Börse Weniger Jobs in USA - Dax kaum verändert

In den USA sind deutlich weniger neue Jobs entstanden als erwartet. Das könnte die Fed dazu bewegen, mit Zinserhöhungen noch zu warten. Der Dax reagiert kaum, und Bitcoin setzt seine Kursrallye fort.
Kurstafel in Frankfurt: Der Dax hat sich nach seinem Kursrutsch stabilisiert

Kurstafel in Frankfurt: Der Dax hat sich nach seinem Kursrutsch stabilisiert

Foto: Boris Roessler / dpa

Ruhiger Wochenausklang: Der deutsche Leitindex Dax  hat sich am Freitag kaum bewegt. Der deutsche Leitindex schloss auf Xetra knapp im Minus und über der Marke von 15.200 Punkten, nachdem er am Vortag um fast zwei Prozent gestiegen war. Auch der Nebenwerteindex MDax sowie der EuroStoxx 50  notierten zum Wochenschluss kaum verändert.

Der Dax erlebte zwar in dieser Woche turbulente Tage mit einem zwischenzeitlichem Rutsch bis fast auf das Mai-Tief von 14 816 Punkten. Das erste Abgleiten unter die 200-Tage-Linie seit rund einem Jahr aber wurde schnell abgefangen. Diese Kurve gilt als Maßstab für den langfristigen Trend. Auf Wochensicht verteidigte der Dax ein minimales Plus.

Dax

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Weniger neue Jobs in USA - und damit weniger Spielraum für höhere Zinsen

Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich im September wider Erwarten nur wenig aufgehellt. Es entstanden lediglich 194.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft, wie die Regierung am Freitag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 500.000 gerechnet. Zugleich wurden die August-Zahlen allerdings nach oben korrigiert, und zwar von 235.000 auf 366.000. Die getrennt ermittelte Arbeitslosenquote sank auf 4,8 von zuvor 5,2 Prozent.

Eine Belebung am Arbeitsmarkt ist eine notwendige Voraussetzung dafür, dass die Fed schon bald ihre massiven Konjunkturspritzen niedriger dosieren und im Frühjahr 2022 die Zinsen wieder erhöhen kann. Nun setzen Aktionäre darauf, dass sich die Fed mit ihrer Zinswende noch Zeit lässt.

Daimler an der Dax-Spitze - UBS rechnet mit Rekordjahr für Mercedes

An der Dax-Spitze zogen die Papiere von Daimler um fast drei Prozent an. Die Schweizer Großbank UBS empfahl die Anteilsscheine zum Kauf. Analyst Patrick Hummel rechnet mit einer Erholung der Produktion des Autobauers, die aktuell noch von der Chipkrise betroffen ist. Das könnte 2022 zu einem Rekordjahr für Mercedes-Benz machen.

An diesem Freitag sei nun wieder "Payroll-Tag", schrieb Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Nach dem durchwachsenen letzten Arbeitsmarktbericht rechneten die Börsianer diesmal mit einer stärkeren Erholung. "Mit einem starken Arbeitsmarktbericht springt die Tapering-Ampel auf Grün" - die US-Notenbank könnte also erwartungsgemäß ihre Pandemie-Notkäufe von Staatsanleihen zur Konjunkturstützung reduzieren.

Bitcoin steigt über 55.000 US-Dollar

Am Markt für Digitalwährungen hat sich der Kursauftrieb beschleunigt fortgesetzt. Die älteste und nach Marktwert größte Kryptoanlage Bitcoin stieg am Fretag erneut über die Marke von 55.000 US-Dollar. Auf der Handelsplattform Bitstamp wurde am Mittag zuletzt ein Preis von 55 600 Dollar erreicht. Auch andere Digitalwerte wie Ether, XRP oder Dogecoin legten im Kurs weiter zu. Der Marktwert aller rund 12.000 Kryptoanlagen betrug laut der Internetseite Coinmarketcap knapp 2,3 Billionen Dollar.

