankfurter Börse: Der Dax notiert so hoch wie nie zuvor

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Anleger im Kaufrausch, Dax auf Allzeithoch: Mit einem Anstieg bis auf gut 12.878 Punkte ließ der deutsche Leitindex Dax  seine bisherige Bestmarke hinter sich. Am Nachmittag sorgte allerdings ein enttäuschender Arbeitsmarktbericht aus den Vereinigten Staaten für einen kleinen Dämpfer. Zum Börsenschluss behauptete der Dax einen Kursgewinn von 1,2 Prozent auf 12.822 Punkte. Auch der Nebenwerteindex MDax  notiert auf Rekordniveau.

Damit schaffte der Dax  den Ausbruch aus der engen Handelsspanne von rund 200 Punkten, in der er nach dem Mai-Hoch und dem anschließenden Kursrückschlag gefangen gewesen war. Auf Wochensicht verbuchte er ein Plus von 1,75 Prozent.

13.000 Punkte im Dax in Reichweite

"Jetzt hat der Dax die Chance, in Richtung 13.000 Punkte durchzustarten", schrieb Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Er verwies auf die Rekordjagd an der Wall Street.

Für die deutschen Nebenwerte-Indizes ging es vor dem Wochenende gleichfalls bergauf. Der MDax  der mittelgroßen Unternehmen setzte seinen Rekordkurs fort: Er kletterte bis auf 25 765 Punkte und schloss 0,91 Prozent im Plus bei 25 695,74 Zählern.

Linde profitieren von Fusion mit Praxair

Im Dax gehörten die Aktien des Gasekonzerns Linde  mit plus 1,99 Prozent zu den Spitzenwerten, nachdem der Aufsichtsrat die Fusion mit US-Konkurrent Praxair gegen den Widerstand der Betriebsräte und Gewerkschaften durchgesetzt hatte. Zudem unterzeichnete Linde einen Milliarden-Auftrag in Russland.

Für die Titel der Lufthansa (Kurswerte anzeigen) ging es dank einer Kaufempfehlung der britischen Investmentbank HSBC um weitere 1,92 Prozent auf 17,785 Euro hoch - bei 17,870 Euro erreichten sie den höchsten Stand seit rund drei Jahren. Im MDax gewannen Aktien des Flughafenbetreibers Fraport nach einem Rekordhoch bei 75,57 Euro letztlich 2,52 Prozent auf 75,28 Euro - dank einer optimistischen Einschätzung der spanischen Großbank Santander.

Nordex unter Druck

Im TecDax zeigten sich Aktien aus dem Bereich Alternative Energien letztlich doch etwas belastet vom US-Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Beim Windkraftanlagenhersteller Nordex , der zudem Stellenstreichungen im Rostocker Fertigungswerk ankündigte, stand ein Minus von 1,78 Prozent zu Buche.

Enttäuschende Jobdaten drücken Dollar - Euro steigt auf 6-Monats-Hoch

In der US-Wirtschaft sind im Mai weniger Jobs als erwartet entstanden. Unternehmen und Staat stellten zusammen 138.000 neue Mitarbeiter ein, wie die Regierung in Washington am Freitag mitteilte. Ökonomen hatten mit 185.000 gerechnet. Zudem entstanden in den beiden Vormonaten zusammen 66.000 Stellen weniger als bislang angenommen. Dennoch fiel die separat ermittelte Arbeitslosenquote im zu Ende gehenden Monat auf das 16-Jahres-Tief von 4,3 Prozent.

Der Dollar geriet nach Bekanntgabe der Daten stark unter Druck: Der Euro  kletterte im Gegenzug am Freitag auf ein neues Jahreshoch. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung bis zu 1,1282 US-Dollar. Das war der höchste Stand seit November 2016.

Zuletzt lag der Eurokurs bei 1,1260 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1217 (Donnerstag: 1,1219) Dollar fest. Der Dollar kostete 0,8915 (0,8913) Euro.

Experten rechnen ungeachtet der schwächer als erwartet ausgefallenen Arbeitsmarktdaten mit weiteren Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed. Diese erhöhte ihren Leitzins zuletzt im März auf 0,75 bis 1,0 Prozent. Die Finanzmärkte erwarten Mitte Juni eine Anhebung um 0,25 Punkte. In der zweiten Jahreshälfte könnte es weitere Schritte nach oben geben.

Börsen in Asien mit deutlichen Gewinnen

Die Börsen in Fernost haben am Freitag deutlichen Auftrieb gespürt. Der japanische Leitindex Nikkei  knackte erstmals seit Dezember 2015 wieder die psychologisch wichtige Marke von 20.000 Punkten. Bis zum Handelsschluss legte er 1,6 Prozent auf 20.177 Zähler zu. Der MSCI-Index für Aktien im Asien-Pazifik-Raum ohne Japan kletterte um 0,6 Prozent. Auch der MSCI-ACWI-Index, der 46 Handelsplätze weltweit vereint, stieg um 0,2 Prozent und erreichte einen Rekordwert.

Unter den Einzelwerten zog John Deere die Aufmerksamkeit auf sich. Die Aktien schnellten zwei Prozent nach oben. Der Traktor- und Baumaschinenhersteller kauft für rund 4,6 Milliarden Euro den deutschen Straßenbaumaschinen-Spezialisten Wirtgen Group.

Zinserhöhung durch die Fed im Juni ist wahrscheinlich

Eine Anhebung des Schlüsselsatzes durch die Notenbank Fed am 15. Juni um 25 Basispunkte auf eins bis 1,25 Prozent gilt als sicher. Für Börsianer dreht sich alles um die Frage, wie schnell weitere Schritte kommen. Der Dollar legte in Reaktion auf die ADP-Jobdaten gegenüber dem Euro leicht zu - ein Zeichen dafür, dass Anleger mit einer Zinserhöhung in den USA rechnen. Zur positiven Stimmung trug auch das überraschend starke italienische Wirtschaftswachstum bei. Es fiel zum Jahresauftakt mit 0,4 Prozent doppelt so stark aus wie erwartet. Daraufhin stieg der Leitindex der Mailänder Börse um bis zu 1,3 Prozent.

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