Börse US-Inflationsdaten bremsen Dax und Wall Street aus

Allianz, Bayer und Telekom überzeugen die Anleger mit starken Geschäftsdaten. Doch US-Inflationsdaten bremsen den Dax. In den USA taucht der Dow Jones ins Minus.
Bulle und Bär: Plastiken vor dem Gebäude der Frankfurter Wertpapierbörse

Bulle und Bär: Plastiken vor dem Gebäude der Frankfurter Wertpapierbörse

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Gut aufgenommene Quartalsberichte mehrerer Dax-Konzerne haben dem deutschen Leitindex am Mittwoch zu einer moderaten Erholung verholfen. Nach dem starken Rückschlag vom Vortag legte der Dax  um 0,20 Prozent auf 15.150 Punkte zu. Höhere Kursgewinne verhinderte jedoch eine überraschend starke Inflation der Verbraucherpreise in den USA. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel verlor 0,45 Prozent auf 31.638 Zähler. Der EuroStoxx 50  schloss kaum verändert bei 3947 Punkten. Der US-Standardwerteindex Dow Jones  büßte dagegen zuletzt 1,22 Prozent ein. Der marktbreitere S&P 500  verlor gegen 19.15 Uhr (MEZ) 1,4 Prozent, die Technologiebörse Nasdaq  gab gar knapp 2 Prozent ab.

Die US-Verbraucherpreise stiegen nach offiziellen Angaben im April um 4,2 Prozent, nach plus 2,6 Prozent im Vormonat. Analysten hatten mit einem Anstieg um 3,6 Prozent gerechnet. Die Gründe für die rasante Teuerung seien unter anderem die billionenschweren Konjunkturhilfen des Staats und der Notenbank, der sich lösende Konsumstau und Engpässe bei einigen Zuliefer-Teilen, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Dieser perfekte Sturm für Inflationsdruck wird so schnell nicht verschwinden, auch wenn es sich am Ende als vorübergehend erweisen sollte."

Die US-Teuerungsrate müsse eingeordnet werden, warf Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank, ein. Durch den Ausbruch der Coronavirus-Pandemie und den Stillstand der Wirtschaft seien im Vorjahresmonat die Preise - vor allem für Energie - stark gefallen. "Da aber bereits im Mai des Vorjahres die Ölpreise wieder anzogen, ist der größte Teuerungsschub nun schon vorbei."

Rohöl gefragt - Ethereum auf Rekordhoch

Am Mittwoch verteuerte sich Rohöl erneut. Die Sorte Brent aus der Nordsee gewann 1,6 Prozent auf 36,64 Dollar je Barrel (159 Liter). "Auch nach der geplanten Produktionsausweitung zwischen Mai und Juli bleibt der Markt im zweiten Halbjahr deutlich unterversorgt", prognostizierten die Analysten der Commerzbank.

Brent

Parallel dazu nahm Ethereum seine Rekordjagd wieder auf. Die zweitwichtigste Cyber-Devise verteuerte sich nach dem Rücksetzer vom Dienstag um bis zu 5,8 Prozent auf 4384,95 Dollar. Damit hat sich der Kurs seit Jahresbeginn fast versechsfacht. Börsianern zufolge profitiert die Kryptowährung unter anderem davon, dass sie anders als Bitcoin auf einer Software-Plattform aufbaut, bei der Transaktionen an bestimmte Bedingungen geknüpft werden können ("Smart Contracts"). Daher spiele Ethereum beim derzeit heißen Thema "Decentralized Finance" (DeFi) eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich um Finanzgeschäfte ohne die Vermittlung durch Banken oder Broker.

Starker Jahresauftakt bei Bayer und Commerzbank

Bei den deutschen Aktienwerten rückte die überraschende Rückkehr in die Gewinnzone die Commerzbank ins Rampenlicht. "Der geplante Weg zu einer Digital-Bank wird kein leichter sein", kommentierte Analyst Konstantin Oldenburger vom Online-Broker CMC Markets. "Aber sollte er gelingen, könnte sich die zuletzt entfachte Euphorie in der Aktie auch langfristig für Investoren auszahlen." Die Commerzbank-Aktie schloss 8,6 Prozent im Plus bei 6,26 Euro.

