Mittwoch, 27. Mai 2020

Börse Dax mit größtem Wochenverlust seit 2008

Dax: Erster Stabilisierungsversuch nach dem Crash

Der Dax bricht im späten Handel seinen zaghaften Erholungsversuch ab und schließt nur minimal im Plus. In New York schmelzen die Anfangsgewinne von Dow Jones und Nasdaq ebenfalls zusammen. Für den Dax ist es der größte Wochenverlust seit der Finanzkrise.

Die Aktienmärkte in Europa und den USA haben sich nach dem Crash vom Donnerstag ein wenig stabilisiert. Hierzulande hatte die Ankündigung umfangreicher Staatshilfen im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise dem Dax Börsen-Chart zeigen am Freitag zeitweise eine kräftige Erholung beschert, bevor die Gewinne fast vollkommen weggeschmolzen.

Der deutsche Leitindex schloss am Freitag auf Xetra (18.30 Uhr) 0,77 Prozent höher bei 9232 Punkten. Zuvor hatte die tonangebende Wall Street einen Teil ihrer Anfangsgewinne wieder eingebüßt.

Am Donnerstag hatte der Dax Börsen-Chart zeigen mit dem zweitgrößten prozentualen Tagesverlust in seiner gut dreißigjährigen Geschichte unter der psychologisch wichtigen Marke von 10.000 Zählern geschlossen. Aus Wochensicht ergibt sich ein Minus von rund 20 Prozent - der zweitgrößte Wochenverlust, den die Dax-Anleger je erlebt haben. Der MDax Börsen-Chart zeigen der mittelgroßen Werte legte am Freitag um 0,44 Prozent auf 20 256,48 Punkte zu

An der Wall Street legte der Dow Jones Börsen-Chart zeigen am Freitag zunächst rund 4 Prozent zu. Nach seinem Vortagesrutsch um 10 Prozent, ausgelöst vom US-Einreisestopp für Europäer, stehen die Zeichen auf vorläufige Stabilisierung. Doch im weiteren Handelsverlauf schmolzen die Gewinne auch in den USA immer weiter zusammen. Weltweit schnüren Regierungen und Notenbanken nun Hilfspakete, um drohende negative Folgen für die Wirtschaft durch die Coronavirus-Pandemie abzufedern.

Dow Jones beendet elfjährigen Bullenmarkt

Gleichwohl hat der Dow Jones Börsen-Chart zeigen mit seinem Kurseinbruch am Donnerstag den elfjährigen Bullenmarkt an der Wall Street beendet. Von seinem im Februar erzielten Rekordhoch ist der Dow Jones inzwischen mehr als 20 Prozent zurückgekommen. Die Kursgewinne am heutigen Freitag sind somit die erste kleine Bärenmarktrally nach den vergangenen deutlichen Kursverlusten. Weltweit wurden durch die Corona-Krise seit Mitte Februar rund 18 Billionen Dollar an Börsenwert vernichtet.


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Adobe und Oracle nach Zahlen gefragt

Nach Zahlenvorlage am Vorabend nach Börsenschluss rückten am Freitag die Aktien der Softwarehersteller Adobe Börsen-Chart zeigenund Oracle um gut 7 beziehungsweise 12 Prozent vor. Florierende Cloud-Services verhalfen dem SAP-Rivalen Oracle im vergangenen Geschäftsquartal zu einem überraschend deutlichen Umsatzplus.

Der Halbleiterkonzern Broadcom zieht seinen Umsatzausblick für das laufende Jahr zurück. Dem Zulieferer von Apple Börsen-Chart zeigenfehle aufgrund des neuartigen Coronavirus die Sicht, das Erlösniveau abzuschätzen, teilte das Unternehmen mit.

Im zuletzt stark gebeutelten Finanzsektor stiegen Bank of America, Citigroup and JPMorgan Chase am Freitag um bis zu 10,7 Prozent.

Die Papiere der Kreuzfahrtschiff-Betreiber Carnival, Royal Caribbean und Norwegian erholten sich ebenfalls um bis zu 35 Prozent.

Berlin sagt deutschen Unternehmen unbegrenzte Kredithilfen zu

Die Bundesregierung sagte von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Unternehmen unbegrenzte Kredithilfen zu. Es geht dabei vor allem um Kreditgarantien durch die staatliche Förderbank KfW sowie steuerliche Entlastungen. "Diese Maßnahme ist effektiv, da sie direkt bei den Firmen ankommt", sagte VP-Bank-Ökonom Thomas Gitzel. "Das lindert tatsächlich den wirtschaftlichen Stress, hilft es doch Unternehmen über schwierige Zeiten hinweg."