Bitcoin

Noch vor wenigen Wochen sorgte China mit kritischen Äußerungen für Belastung. Vor kurzem gab es dagegen moderatere Töne aus den USA: Die Notenbank Fed spricht sich zwar für staatliche Regulierungen aus, will aber laut ihrem Chef Jerome Powell im Gegensatz zu China von Verboten absehen. Im Vergleich zu China sind die USA auch zurückhaltender, wenn es um die Frage einer staatlich kontrollierten Kryptowährung geht. Die Volksrepublik ist mit ihrem Projekt eines digitalen Yuan weit fortgeschritten.

Adler Group: Vonovia sieht Chance zum Einstieg

Der mögliche Einstieg des Immobilienkonzerns Vonovia beim kleineren Rivalen Adler Group hat am Freitag Morgen die Anleger am Freitag in Kauflaune versetzt. Die Aktien der Adler Group  schossen in der Spitze um rund 10 Prozent nach oben und waren damit größter SDax-Gewinner. Im Anschluss setzen jedoch Gewinnmitnahmen ein, die Aktie gab ihre Gewinne komplett wieder ab.

Nach dem jüngsten Leerverkäufer-Angriff auf die Adler Group erklärte Deutschlands größter Wohnungskonzern, sich eine Kaufoption für rund 13 Prozent an der Immobilienfirma von deren Großaktionär Aggregate Holdings gesichert zu haben. Das Unternehmen könnte demnach die Hälfte des Aktienpakets von Aggregate in den nächsten 18 Monaten zu einem Preis von 14 Euro je Anteilsschein kaufen. Die Papiere der Adler Group waren am Mittwoch unter Beschuss des britischen Investors Fraser Perring geraten. Ein negativer Bericht von Perrings Firma Viceroy hatte den Aktien den größten Tagesverlust in der Geschichte der Firma eingebrockt.

Adler-Immobilien-Aktie

Der Immobilienkonzern Vonovia hat außerdem seine Beteiligung am Konkurrenten Deutsche Wohnen weiter ausgebaut. Nach Ende der regulären Annahmefrist des Angebots an die Deutsche-Wohnen-Aktionäre in Höhe von 53 Euro je Aktie hält Vonovia nun 60,3 Prozent der Stimmrechte. Zudem hat Vonovia die Annahmefrist noch einmal bis zum 21. Oktober verlängert.

Finanzinvestoren planen Übernahme von Aareal Bank

Die im Nebenwerteindex SDax gelistete Aareal Bank ist einem Bloomberg-Bericht zufolge in den Fokus von Finanzinvestoren geraten. Ein Konsortium um die Beteiligungsgesellschaften Advent und Centerbridge denke über eine Übernahme des Immobilienfinanzierers nach. Die Aareal Bank bestätigte am Nachmittag entsprechende Gespräche mit der Investorengruppe. Die im SDax notierten Anteilsscheine stiegen um knapp 20 Prozent.

Asiens Börsen klar im Plus - doch Evergrande-Krise schwelt weiter

Kursgewinne an der Wall Street haben auch den asiatischen Börsen zum Wochenschluss Schwung verliehen. Der Nikkei-Index kletterte um 1,5 Prozent auf 28.089 Zähler in die Höhe. Der breiter gefasste Topix rückte um 1,2 Prozent vor. Nach einer einwöchigen Pause kehrten auch die chinesischen Anleger zurück und brachten der Börse in Shanghai kurz vor dem Wochenende ein Plus von 0,5 Prozent ein.

Gebremst wurde die Kauflaune allerdings durch die schwelende Schuldenkrise von Evergrande. Die Aktien des Immobilienkonzerns sind seit Montag in Erwartung eines möglichen Anteilsverkaufs vom Handel ausgesetzt, doch die Furcht vor einem Kollaps des Unternehmens bleibt. Evergrande hat Schulden von mehr als 300 Milliarden Dollar. Börsianer sorgen sich darum, dass die gesamte Immobilienbranche im Falle einer Pleite von Evergrande in die Knie gehen könnte.

