Börse Dax steigt auf Rekordhoch, Bitcoin knickt ein

Der Dax schließt über 16.200 Zählern und knapp unter seinem Rekordhoch. Der schwache Euro stützt. Gerüchte treiben die Aktien von Thyssenkrupp und Qiagen zweistellig in die Höhe.
Übernahmegerüchte trieben am Dienstag die Aktie von Qiagen in die Höhe

Übernahmegerüchte trieben am Dienstag die Aktie von Qiagen in die Höhe

Foto: David Ebener / picture alliance / dpa

Ein schwacher Euro und Entspannungssignale zwischen den USA und China haben den Dax  am Dienstag erstmals über die Marke von 16.200 Punkten getrieben. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer ging 0,61 Prozent höher bei 16.247,86 Punkten aus dem Handel, das Tageshoch und damit das neue Rekordhoch markierte der Index bei 16.266 Punkten. Stützend wirkten dabei auch robuste Wirtschaftsdaten aus den USA mit den dort vermeldeten Einzelhandelsumsätzen. Der MDax  konnte mit dem Dax allerdings nicht ganz Schritt halten, indem er 0,25 Prozent auf 36.200,33 Zähler gewann. Der Index der mittelgroßen Börsentitel muss wie auch der Kleinwerte-Index SDax auf erneute Bestmarken noch warten.

Dax

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  festigte den höchsten Stand seit 2008 mit einem Anstieg um 0,35 Prozent. Angesichts von Kursgewinnen in Paris war die Londoner Börse mit einem Minus von 0,3 Prozent allerdings eine schwächere Ausnahme. An der New Yorker Wall Street lagen der US-Leitindex Dow Jones und der S&P 500  zum europäischen Handelsschluss mit jeweils knapp einem halben Prozent im Plus. An der Technologiebörse kletterte der Nasdaq 100 um 0,66 Prozent auf 16.293 Zähler.

Nasdaq

"Die Börsianer scheinen sich im Moment nur eine Frage zu stellen: Wie hoch kann der Dax fliegen?", kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Extrem wenige seien derzeit dazu bereit, die Jahresendrally zu verlassen und Gewinne mitzunehmen. "Die Masse ist fest davon überzeugt, dass diese Party noch nicht am Höhepunkt angelangt ist", betonte der Experte. Allerdings gebe es auch Indikatoren, die zur Vorsicht mahnten. Er verwies dabei zum Beispiel auf eine abnehmende Kaufbereitschaft an starken Börsentagen.

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Der Euro  fiel zeitweise auf 1,1352 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Juli 2020. Zuletzt wurde er mit 1,1371 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,1444 Dollar festgesetzt. Die Talfahrt des Euro galt unter Börsianern als hilfreich für deutsche Exporte, die damit auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger werden können. Außerdem verlief ein Video-Gipfel von US-Präsident Joe Biden und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping erfreulich. Laut dem QC-Partners-Experten Altmann sind abnehmende Spannungen zwischen den beiden Supermächten auch für die Weltwirtschaft eine gute Nachricht.

Übernahmegerüchte treiben Qiagen-Aktie an

Angetrieben von erneuter Übernahmefantasie sprangen die Qiagen-Aktien im Dax erstmals seit dem Jahr 2000 wieder über die 50-Euro-Marke. Am Ende legten sie noch um 4,3 Prozent auf 49 Euro zu. Marktteilnehmer verwiesen auf einen Bericht des Researchdienstes Betaville über ein mögliches neues Übernahmeangebot für das Gendiagnostik- und Biotechunternehmen. Das Unternehmen steht seit längerer Zeit im Fokus von Interessenten. Andreas Lipkow von der Comdirect wiederum sieht den Diagnostikspezialisten derzeit auch von der vierten Coronawelle und den damit einher gehenden Testbemühungen zur Eindämmung gestützt.

ThyssenKrupp und Vantage Towers gefragt

Die Aktien von Thyssenkrupp schossen im MDax um rund 12 Prozent nach oben und damit auf den höchsten Stand seit Mitte Juni. Bloomberg hatte zuvor berichtet, dass der Konzern die Pläne für einen möglichen Börsengang des Wasserstoffgeschäfts vorantreibe. Dabei könnte das Geschäft mit bis zu fünf Milliarden Euro bewertet werden, hieß es. Mehrere Analysten zeigten sich von diesem Betrag positiv überrascht.

Ferner ging es im MDax für die Aktien des Funkturm-Betreibers Vantage Towers um 2,6 Prozent nach oben. Hier wurde angesichts der Zahlen von Vodafone auf eine erfreuliche Geschäftsentwicklung des britischen Mutterkonzerns verwiesen.

Im Dax verbuchte Continental mit einem Plus von 3,1 Prozent klare Kursgewinne. Börsianern zufolge wird das Stimmungsbild der Anleger bei Autozulieferern derzeit wieder positiver wegen erster Anzeichen, dass die Lieferkettenprobleme in der Automobilindustrie nachließen. Auch Siemens sorgte mit einem Anstieg um 2,4 Prozent für Aufmerksamkeit: Nach wenigen Tagen Pause setzte sich die Rekordrally hier mit dem erstmaligen Anstieg über die Marke von 153 Euro fort.

Bitcoin bricht ein

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin ist in der Nacht auf Dienstag zeitweise um 9 Prozent eingebrochen. Am Dienstagabend notierte sie bei rund 60.700 US-Dollar, nachdem sie am Vorabend noch bei rund 65.000 US-Dollar notiert hatte. Auch bei Ethereum geht es zeitweise fast sieben Prozent bergab auf 4256 Dollar. Beide Kryptowährungen waren in den vergangenen Wochen von Rekord zu Rekord geeilt, unter anderem weil Anleger die Cyberdevisen als Inflationsschutz ansteuerten. Seit Juni hat sich der Wert eines Bitcoins verdoppelt. Nun nehmen Anleger Gewinne mit.

Bitcoin

Ölpreise legen leicht zu

Die Ölpreise haben am Dienstag etwas zugelegt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  82,48 US-Dollar. Das waren 48 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 19 Cent auf 81,04 Dollar.

Marktbeobachter begründeten die jüngsten Preisaufschläge mit dem Stillhalten der USA in dem derzeitigen Umfeld hoher Erdölpreise. Schon seit Tagen spekulieren die Märkte, ob die US-Regierung einen Teil ihrer strategischen Rohölreserve freigibt. Hintergrund ist, dass sich die Ölpreise gegenwärtig in der Nähe mehrjähriger Höchststände bewegen. In den USA kostet Benzin so viel wie seit etwa sieben Jahren nicht mehr.

Brent

Dass der mächtige Ölverbund Opec+ seine Förderung stärker ausweitet, ist bislang nicht absehbar. In den vergangenen Tagen haben sich gleich mehrere Opec-Staaten abweisend geäußert. Seit Sommer steigern die 23 Förderländer, darunter die Ölriesen Saudi-Arabien und Russland, ihre Produktion schrittweise um 400 000 Barrel je Monat. Große Verbrauchsländer wie die USA und Japan fordern eine stärkere Ausweitung.

Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur IEA könnte sich die Lage an den Ölmärkten aber etwas entspannen. Der Interessenverband der Industriestaaten verweist in seinem Monatsbericht auf die gestiegene Ölförderung in den USA. Allerdings wachse auch die Nachfrage nach wie vor kräftig. "Der Ölmarkt bleibt in jeder Hinsicht angespannt, aber eine Pause von der Preisrally könnte sich abzeichnen", heißt es in dem Bericht.

Mit Nachrichtenagenturen
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