Commerzbank

Gefragt waren auch die Papiere von Bayer, die sich um gut sieben Prozent verteuerten. Wie bei der Commerzbank ist das der größte Tagesgewinn seit einem halben Jahr. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern habe bei Umsatz und Gewinn die Markterwartungen übertroffen, lobte Analyst Alistair Campbell von der Investmentbank Liberum. Hierzu hätten sämtliche Geschäftsbereiche beigetragen. Der Konzernumsatz sank zwar im ersten Quartal um 4 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen aber mit 2,09 Milliarden Euro rund 40 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Starker US-Schub für Telekom

Die Deutsche Telekom blickt dank des amerikanischen Zugpferdes T-Mobile US zuversichtlicher auf das Jahr. Im ersten Quartal legte das bereinigte Betriebsergebnis um 41,3 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro zu. Dazu trug vor allem die Übernahme des Konkurrenten Sprint durch T-Mobile US bei, die seit April 2020 auch die Bonner anschiebt. Der Umsatz der Deutschen Telekom kletterte von Januar bis März um fast ein Drittel auf 26,4 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis und die Erlöse lagen deutlich über den Erwartungen von Analysten. Die T-Aktie  legte 2,2 Prozent zu.

Allianz steigert Gewinn um 83 Prozent

Die Allianz-Aktie  legte um 1,2 Prozent zu. Geringere Schäden und gute Geschäfte in allen Bereichen haben dem Versicherer in den ersten Monaten des Jahres einen überraschend kräftigen Gewinnsprung beschert. Das operative Ergebnis legte im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent auf gut 3,3 Milliarden Euro zu. Der auf die Aktionäre entfallende Überschuss sprang dank geringerer Wertminderungen sogar um 83 Prozent auf knapp 2,6 Milliarden Euro nach oben. Analysten hatten deutlich geringere Steigerungen erwartet. Vorstandschef Oliver Bäte zeigte sich zuversichtlich, im laufenden Jahr wie geplant ein operatives Ergebnis zwischen 11 und 13 Milliarden Euro zu erreichen.

Merck bestätigt besseren Ausblick

Die Papiere von Merck KGaA verloren 2,3 Prozent. Das florierende Laborgeschäft sorgt auch im ersten Quartal beim Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA weiter für Rückenwind. Der Konzern bestätigte am Mittwoch zur Vorlage seiner endgültigen Zahlen die kürzlich angehobenen Jahresziele. "Im ersten Quartal haben wir in einem herausfordernden Umfeld große Stärke bewiesen", sagte die Anfang Mai angetretene neue Konzernchefin Belen Garijo laut Mitteilung. Schon Anfang Mai hatte der Konzern die nun bestätigten Eckdaten gemeldet.

Delivery Hero kehrt auf deutschen Markt zurück

Stärkster Verlierer im Dax war die Aktie von Delivery Hero , die ihre jüngste Talfahrt um 6,2 Prozent ausweiteten. Der Berliner Lieferkonzern verkündete eine Rückkehr auf den deutschen Markt, von dem er sich 2019 mit dem Verkauf von Lieferando an den niederländischen Wettbewerber Just Eat Takeaway verabschiedet hatte. Mit der Marke Foodpanda will Delivery Hero nun die Vorherrschaft von Lieferando ebenso wie Neuankömmlinge wie Uber Eats oder die Supermarktbringdienste wie Gorillas angreifen.

Euro sinkt in Richtung 1,21 US-Dollar

Der Euro gab nach und notierte am frühen Abend mit 1,2075 US-Dollar. Der Dollar profitierte vom US-Inflationsanstieg. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,2118 (Dienstag: 1,2170) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8252 (0,8217) Euro.

mit Nachrichtenagenturen