Mittwoch, 27. Mai 2020

Börse Dow Jones und Dax schließen im Plus - dank Fed und EZB

Dax-Kurve in Frankfurt am Main: Das milliardenschwere Anleihenkaufprogramm der EZB hat den Index am Donnerstag zumindest etwas stabilisiert

Nach der massiven EZB-Geldspritze schließt der Dax im Plus. An der Wall Street gibt der Dow Jones zunächst weiter nach, startet dann aber einen Erholungsversuch. Der Dollar setzt seinen Höhenflug fort.

Neue Konjunkturhilfen der großen Notenbanken locken erste Anleger in die Aktienmärkte zurück. Der Dax Börsen-Chart zeigen schloss am Donnerstag 2 Prozent im Plus bei 8610 Punkten und der EuroStoxx50 gewann 3,1 Prozent auf 2460 Zähler.

Selbst der Index für die von der Coronavirus-Krise besonders hart gebeutelten Reisebranche verabschiedete sich zum ersten Mal seit mehr als zwei Wochen mit einem Plus in den Feierabend, nachdem er zunächst auf ein Achteinhalb-Jahres-Tief gefallen war. An der Wall Street legte der Technologie-Index Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen ebenso wie der Dow Jones Börsen-Chart zeigen am Abend leicht zu.

Um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie abzufedern, will die EZB zusätzliche Staatsanleihen und erstmals auch kurz laufende Unternehmensbonds im Volumen von 750 Milliarden Euro aufkaufen. "Die Regierungen werden ihre Ausgabenprogramme umsetzen können, ohne sich allzu große Sorgen um die Höhe der Zinssätze machen zu müssen", sagte Philippe Waechter, Chef-Volkswirt des Vermögensverwalters Ostrum.

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EZB beendet Ausverkauf am Anleihemarkt

Dem Ausverkauf am Anleihemarkt setzte die EZB-Ankündigung ebenfalls ein vorläufiges Ende. Bundesanleihen flogen allerdings aus den Depots, weil die Regierung einem Insider zufolge die Schuldenbremse aussetzen will, um die geplanten Konjunkturhilfen zu finanzieren. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Zehn-Monats-Hoch von minus 0,142 Prozent.

Unterdessen senkte die Bank von England (BoE) den Leitzins außerplanmäßig auf 0,1 Prozent und kündigte die Aufstockung der Wertpapierkäufe um etwa ein Drittel auf umgerechnet 697 Milliarden Euro an. Dem Londoner Auswahlindex FTSE verhalf dies zu einem Kursplus von 1,4 Prozent. Das Pfund Sterling legte ebenfalls zu und verteuerte sich auf 1,1664 Dollar. "Das einzig Unklare an der Entscheidung war ihr Zeitpunkt", sagte Adam Cole, Chef-Anlagestratege für Devisen bei der Investmentbank RBC Capital Markets. Es sei aber zweifelhaft, ob diese und die anderen Notenbank-Maßnahmen ausreichten, um die Finanzmärkte zu dauerhaft stabilisieren.

Ölpreis zieht an, Gold mit Verlusten

Am Rohölmarkt ging es nach dem Preiskollaps der vergangenen Wochen ebenfalls aufwärts. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 6,3 Prozent auf 26,45 Dollar je Barrel (159 Liter), nachdem ihr Kurs wegen des Preiskriegs zwischen den beiden wichtigen Förderländern Saudi-Arabien und Russland am Mittwoch auf ein 17-Jahres-Tief von 24,52 Dollar gefallen war. Ohne eine Annäherung der Konfliktparteien drohe ein Preisrückgang unter 20 Dollar, prophezeiten die Analysten der Investmentbank Jefferies.

Gold verbilligte sich um 0,6 Prozent auf 1476,79 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Es leide vor allem unter dem Höhenflug des Dollar, der das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA teurer mache, sagte Analyst Debajit Saha vom Research-Haus GFMS Refinitiv. "Anleger werden Dollar aber nicht ewig halten und Gold wird als sichere Anlage wieder attraktiv."

Höhenflug des Dollar geht weiter

Derzeit betrachten Investoren jedoch die Weltleitwährung als einzigen "sicheren Hafen" in der Coronavirus-Krise. "Jeder hamstert jetzt Dollar, genauso wie sich viele Leute weltweit mit Klopapier eindecken", sagte Masayuki Murata, Portfoliomanager bei der Versicherungsgesellschaft Sumitomo Life. Daran ändere auch die konzertierte Aktion der Notenbanken zur Bereitstellung günstiger Dollar-Kredite nichts. "Derzeit rückt keiner Dollar heraus."

Den Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, trieb dies auf ein Drei-Jahres-Hoch von 102,451 Punkten. Damit summiert sich das Plus der vergangenen zehn Tage auf knapp acht Prozent. Das ist der stärkste Anstieg seit mehr als 27 Jahren. Vor diesem Hintergrund vereinbarte die Fed mit weiteren Notenbanken sogenannte Swap-Kreditlinien und kaufte zusätzliche Wertpapiere auf, um "ungewöhnliche Verzerrungen am Markt" zu bekämpfen.

Wall Street: Dow Jones und Nasdaq jeweils knapp im Plus

Neue Geldspritzen der US-Notenbank haben am Donnerstag den Ausverkauf an der Wall Street vorläufig beendet. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen beendete einen schwankungsreichen Handelstag knapp 1 Prozent im Plus bei 20.087 Punkten. Der Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen rückte um 2,3 Prozent auf 7150 Zähler vor.