Für Anleihen und Aktien im Immobiliensektor ging es am Freitag bergab. Der CSI 300 Real Estate Index fiel um 1,6 Prozent. Bonds von Immobilienunternehmen wie Fantasia Holdings Group, Xiamen Yuzhou Grand Future Real Estate Development Co, China Aoyuan Group und Guangzhou R&F Properties Co rauschten zwischen 55 und vier Prozent in die Tiefe. Der kleinere Evergrande-Rivale Fantasia hatte eine Frist für Zinszahlungen verstreichen lassen.

Dow Jones und Nasdaq im Plus: Atempause im US-Schuldendrama

Nach dem mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht sieht es an der Wall Street am Freitag zunächst nach einem verhaltenen Start für den Dow Jones Industrial aus. Rund eine Dreiviertelstunde vor dem Handelsstart taxierte der Broker IG den US-Leitindex mit plus 0,04 Prozent bei 34769 Zählern. Für den technologielastigen Nasdaq 100 wurde hingegen ein etwas deutlicheres Plus von 0,4 Prozent auf 14 964 Zähler erwartet.

Noch am Vortag hatte die Wall Street mit Elan an ihren jüngste Erholungsrally angeknüpft, da ein Shutdown der US-Regierung vorerst abgewendet ist. Die Erholung an der Wall Street folgte bereits am Donnerstag auf ein Angebot der Republikaner, die Aussetzung der US-Schuldenobergrenze bis Dezember nicht blockieren zu wollen. Zuvor hatte Finanzministerin Janet Yellen erneut vor einer möglichen Finanzkrise und einer potenziellen Rezession gewarnt, sollte die US-Regierung erstmals ihre Schulden nicht bedienen können. Ihrem Ministerium zufolge könnte den USA ab dem 18. Oktober das Geld ausgehen.

Weniger Jobs in USA als erwartet

"Dieser Arbeitsmarktbericht wird den Notenbankern Kopfzerbrechen bereiten", kommentierte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners in einer ersten Einschätzung. "Die Arbeitslosenquote ist zwar mit 4,8 Prozent auf den niedrigsten Wert in der Post-Pandemie-Ära gefallen. Gleichzeitig ist der Zuwachs an neuen Stellen aber so gering wie noch nie in diesem Jahr." Im September waren außerhalb der Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten 194 000 neue Stellen geschaffen worden, Fachleute hatten mit einer halben Milliarde gerechnet.

Da für die Fed die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt als wichtiger Gradmesser gilt, kommt den September-Daten große Bedeutung zu. Dies gilt umso mehr, da die Währungshüter angesichts der Konjunkturerholung von der Corona-Krise bereits eine langsame Rückfuhr ihrer milliardenschweren Anleihekäufe angekündigt hatten. Am Markt wurde lediglich noch über den Beginn des sogenannten Taperings gerätselt. Laut Altmann bleibt die Tapering-Ampel damit auf "Gelb". Ulrich Wortberg von der Helaba sieht hingegen für die Fed "keinen Grund, die für November avisierte Drosselung der Anleihekäufe zu verschieben".

Nasdaq

Ölpreise steigen wieder und notieren knapp unter Mehrjahreshochs

Die Ölpreise haben am Freitag im frühen Handel spürbar zugelegt. Bis zu den in dieser Woche markierten mehrjährigen Höchstständen ist es nicht mehr weit. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 82,95 US-Dollar. Das war genau ein Dollar mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,10 Dollar auf 79,40 Dollar.

Brent

Haupttreiber der Rohölpreise bleibt die angespannte Versorgungslage. Sie hatte die Preise in dieser Woche auf mehrjährige Höchststände getrieben, bevor eine Korrektur einsetzte. Ausschlaggebend hierfür waren Äußerungen aus Russland, die eine hohe Gasversorgung Europas nahelegten. Die derzeit hohen Gaspreise machen sich Experten zufolge auch am Ölmarkt bemerkbar, da Erdöl in Grenzen als Gasersatz dienen kann.

Für zeitweise Belastung hatten zuletzt auch Spekulationen gesorgt, dass die USA einen Teil ihrer strategischen Erdölreserven freigeben könnten. Am Donnerstag stellte jedoch das Energieministerium klar, dass dies derzeit nicht geplant sei. Daraufhin hatten die Ölpreise spürbar angezogen.

la/dpa-afx
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