Donnerstag, 19. September 2019

Börse Dax fällt - Euro-Länder spielen Griechen-Pleite durch

Wie lange noch? Ende Juni droht Griechenland endgültig das Geld auszugehen. Geldgeber und Athen stehen sich im Verhandlungspoker aktuell mit unvereinbaren Positionen gegenüber. Die IWF-Delegation reiste gestern aus Brüssel ab

Der Dax fällt zum Wochenschluss wieder ins Minus. Die Euro-Partner verzweifeln an der Verweigerungs-Haltung Griechenlands. Und auch Anleger bringen ihr Geld zunächst in Sicherheit.

Das Hin und Her im griechischen Schuldendrama hat den Dax Börsen-Chart zeigen am Freitagnachmittag deutlich nach unten gedrückt. Der Leitindex büßte seinen gesamten bisherigen Wochengewinn ein und fiel bis zum Handelsschluss auf Xetra um 1,2 Prozent auf 11.196 Punkte. Zeitweise hatte der Index sogar 2,3 Prozent nachgegeben, konnte seine Verluste im späten Handel aber halbieren.

Die Lage im Schulden-Poker hat sich am Freitag weiter verschärft: Insidern zufolge wird im Kreise der Euro-Länder inzwischen formell über die Auswirkungen eines griechischen Zahlungsausfalls diskutiert wird. Der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen als Leitindex der Eurozone büßte am Freitag 1,4 Prozent an Wert ein.

Euro-Partner spielen Griechen-Pleite durch

Angesichts der festgefahrenen Verhandlungen im Schuldenstreit haben die Euro-Staaten erstmals auch in formeller Runde über die Auswirkungen einer möglichen Pleite Griechenlands diskutiert. Hochrangige Vertreter der Euro-Zone erörterten mehreren Insidern zufolge, was im Falle eines Scheiterns der zähen Gespräche geschieht. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem drängten unterdessen Griechenland, rasch den Reformforderungen der Gläubiger zuzustimmen.

Wall Street mit Verlusten

Auch an der Wall Street gaben die Indizes nach. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen verlor im frühen Handel 0,6 Prozent auf 17.934 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 fiel ebenfalls um 0,6 Prozent auf 2096 Zähler.

Auf Unternehmensseite im Blickpunkt stand Twittter . Die Anleger begrüßten den Rücktritt von Twitter- Vorstandschef Dick Costolo. Ihm war es in seinen fast fünf Jahren an der Spitze des Kurnachrichtendienstes nicht gelungen, die Wachstumsraten von Konkurrenten wie Facebook, Instagram und Snapchat zu erreichen. Die Twitter-Aktie legte rund drei Prozent zu.

Griechenland bewegt sich nicht - IWF Verhandlungsteam abgereist

Obwohl die Zeit für Griechenland abläuft, sind die Positionen von Schuldnern und Gläubigern weiter unvereinbar. Die Regierung in Athen ist zwar bereit, die Unterredungen mit den internationalen Gläubigern zu intensivieren, damit es bald zu einem Abkommen kommt. Renten- und Lohnkürzungen jedoch werde Griechenland nicht akzeptieren, verlautete aus Kreisen der Regierung.

Das Finanzministerium in Berlin rief die Regierung in Athen indes dazu auf, eine Einigung mit den Geldgebern möglich zu machen. Sprecher Martin Jäger sagte, die Tatsache, dass das Team des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Vortag die Verhandlungen mit der griechischen Regierung in Brüssel verlassen habe, sei als ernstes Statement zu verstehen.

Europäer sehen rote Linie gegenüber Athen

19.09.2019 Mittel % Spanne %
Tagesgeld (5000 Euro) 0,08 0,00 - 1,00 Tagesgeld 5.000 €
Festgeld (12 Monate) 0,17 0,00 - 1,30 Festgeld 12 Monate
Sparbriefe (5 Jahre) 0,51 0,00 - 2,05 Sparbriefe 5 Jahre
Baugeld (10 Jahre) 0,72 0,51 - 1,26 Baugeld Eff.zins 10 J.
Ratenkredit (36 Monate) 4,18 2,27 - 6,19 Ratenkredite 36 M.
Girokonto (Dispokredit) 9,28 4,09 - 12,43 Dispozinsen
Die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank und der IWF verhandeln mit Athen über ein verbindliches Reformprogramm. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass Griechenland bisher blockierte Hilfsgelder in Höhe von 7,2 Milliarden Euro erhalten kann, um es vor der Pleite zu retten.

Nach Auffassung des Analysten Heino Ruland von Ruland Research sind die Europäer aktuell nicht zu weiteren Zugeständnissen an Athen bereit. Die Investoren wollten in dieser Gemengelage vor dem Wochenende keine größeren Risiken eingehen und hätten deshalb zuletzt einen Teil ihrer Gelder in den als sicher geltenden Rentenmarkt umgeschichtet.

Daimler wächst schneller als BMW

Im Dax standen Autowerte standen im Blick. Während die Aktien von Daimler dank eines positiv aufgenommenen Kapitalmarkttages lediglich auf der Stelle traten, fielen die Anteilsscheine von BMW ins Minus. Die Münchener bleiben beim Absatzwachstum in diesem Jahr weiter deutlich hinter dem Erzrivalen aus Stuttgart zurück.

MDax: Gerry Weber weiterhin unter Druck

Die zuletzt in Turbulenzen geratenen Aktien von Gerry Weber gerieten nach der Bekanntgabe endgültiger Geschäftszahlen weiter unter Druck. Der Modekonzern musste im ersten Geschäftshalbjahr trotz eines Umsatzanstiegs ein rückläufiges operatives Ergebnis hinnehmen. Die endgültigen Zahlen bestätigten die zuvor veröffentlichten Daten für das erste Halbjahr und auch den enttäuschenden Ausblick des Konzerns, fasste Analyst Volker Bosse von der Baader Bank zusammen.

la/rei/dpa/reuters

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