Börse Dax stürzt - Grexit-Angst greift um sich

Die drohende Staatspleite Griechenlands setzt den Dax erneut stark unter Druck. Der Index rutscht unter die Marke von 11.500 Punkten. Finanztitel geben deutlich nach.
Von mm-newsdesk
IWF-Chefin Christine Lagarde, Bundesbank-Chef Jens Weidmann beim G7-Treffen in Dresden: "Ein Grexit wäre kein Spaziergang, aber auch nicht das Ende des Euro"

IWF-Chefin Christine Lagarde, Bundesbank-Chef Jens Weidmann beim G7-Treffen in Dresden: "Ein Grexit wäre kein Spaziergang, aber auch nicht das Ende des Euro"

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Die Angst vor einer nahenden Pleite Griechenlands hat den Dax  auch am Freitag stark belastet. Der Dax weitete seine Verluste am Freitagnachmittag angesichts des weiter ungelösten griechischen Schuldendramas auf mehr als 2 Prozent aus und fiel unter die Marke von 11.500 Zählern. Zum Handelsschluss auf Xetra notierte der Dax 2,3 Prozent schwächer bei 11.413 Punkten.

Auf Wochensicht hat der Index knapp 4 Prozent an Wert verloren. Auch auf Monatssicht zeichnet sich für den Mai ein Minus ab. Zu groß seien die Unsicherheiten in puncto eines immer wahrscheinlicher erscheinenden Austritts Griechenlands aus der Eurozone, vor dem zuletzt auch IWF-Chefin Christine Lagarde am Rande des Treffens der G7-Finanzminister und Notenbanker in Dresden warnte.

Lagarde: "Der Austritt Griechenlands ist eine Möglichkeit"

"Der Austritt Griechenlands ist eine Möglichkeit", sagte die Direktorin des Fonds, Christine Lagarde, der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Ein solcher Schritt, der gemeinhin als "Grexit" bezeichnet wird, wäre nach ihren Worten "kein Spaziergang", bedeutete aber "wohl nicht das Ende des Euro".

Lagarde widersprach erneut griechischen Äußerungen, wonach die laufenden Verhandlungen mit den Gläubigern - dem IWF, der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank - kurz vor dem Abschluss stünden.

"Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir in den nächsten Tagen eine umfassende Lösung erreichen werden", sagte sie. Nachdem es aus Athen vor zehn Tagen positive Signale gegeben habe, "waren wir in der vergangenen Woche dann wieder ernüchtert". Es sei noch "ein weites Feld zu beackern".

Angesichts des drohenden griechischen Staatsbankrotts schloss die IWF-Chefin die Auszahlung weiterer Kredite des Fonds ohne den Abschluss einer sauberen Reformvereinbarung aus. "Wir haben Regeln, wir haben Prinzipien. Es darf keine halbgare Programmüberprüfung geben", sagte Lagarde. Diese Überprüfung gehe "nicht im Hauruck-Verfahren".

Damit ist eine reguläre Auszahlung der noch vorhandenen Kredite bis zum Ende des Hilfsprogramms der Euro-Staaten bis Ende Juni praktisch ausgeschlossen. Denn diese setzt eine Vereinbarung aller drei "Institutionen" mit Athen voraus; erst danach könnten die zuständigen Gremien der Gläubiger die noch vorhandenen Kredite von insgesamt 7,2 Milliarden Euro freigeben.

Schwache US-Konjunkturdaten lassen Euro wieder steigen

Schwache US-Konjunkturdaten gaben dem Euro zum US-Dollar einen Schub. Er kostete mit 1,0980 Dollar rund 0,4 Prozent mehr als zum New Yorker Vortagesschluss. Die US-Wirtschaft war zu Jahresbeginn eingebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte von Januar bis März mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 0,7 Prozent.

Anleger nehmen bei Autowerten Gewinne mit

Bei Autowerten wie Daimler  und Volkswagen Vz.  , die seit Jahresbeginn 27 beziehungsweise 22 Prozent zulegt haben, nahmen Anleger Gewinne mit. Die Papiere gaben jeweils deutlich nach.

Hingegen stemmten sich die Aktien des Gesundheitskonzerns Fresenius  gegen den sehr schwachen Gesamtmarkt. Die Analysten von Morgan Stanley hoben ihr Kursziel auf 62 von 58 Euro an und bekräftigten ihr Anlageurteil "Overweight". Die Tochter Kabi entwickele sich besser als gedacht, hieß es zur Begründung.

Google sorgt für Kursrally bei Fingerprint Cards

Auf Unternehmensseite sorgten Fingerprint Cards und Precise Biometrics mit Kursgewinnen von jeweils rund 13 Prozent für Furore. Sie profitierten von der Hoffnung der Investoren auf reißenden Absatz der von den beiden schwedischen Firmen angebotenen Fingerabruck-Sensoren, mit denen sich Handys ohne Eingabe einer Pin entsperren lassen.

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Foto: Daimler

Diese Technologie soll in das neue Smartphone-Betriebssystem "Android M" von Google integriert werden. Fingerprint Cards bauten an der Stockholmer Börse ihr knapp 20-prozentiges Vortagesplus aus und markierten mit 133,50 Kronen den zweiten Tag in Folge ein Rekordhoch. Precise Biometrics kosteten mit 2,19 Kronen immerhin so viel wie zuletzt vor knapp eineinhalb Jahren.

la/ts/dpa/reuters
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