Der besonders gebeutelte europäische Touristik-Sektor gewann mehr als fünf Prozent. Lufthansa Börsen-Chart zeigenstiegen um rund 20 Prozent an die Dax -Spitze. Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, die am Donnerstag rund 18 Prozent verloren, legten 17 Prozent auf 5,70 Euro zu. Am Donnerstag waren die Aktien der Airline zwischenzeitlich unter 5 Euro gefallen.

Einige Experten sehen in den Zuwächsen aber eher eine technische Gegenbewegung und keinen Stimmungsumschwung. "Möglicherweise sind die um Mitternacht in Italien und Spanien erlassenen Leerverkaufsverbote ein Warnsignal für Leerverkäufer, aus ihren Positionen auszusteigen", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Beim sogenannten Short Selling leihen sich Investoren Aktien, um diese sofort zu verkaufen. Sie setzen darauf, dass sie sich bis zum Rückgabe-Termin billiger mit den Papieren eindecken können. Die Differenz streichen sie als Gewinn ein.

Italiens Finanzmarktaufsicht Consob hatte am Donnerstag Leerverkäufe der Aktien von 85 Unternehmen verboten, nachdem die Kurse an der Mailänder Börse um 17 Prozent eingebrochen waren. Zu den betroffenen Firmen zähle UniCredit, Intesa Sanpaolo , Eni und Enel, teilte Consob am späten Donnerstagabend mit. Das Verbot gelte für diesen Freitag. Auch in Spanien wurden Leerverkäufe von 69 Firmen-Aktien verboten, um einen Massenverkauf der Wertpapiere dieser Unternehmen zu verhindern.

Eine Entwarnung bedeuteten die jüngsten Kursgewinn noch nicht, meinte auch Christian Henke, Marktexperte beim Brokerhaus IG Markets."Die Frage ist nur, wie lange die Ruhe anhält."

Rohstoffpreise im Aufwind - Anleihen unter Druck

Auch an den Rohstoffmärkten zogen die Preise wieder an. Die Öl-Sorte Brent Börsen-Chart zeigen verteuerte sich um 6,7 Prozent auf 35,46 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für das Industriemetall Kupfer stieg um 2,2 Prozent auf 5558 Dollar je Tonne.

Wegen der Stabilisierung der Aktienmärkte zogen sich einige Investoren aus den "sicheren Häfen" Bundesanleihen zurück. Dadurch stieg die Rendite der zehnjährigen Titel auf minus 0,574 von minus 0,740 Prozent.

Aktien von Wirecard ziehen an

Bei den deutschen Unternehmen stand Wirecard Börsen-Chart zeigen im Rampenlicht. Dem Zahlungsabwickler zufolge bietet die lange erwartete Sonderprüfung der Geschäftspraktiken bislang keinen Anlass für eine Korrektur der Bilanzen. DZ Bank-Analyst Harald Schnitzer bezeichnete dies als Teilerfolg für das Unternehmen. Wirecard-Aktien stiegen zunächst um fast 30 Prozent, im Verlauf halbierte sich der Zuwachs aber.

Fed und EZB fluten den Markt mit Geld

Die US-Notenbank (Fed) hatte am Donnerstagabend (MEZ) angekündigt, diese Woche insgesamt 1,5 Billionen Dollar an Liquidität für Banken zur Verfügung zu stellen. Die EZB wiederum hatte ebenfalls am Donnerstag erklärt, unter anderem bis Jahresende Anleihen im Wert von 120 Milliarden Euro aufzukaufen und den Banken extrem günstige Finanzierungsbedingungen anzubieten.

Doch die Ankündigungen verpufften an den Märkten zunächst: In der regulären Sitzung brach der Dow Jones Börsen-Chart zeigen am Donnerstag mehr als 11 Prozent ein und erlitt damit den schwersten Rückschlag seit 33 Jahren erlitten. Fast ebenso starke Verluste erlitten der Technologie-Index Nasdaq Börsen-Chart zeigen und der Leitindex S&P 500.

Kurse in Asien sackten weiter ab

Am Donnerstag hatte er als Reaktion auf den überraschenden US-Einreise-Stopp für die meisten Europäer in der verschärften Coronavirus-Krise 12,2 Prozent auf 9161,13 Punkte verloren. Das war der zweitgrößte Tagesverlust seiner Geschichte.

Diese Stimmung steckt an: In Japan brach der Nikkei am Freitag im Handelsverlauf um bis zu 10 Prozent ein.

In Asien zeichneten die Aktienmärkte am Freitagmorgen zunächst den Kurssturz westlicher Börsen nach: In Tokio schloss der Nikkei Börsen-Chart zeigen 6 Prozent tiefer bei 17.431 Punkten, nachdem er zuvor zeitweise 10 Prozent verloren hatte und unter die Marke von 17.000 Punkten gestürzt war. In China ging es für den CSI mit den 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen zuletzt um 1,40 Prozent 3895 Punkte nach unten. Der Hang Seng in Hongkong sank zuletzt knapp drei Prozent.


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rei / la mit dpa und reuters

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