Montag, 30. März 2020

Dax und Dow auf Talfahrt Corona-Crash an den Börsen setzt sich fort

Dax an der Börse in Frankfurt: Es bleibt unruhig

Der Ausverkauf an den Börsen geht auch am Mittwoch weiter. Der Dax büßt mehr als 5 Prozent ein, der Dow Jones zeitweise mehr als 11 Prozent. Das britische Pfund fällt gegenüber dem Dollar auf ein 35-Jahres-Tief.

Die US-Aktienmärkte haben zur Wochenmitte ihre klaren Vortagesgewinne komplett abgegeben und deutlich schwächer geschlossen. Wegen der rasanten Talfahrt wurde sogar der Börsenhandel kurzzeitig ausgesetzt. Die erneuten Verluste reflektierten die extreme Unsicherheit der Anleger, wie weit die Corona-Krise noch um sich greift und wann die derzeitige Ausnahmesituation endet.

Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen stürzte am Mittwoch zeitweise um bis zu 11 Prozent unter die Marke von 19.000 Punkten und damit auf den niedrigsten Stand seit November 2016. Zudem machte der Leitindex dadurch seinen rund 50-prozentigen Kursanstieg seit der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump im Januar 2017 innerhalb weniger Handelstage vollständig zunichte.

Letztlich verlor der Dow am Mittwoch 6,30 Prozent auf 19.898,92 Zähler, nachdem er am Dienstag um mehr als 5 Prozent gestiegen war. Der marktbreite S&P 500 fiel letztlich um 5,18 Prozent auf 2398,10 Punkte. Der technologielastige Nasdaq Börsen-Chart zeigen gab um 4,00 Prozent auf 7175,18 Punkte nach.

Aus Branchensicht stand der Energiesektor besonders unter Verkaufsdruck. Grund dafür war der erneute Einbruch der Ölpreise auf historisch niedrige Niveaus. So kostete Öl der Nordseesorte Brent Oil Spot Börsen-Chart zeigen zeitweise 24,52 US-Dollar - der tiefste Stand seit dem Jahr 2003. Entsprechend gehörten die Ölaktien zu den schwächsten Werten. So verloren die Papiere von Chevron Börsen-Chart zeigen, Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen und Occidental Petroleum bis zu 22 Prozent.

Noch stärker unter die Räder kamen die Aktien von Fluggesellschaften. Delta Airlines Börsen-Chart zeigen, American Airlines und United Airlines rutschten um bis zu 30 Prozent ab. Aufgrund der enormem geschäftlichen Schäden, die die rapide Ausbreitung des Virus hinterlässt, wollen die US-Fluglinien Staatshilfen im Volumen von über 50 Milliarden Dollar beantragen.

Zu den schwächsten Werten im Dow gehörten einmal mehr die Titel von Boeing Börsen-Chart zeigen mit minus 18 Prozent. Der angeschlagene US-Luftfahrtriese hat in der Coronavirus-Krise eine 14 Milliarden Dollar schwere Kreditlinie vollständig ausgeschöpft. Zudem bemüht sich Boeing intensiv um Staatshilfen. Diese würden der gesamten Industrie zugute kommen, da ein großer Teil davon für Zahlungen an Zulieferer eingesetzt würde, teilte Boeing mit. Medien zufolge versucht Boeing, bei der US-Regierung mehr als 20 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern für sich selbst und Unternehmen aus seiner Produktionskette zu bekommen.

Dax verliert mehr als 5 Prozent

Am deutschen Aktienmarkt hat sich die beispiellose fast vierwöchige Talfahrt fortgesetzt. Der Dax Börsen-Chart zeigen rauschte um 5,56 Prozent auf 8441,71 Punkte abwärts. Das ist der niedrigste Schlusskurs seit sechseinhalb Jahren. Die Stabilisierung vom Vortag ist damit schon wieder Makulatur. Die Verluste seit Beginn des Börsen-Crash im Februar summieren sich mittlerweile auf über 5100 Dax-Punkte oder fast 40 Prozent. Dem Börsenbarometer droht charttechnisch orientierten Experten zufolge ein weiteres Absacken in Richtung 8000 Punkte.

"Beim Blick auf das Chartbild dürfte den Investoren weiterhin Angst und Bange werden" sagte Marktanalyst Timo Emden. "Mittlerweile scheint der Abstieg in die Rezession unausweichlich. Somit könnte das heimische Börsenbarometer schon bald die 8000-Punkte-Marke erreichen." Der Super-Gau wäre ein Szenario wie in der Euro-Peripherie, wo der Alltag nahezu zum Erliegen gekommen ist. "Ein Stillstand der europäischen Wirtschaft dürfte weitere einschneidende negative Ketteneffekte auslösen und einer Exportnation wie der Bundesrepublik große Probleme bereiten."

Auch die Strategen der Deutschen Bank verweisen auf die wirtschaftlichen Gefahren durch die Pandemie. Peter Hooper sprach von "historisch beispiellosen Ereignissen". Die Wachstumsraten könnten in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres so stark einbrechen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Zugleich seien alle Prognosen derzeit aber mit hohen Unsicherheiten behaftet.

