Weltgrößter Vermögensverwalter Blackrock-Fonds verlieren 17 Milliarden Dollar in Russland

Geschlossene Märkte und Sanktionen gegen Russland machen die meisten Investments in russische Wertpapiere nahezu wertlos. Nach dem norwegischen Staatsfonds hat nun mit Blackrock der weltgrößte Vermögensverwalter reagiert. Andere werden wohl folgen.
Blackrock-Chef Larry Fink hat einen Großteil der russischen Investments des weltgrößten Vermögensverwalters abgeschrieben

Blackrock-Chef Larry Fink hat einen Großteil der russischen Investments des weltgrößten Vermögensverwalters abgeschrieben

Foto: Ng Han Guan/ AP

Kunden des weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock haben Ende Januar Vermögenswerte in Höhe von rund 18,2 Milliarden Dollar in Russland gehalten. Der Großteil davon ist aufgrund der geschlossenen Märkte und der Sanktionen gegen das Land unverkäuflich geworden, sodass Blackrock sie nun weitgehend abgeschrieben hat. Die damit einhergehenden Verluste belaufen sich auf rund 17 Milliarden Dollar, berichtet die "Financial Times"  am Freitag.

Die Moskauer Börse ist seit dem 28. Februar geschlossen. Aber auch an den meisten anderen Handelsplätzen der Welt, wo russische Wertpapiere notiert sind, ist der Handel mit diesen Titeln ausgesetzt. Ende Februar habe Blackrock alle Käufe russischer Vermögenswerte gestoppt und einen Großteil der Wertpapierbestände abgeschrieben. Der Vermögensverwalter wollte weder seinen Bestand russischer Wertpapiere aufschlüsseln noch genau angeben, welche Fonds welche Verluste erlitten haben, heißt es in dem Bericht weiter.

Konzernchef-Chef Larry Fink (69) erklärte in einem Linkedin-Beitrag , Blackrock werde sich weiterhin aktiv mit Regulierungsbehörden, Indexanbietern und anderen Marktteilnehmern beraten, um sicherzustellen, "dass unsere Kunden aus ihren russischen Wertpapieren aussteigen können, wann und wo immer die Regulierungs- und Marktbedingungen dies zulassen".

Mit rund 10 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen ist Blackrock die größte Kapitalsammelstelle weltweit. Die enorme Wertvernichtung allein bei Blackrock zeichnet in Umrissen den Schaden, den die russische Invasion in der Ukraine dem gesamten Finanzsystem zugefügt hat.

Der norwegische Staatsfonds hat kürzlich den Wert seiner in Russland gehaltenen Vermögenswerte in Höhe von rund drei Milliarden Dollar nahezu komplett abgeschrieben. Der Fonds war Ende vergangenen Jahres in Russland über Aktien an 51 Unternehmen beteiligt. Weitere Geldverwalter dürften dem Beispiel von Blackrock und dem norwegischen Staatsfonds folgen und ebenfalls Milliardenbeträge auf ihre Engagements in Russland abschreiben, sagen Experten.

So wettete die Allianz-Tochter Pimco mit Credit Default Swaps (CDS) im Wert von 1,1 Milliarden Dollar gegen eine mögliche Zahlungsunfähigkeit des Landes, zugleich hielt die Tochter bis kurz vor Ausbruch des Krieges russische Staatsanleihen im Wert von umgerechnet 1,5 Milliarden Dollar.

Dreistellige Milliardenbeträge stehen im Feuer

Die Rating-Experten von Morningstar schätzen, dass sich das Engagement der 100 größten Fonds in russischen Aktien und Anleihen Ende Februar auf rund 60 Milliarden Dollar belaufen hat. Nach Angaben der US-Bank JP Morgan sollen ausländische Gläubiger zudem auf russischen Schuldverschreibungen in Höhe von 79 Milliarden Dollar sitzen. Ausländische Banken und Geldinstitute wiederum sollen nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ein Russland-Risiko von etwa 120 Milliarden Dollar tragen.

rei