Russischer Mitgründer verhaftet Kryptobörse Bitzlato wegen Geldwäscheverdacht gesperrt

Über eine Kryptoplattform sollen Hunderte Millionen Dollar gewaschen worden sein. Wichtigster Partner war wohl der einst umsatzstärkste Darknet-Marktplatz. Nun haben Ermittler die Site beschlagnahmt und den Mehrheitsaktionär festgesetzt.
Vize-Justizministerin Lisa Monaco bei der Pressekonferenz zur Bitzlato-Sperrung

Vize-Justizministerin Lisa Monaco bei der Pressekonferenz zur Bitzlato-Sperrung

Foto: JIM LO SCALZO / EPA

Das US-Justizministerium hat bekannt gegeben, dass der Mehrheitsaktionär und Mitbegründer der in Hongkong registrierten Kryptobörse Bitzlato, Anatoly Legkodymov, festgenommen worden ist. Er soll angeblich Hunderte Millionen Dollar illegale Gelder gewaschen haben. Die Website von Bitzlato wurde gesperrt, unter der Adresse erschien ein Hinweis, dass der Dienst von den französischen Behörden "als Teil einer koordinierten internationalen Strafverfolgungsaktion" beschlagnahmt wurde.

Der Mitbegründer wurde in der Nacht zum Mittwoch in Miami gefasst, wie das US-Justizministerium mitteilte . Der Mann ist den Angaben zufolge russischer Staatsbürger und lebt in China. Warum sich der 40-Jährige in den USA aufhielt, teilte das Ministerium nicht mit. Ihm wird laut der Mitteilung das Betreiben eines "nicht zugelassenen Unternehmens zur Sendung von Geld" zur Last gelegt. Darauf stehen in den USA bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Bitzlato warb nach Angaben der US-Justiz damit, von seinen Nutzern nur eine minimale Identifikation zu verlangen. Die Plattform sei so ein "Hafen für kriminelle Gewinne und zur Verwendung in kriminellen Aktivitäten vorgesehene Mittel" geworden. Nach Angaben  der Sonderermittlungsgruppe für Finanzverbrechen im US-Finanznministerium (U.S. Treasury Department's Financial Crimes Enforcement Network) steht Bitzlato auch in Zusammenhang mit illegalen russischen Finanztransaktionen. "Bitzlato stellt eine globale Bedrohung dar, da es russischen Cyberkriminellen und Ransomware-Akteuren ermöglicht, die Erlöse aus ihren Diebstählen zu waschen", sagte der amtierende Direktor der Sonderermittlungsgruppe, Himamauli Das.

Partner des einst größten Darknet-Marktplatzes

Der wichtigste Partner der Plattform bei Kryptowährungstransaktionen soll der im vergangenen April von deutschen und US-Ermittlern abgeschaltete Darknet-Marktplatz "Hydra Market" gewesen sein, der einst weltweit umsatzstärkste illegale Marktplatz im Darknet. »Hydra-Nutzer tauschten mehr als 700 Millionen Dollar in Kryptowährung über Bitzlato aus, direkt oder über Mittelsmänner«, erklärte das US-Justizministerium. Insgesamt solle Bitzlato nach Angaben der Staatsanwaltschaft seit Mai 2018 Kryptowährungen im Wert von 4,58 Milliarden Dollar verarbeitet haben, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Parallel zur Festnahme des Russen lösten die französischen Behörden in Zusammenarbeit mit der Polizeiorganisation Europol und Partnern in Spanien, Portugal und auf Zypern die digitale Infrastruktur von Bitzlato auf, wie das US-Ministerium erklärte.

Vize-Justizministerin Lisa Monaco sagte laut der Mitteilung: »Das heutige Vorgehen sendet eine klare Botschaft aus: Wer unsere Gesetze von China oder Europa aus bricht – oder unser Finanzsystem von einer Tropeninsel aus missbraucht – kann eine Antwort auf seine Verbrechen in einem Gerichtssaal in den USA erwarten.« Dass Monaco eine Tropeninsel erwähnte, schien eine Anspielung auf die Verhaftung von Sam Bankman-Fried zu sein, dem ehemaligen CEO der gescheiterten Kryptowährungsfirma FTX. Er wurde im Dezember auf den Bahamas festgenommen.

Der aktuelle Einsatz gegen Bitzlato war der erste größere der Sonderermittlungsgruppe im US-Justizministerium für Kryptowährungen (Justice Department's National Cryptocurrency Enforcement Network).

mamk/kko/Reuters/AFP

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