Dienstag, 25. Februar 2020

Großaktionär erhebt die Stimme Blackrock tadelt Siemens' Umweltpolitik  

Heißes Thema: Im Zusammenhang mit der Beteiligung von Siemens an einem Kohleprojekt in Australien geriet auch Großaktionär Blackrock in die Kritik.
Ralph Orlowski/REUTERS
Heißes Thema: Im Zusammenhang mit der Beteiligung von Siemens an einem Kohleprojekt in Australien geriet auch Großaktionär Blackrock in die Kritik.

In einer Kehrwende von seiner bisherigen Geschäftspolitik hatte der weltgrößte private Vermögensverwalter Blackrock bereits vor wenigen Wochen publik gemacht, bei seinen Investments künftig auf Nachhaltigkeit sowie den Kampf gegen den Klimawandel achten zu wollen. In einem öffentlichen Schreiben forderte Blackrock-Chef Larry Fink in dem Zusammenhang Politiker, Konzerne und Anleger weltweit auf, mehr gegen den Klimawandel zu tun.

Nun erhebt das Investmentunternehmen, das insgesamt rund sieben Billionen Dollar für Investoren aus aller Welt verwaltet, erstmals in einem konkreten Fall die Stimme: In einem öffentlichen Schreiben übt Blackrock als größter externer Anteilseigner zwar leise, aber dennoch hörbare Kritik am Münchener Dax-Konzern Siemens Börsen-Chart zeigen für dessen Engagement bei einem Kohleprojekt in Australien. Siemens müsse sich künftig gründlicher mit möglichen Risiken auseinandersetzen, die aus derartigen Projekten hervorgehen können, so Blackrock. Dabei gehe es auch um das Risiko-Controlling im Zusammenhang mit der Umwelt, mit sozialen Belangen sowie mit nachhaltiger Unternehmensführung ("environmental, social and governance", oder "ESG").

Siemens hatte einen für den Konzern vergleichsweise kleinen 18-Millionen-Euro-Deal mit dem indischen Industriekonzern Adani abgeschlossen, wonach die Münchener die Signaltechnik für eine Bahnstrecke liefern werden, die Teil des Adani-Kohleprojektes "Carmichael" in Australien ist. Das Geschäft hatte dem Dax-Unternehmen bereits viel Kritik von Umweltschützern eingebracht. Siemens-Chef Kaeser traf sich in dem Zusammenhang auch mit Klima-Aktivistin Luisa Neubauer von der "Fridays for Future"-Bewegung. Letztlich hatte Kaeser gemeinsam mit seinem Vorstandsteam jedoch beschlossen, trotz aller Kritik an dem Vorhaben festzuhalten.

Auch auf der Siemens-Hauptversammlung am gestrigen Mittwoch war das "Carmichael"-Geschäft des Konzerns erneut Thema Nummer eins. Siemens-Chef Kaeser und Kollegen mussten sich wiederum viel Kritik von Investoren des Unternehmens anhören.

Einen Tag später schließt sich nun also auch Blackrock diesen kritischen Stimmen an. Der US-Investor war im Zusammenhang mit dem australischen Kohleprojekte sowie der Beteiligung von Siemens daran zuvor bereits selbst zur Zielscheibe von Vorwürfen und Forderungen geworden. Kurz vor der Siemens-Hauptversammlung demonstrierten Greenpeace-Aktivisten vor der Blackrock-Niederlassung in Frankfurt. Die Umweltschützer wollten die Fondsgesellschaft dazu bewegen, in Sachen Kohleprojekt in Australien in ihrem Sinne Einfluss auf Siemens auszuüben.

Auf dem Aktionärstreffen von Siemens allerdings verhielt sich Blackrock im Wesentlichen so, wie man es von dem weltgrößten Anbieter passiv investierender Indexfonds gewöhnt ist: Das Unternehmen hielt sich in der Debatte zurück und nickte eigenen Angaben zufolge alle Vorschläge des Siemens-Managements ab.

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung