Kursrutsch der Kryptowährung Bitcoin stürzt um 10.000 US-Dollar binnen weniger Stunden

Rückschlag für den Bitcoin: Die Kryptowährung ist seit ihrem Rekordhoch um rund 10.000 US-Dollar abgestürzt und droht unter die Marke von 30.000 Dollar zu fallen. Nicht nur ein steigender Dollar sorgt für Gewinnmitnahmen.
Bitcoin: Die Kryptowährung ist von dem Rekordhoch von 42.000 US-Dollar auf ein Wochentief unter 31.000 US-Dollar gestürzt. Gewinnmitnahmen belasten

Bitcoin: Die Kryptowährung ist von dem Rekordhoch von 42.000 US-Dollar auf ein Wochentief unter 31.000 US-Dollar gestürzt. Gewinnmitnahmen belasten

Foto: Jens Kalaene/ dpa

Die Rekordjagd der Digitalwährung Bitcoin hat einen herben Dämpfer erhalten. Der Kurs der Kryptowährung fiel in der Nacht auf Montag auf der Luxemburger Handelsplattform Bitstamp  unter die Marke von 33.000 US-Dollar zurück. Am Montag Nachmittag baute Bitcoin seine Verluste weiter aus und fiel zeitweise bis auf 30.250 US-Dollar. Damit hat die Kryptowährung binnen weniger Stunden rund 10.000 US-Dollar an Wert eingebüßt. Am Sonnabend hatte Bitcoin noch ein Rekordhoch von 42.100 US-Dollar markiert. Infolge des Kursrutsches von Bitcoin fiel das gesamte Marktvolumen aller derzeit rund 8225 Digitalwährungen wieder unter die Marke von einer Billion Dollar. Vergangene Woche war die Marke erstmals übertroffen worden.

Der Bitcoin-Kursrutsch um rund 30 Prozent sorgte dafür, dass die Kryptowährung nach ihrem steilen Höhenflug zeitweise auf den tiefsten Stand seit einer Woche fiel. Neben dem steigenden Dollar wirken nach Ansicht von Marktbeobachtern auch die wieder steigenden Renditen von US-Staatsanleihen als Anlass, um Gewinne beim Bitcoin mitzunehmen und zu verkaufen. Die Krisenwährung Gold hatte ebenfalls mit Verlusten auf den jüngsten Anstieg des Dollar reagiert - jedoch fielen die Verluste bei Gold deutlich kleiner aus.

Die US-Investmentbank J.P. Morgan hatte erst in der ersten Januarwoche ein Kursziel von rund 150.000 US-Dollar für Bitcoin ausgerufen und damit den Hype um die Cyberdevise weiter befeuert. Doch die Preisobergrenze von Bitcoin ist begrenzt - zu den limitierenden Faktoren zählt auch der extrem hohe Energieverbrauch des Bitcoin-Minings. Der Bitcoin-Boom ist von deutlichen Kursausschlägen begleitet, aber nach Ansicht von Marktbeobachtern trotz des jüngsten Rücksetzers ungebrochen .

Starke Kursausschläge vor allem an Wochenenden

Bemerkenswert ist auch, dass Bitcoin die größten Kursausschläge in jüngster Zeit vor allem über die Wochenenden verzeichnet. Während des ersten Wochenendes nach Weihnachten sowie an den ersten beiden Wochenenen des Jahres 2021 hatte Bitcoin jeweils noch zweistellig zugelegt - um nun, wiederum in der Nacht von Sonntag auf Montag, um mehr als 10 Prozent nachzugeben. Zugleich ist das Handelsvolumen an den Wochenenden auch deutlich größer als werktags, wie Analysen des Dienstes CryptoCompare zeigen. Wer bei Bitcoin mitspekulieren will, muss dies künftig wohl an 7 Tagen in der Woche tun - zu stark sind die Aktivitäten professioneller Händler an den Wochenenden.

Seit März Wert verzehnfacht

Der jüngste Höhenflug des Bitcoin sucht dennoch seinesgleichen. Im März vergangenen Jahres war Bitcoin zeitweise unter die Marke von 4000 Dollar gefallen - und hat sich seit diesem Corona-Tief mehr als verzehnfacht.

Allein seit Mitte Dezember, also in gerade mal gut drei Wochen, hat sich der Kurs trotz des jüngsten Rücksetzers fast verdoppelt. Auf Jahressicht beläuft sich das Plus auf mehr als 300 Prozent. Derart drastische Kurssteigerungen hat derzeit so gut wie keine andere Anlageform zu bieten. Kritiker warnen jedoch vor Übertreibungen und einer Blase, da derart extreme Kursanstiege selten nachhaltig seien. Der Bitcoin ist die älteste und mit Abstand bekannteste Digitalwährung. Zuletzt hatten Experten die Marktkapitalisierung auf etwa 560 Milliarden Dollar geschätzt.

Für den jüngsten Höhenflug wird am Markt aber immer wieder angeführt, dass die Digitalwährung zuletzt stärker in den Fokus großer Finanzinvestoren gerückt sei und stärker nachgefragt werde. Experten warnen allerdings auch vor den extremen Kursschwankungen, die immer wieder beim Bitcoin zu beobachten sind. Der Wert der Kryptowährung hat sich im abgelaufenen Jahr 2020 mehr als vervierfacht.

Zweifel an Dollar und Euro - bietet Bitcoin einen Schutz vor Inflation?

Beflügelt wird der Bitcoin auch dadurch, dass sich immer mehr professionelle Anleger für Kryptowährungen interessieren. Das Interesse von Profi-Anlegern gilt häufig als längerfristig, was den sehr schwankungsanfälligen Bitcoin-Kurs verstetigen könnte. Gesteigert wird das Interesse an Digitalwährungen auch durch die Corona-Pandemie und die mit ihr einhergehende stark steigende Staatsverschuldung. Einige Anleger fürchten deswegen eine mittel- bis längerfristig steigende Inflation, wogegen sie sich mit alternativen Anlagen absichern wollen.

Die Corona-Pandemie und die zahlreichen Rettungsprogramme der weltweiten Notenbanken sorgen für eine Geldflut und stärken damit ebenfalls das Interesse an der Alternativ-Währung Bitcoin: Aufgrund der extrem lockeren Geldpolitik vieler Notenbanken und der immensen Staatshilfen dürften sich einige Anleger in ihrer kritischen Haltung gegenüber traditionellen Währungen bestätigt sehen. Ob die neuartigen Digitalwährungen einen nachhaltigen Schutz gegen hohe Inflationsraten bieten, ist aufgrund ihrer hohen Kursschwankungen zwar zweifelhaft.

Immerhin hat Bitcoin jedoch eine Art Inflationsschutz eingebaut: Die Menge an Bitcoin, die durch das Bereitstellen von Rechenleistung in der Blockchain "geschürft" werden kann, ist von vorneherein auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Die digitale Währung hat damit in Ihrem Code eine fixe Obergrenze von 21 Millionen Einheiten und durch das "Halving" eine mathematisch vorbestimmte Geldpolitik festgelegt: In diesem Punkt besteht ein wesentlicher Unterschied zu Währungen wie Euro oder Dollar, die in theoretisch unendlicher Menge gedruckt werden können.

la/mmo
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