"Die Fed hat in den vergangenen ein, zwei Wochen mehrfach ziemlich kühn gehandelt", sagte Randy Frederick, Manager beim Brokerhaus Charles Schwab. "Die meisten Maßnahmen hatten nur einen kurzfristigen Effekt." Hoffentlich sei es diesmal anders. Schließlich beweise sie mit den jüngsten Schritten, dass sie noch Pfeile im Köcher habe. Die Notenbank hatte die Zinsen in mehreren drastischen Schritten auf fast null Prozent gesenkt und milliardenschwere Wertpapierkäufe angekündigt.

Fed stellt neue Kredite zur Verfügung

Am Donnerstag kaufte die Fed zusätzliche Wertpapiere auf und stellte weiteren Notenbanken billige Dollar-Kredite zur Verfügung, um einen Engpass bei der Weltleitwährung zu verhindern. Diese sogenannten Swap-Kreditlinien hätten ein Volumen von insgesamt 450 Milliarden Dollar. Zu Wochenbeginn hatte die US-Notenbank Ähnliches bereits mit großen Zentralbanken wie EZB oder Bank von England (BoE) vereinbart.

Trump will seine Wiederwahl retten - billionenschweres Konjunkturprogramm

Parallel dazu äußerte sich US-Präsident Donald Trump optimistisch über eine rasche Verabschiedung des geplanten billionenschweren Konjunkturprogramms. Er stellte Hilfen vor allem für die Reisebranche in Aussicht und schloss außerdem Staatsbeteiligungen an kriselnden Unternehmen nicht aus. Die Republikaner im US-Senat feilten an den letzten Details, sagte Mitch McConnell, Mehrheitsführer dieser Kammer im US-Kongress. Geplant sind unter anderem direkte Auszahlungen an die Bürger.

Dies schürte bei Anleger Appetit auf Gaststätten-Werte. So gewannen die Aktien von McDonald's, Starbucks, Papa John's oder Chipotle bis zu 32 Prozent.

Uber mit Rekord-Kurssprung von 40 Prozent

Gefragt waren auch die Papiere von Uber. Sie stiegen zeitweise um mehr als 40 Prozent, so stark wie nie. Dem Sender CNBC zufolge versicherte Firmenchef Dara Khosrowshahi Investoren, sein Unternehmen verfüge über ausreichend Finanzreserven, die Coronavirus-Krise zu überstehen.

Abwärts ging es dagegen erneut mit dem Flugzeugbauer Boeing Börsen-Chart zeigen , der unlängst Staatshilfe für die kriselnde Branche gefordert hatte. Das Brokerhaus Cowen bezeichnete die Coronavirus-Krise als größte Bedrohung aller Zeiten für den Sektor. Boeing-Aktien fielen um mehr als ein Prozent.

Dax hat im Corona-Crash bereits 40 Prozent an Wert verloren

Seit Beginn des Crashs an den Börsen Ende Februar war der Dax um mehr als 5000 Punkte oder fast 40 Prozent eingebrochen. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens, der zum Erliegen kommende Transport und Verkehr sowie die Schließung von Produktionsstätten lasteten immer schwerer auf den Kursen. Anleger, Analysten und Händler versuchen, die Auswirkungen des sich ausbreitenden Virus auf die künftigen Ergebnisse der Unternehmen abzuschätzen - und an den Börsen eine angemessene Bewertung der Wertpapiere zu finden.

Osram bricht zweistellig ein

Zu den Gewinnern im Dax zählten am Donnerstag indes solche Papiere, die zuletzt besonders stark unter der Corona-Krise gelitten hatten: MTU Aero Engines Börsen-Chart zeigen, Deutsche Post Börsen-Chart zeigen, Adidas Börsen-Chart zeigen, Lufthansa Börsen-Chart zeigen und Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen erholten sich um bis zu 6 Prozent. Die Lufthansa streicht das Flugprogramm wegen der Coronakrise noch stärker zusammen als bisher bekannt. Im MDax erholten sich Airbus-Aktien Börsen-Chart zeigen um fast 8 Prozent.

Am Ende des Dax fanden sich die Aktien von HeidelbergCement Börsen-Chart zeigen wieder mit einem Verlust von 6,2 Prozent. Der Zementhersteller strich wegen des Coronavirus die Ziele für das laufende Jahr.

Osram Börsen-Chart zeigen brachen um mehr als 18 Prozent ein. Hier fürchten Händler, dass die laufende Übernahme des Herstellers von Lichttechnik durch den Chipproduzenten AMS wegen des Crashs an den Börsen scheitern könnte. Zudem wartete Osram mit einer Gewinnwarnung auf.

Als Profiteure des Coronavirus werden an der Börsen unter anderen die Aktien des Online-Händlers für Tierbedarf Zooplus und Heidelberg Pharma gehandelt. Deren Kurse schnellten um 13 beziehungsweise 37 Prozent nach oben. Bei den Aktien des Biopharma-Unternehmens Biontech strichen Anleger hingegen Gewinne ein: Nachdem sich der Kurs in nur drei Tagen mehr als verdreifacht hatte, büßte er am Donnerstag 24 Prozent ein.

Nikkei im Minus

Die Handelsvorgaben sind schwach: In Tokio hat der Nikkei Börsen-Chart zeigen am Donnerstag rund 1 Prozent niedriger geschlossen bei 16.552 Punkten. Zuvor hatte an den US-Börsen der Dow Jones Börsen-Chart zeigen am Mittwoch zeitweise um bis zu 11 Prozent verloren und war unter die Marke von 19.000 Punkten gestürzt - der niedrigste Stand seit November 2016.

mit dpa und reuters

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