Volkswirt Edgar Walk vom Bankhaus Metzler hat ein Positiv- und ein Negativszenario erstellt. Im positiven Fall geht er davon aus, dass "die Zahl der Infizierten im April im Trend sinkt und die Wirtschaftspolitik bis dahin eine Konkurswelle verhindern konnte". Ab Mai könnte dann die Quarantäne gelockert werden und die Weltwirtschaft habe gute Chancen auf eine spürbare Erholung. Sollte die Krise länger dauern, "wäre eine längere Durststrecke bis nächstes Jahr an den Aktienmärkten die Folge. Im Fall einer Konkurswelle oder Staatsschuldenkrise würde eine längere Talfahrt an den Aktienmärkten drohen."

Der MDax Börsen-Chart zeigen fiel zur Wochenmitte um 5,51 Prozent auf 17.909,40 Punkte. Erstmals seit fast vier Jahren war der Index der mittelgroßen Börsenwerte am Montag wieder unter die Marke von 20.000 Punkten gesunken.

Europaweit sah es nicht besser aus als hierzulande: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen büßte 5,72 Prozent auf 2385,82 Punkte ein. Sehr schwach schlossen auch die Börsen in London und Paris.

MTU mit zweistelligem Verlust, Banken vergleichsweise stabil

Erneut gab es überwiegend Verlierer, und unter diesen wurde einige wieder heftig abgestraft: So brachen die Aktien von MTU Aero Engines Börsen-Chart zeigen am Dax-Ende um 15,7 Prozent ein, womit sie seit Beginn des Crashs knapp 60 Prozent eingebüßt haben. Die virusbedingte zunehmende Aussetzung des internationalen Flugverkehrs belastet den Triebwerkhersteller schwer. Die Airbus-Aktien Börsen-Chart zeigen sackten im MDax um 21,6 Prozent ab und waren dort der größte Verlierer.

Die Papiere der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen indes hielten sich mit minus 0,1 Prozent stabil. Die Anteile der Commerzbank Börsen-Chart zeigen büßten vergleichsweise moderate 1,4 Prozent ein. Sie waren allerdings - wie auch die Aktien der Deutschen Bank - erst am Montag auf ein Rekordtief gefallen. Die Geldhäuser in Deutschland sollen künftig auf einen Kapitalpuffer für Krisenzeiten zugreifen können.

Unter den Autoherstellern verloren die Aktien von BMW Börsen-Chart zeigen 3,0 Prozent. Die Münchener stellen wegen der Viruskrise die Produktion in Europa für vier Wochen ein und erwarten 2020 nun einen schwächeren Absatz und eine geringere Ertragskraft als bisher.

Dagegen konnten sich die Konsumgüterhersteller Henkel Börsen-Chart zeigen mit plus 1,7 Prozent und Beiersdorf Börsen-Chart zeigen mit plus 6,1 Prozent erfolgreich gegen den Abwärtsdruck stemmen.

Im MDax verringerten die Anteile der Kupferhütte Aurubis Börsen-Chart zeigen ihre heftigen Verluste auf nur noch 1,1 Prozent, nachdem ein Aktienrückkaufprogramm angekündigt worden war.

Eindrucksvoll war auch das Kursplus der Aktien von Heidelberger Druck Börsen-Chart zeigen, die den SDax Börsen-Chart zeigen am Freitag nach Börsenschluss verlassen müssen. Sie sprangen um 12,5 Prozent nach oben, nachdem der schwer angeschlagene Hersteller von Druckmaschinen seine Schulden mit Hilfe einer kräftigen Finanzspritze abbauen und verlustbringende Produkte einstellen will. Die Aktien von Shop Apotheke legten als ein Profiteur der Coronakrise um 3,4 Prozent zu.

Am Rentenmarkt kam es zu einem regelrechten Ausverkauf, der Rentenindex Rex fiel um 0,64 Prozent auf 144,07 Punkte. Die Umlaufrendite stieg entsprechend von minus 0,50 Prozent am Vortag auf minus 0,36 Prozent. Der Bund-Future gab um 1,37 Prozent auf 168,70 Punkte nach.


Unsere Börsenseite: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit


Euro bleibt unter 1,09 Dollar, Pfund fällt auf 35-Jahres-Tief

Der Kurs des Euro Börsen-Chart zeigen ist am Mittwoch im US-Handel im Vergleich zum späten europäischen Geschäft zwar leicht gestiegen, aber nicht über die Marke von 1,09 US-Dollar. Zuletzt wurde die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,0883 Dollar gehandelt. In Europas Frühhandel war sie noch kurzzeitig bis auf 1,1045 Dollar geklettert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,0934 (Dienstag: 1,0982) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,9146 (0,9106) Euro gekostet..

Das britische Pfund verzeichnete derweil erneut starke Kursverluste gegenüber dem Euro und dem Dollar. Am Mittwoch fiel die Währung des Vereinigten Königreichs zum amerikanischen Dollar auf den tiefsten Stand seit 35 Jahren. Mit 1,1757 US-Dollar wurde der niedrigste Wechselkurs seit dem Jahr 1985 erreicht. Unterboten wurde sogar der tiefe Fall nach dem Brexit-Referendum im Jahr 2016. Britische Staatsanleihen, normalerweise eine als sicher geltende Anlage, gaben ebenfalls stark nach.

mit Nachrichtenagenturen

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