Kurssturz der Kryptowährung Bitcoin-Kurs stürzt erneut ab - neuer Schlag aus China

Die Kryptowährung Bitcoin bricht ihren Erholungsversuch ab und stürzt unter die Marke von 36.000 US-Dollar. Für Verkaufsdruck sorgen neue Äußerungen aus Peking zum Thema Krypto-Mining.
Bitcoin unter Druck: Seit dem Höchststand Mitte April bei rund 65.000 US-Dollar hat Bitcoin um rund 40 Prozent nachgegeben

Bitcoin unter Druck: Seit dem Höchststand Mitte April bei rund 65.000 US-Dollar hat Bitcoin um rund 40 Prozent nachgegeben

Foto: Karen Bleier / AFP

Erneute Verkäufe: Die Kryptowährung Bitcoin hat ihren Erholungsversuch abgebrochen und ist erneut deutlich unter die Marke von 40.000 US-Dollar gefallen. Die weltweit wichtigste Cyber-Devise baute zuletzt ihre Verluste aus und fiel bis Samstag Morgen zeitweise unter die Marke von 36.000 US-Dollar. Am Mittwoch war Bitcoin auf der Handelsplattform Bitstamp  zeitweise bis auf 32.000 US-Dollar abgestürzt, hatte sich am Donnerstag dann aber wieder erholt. Sollte die psychologisch wichtige runde Marke von 40.000 US-Dollar über das Wochenende nicht zurückerobert werden, droht ein erneuter Abverkauf und der erste Monatsverlust von Bitcoin seit mehr als 2 Jahren.

Für den erneuten Verkaufsdruck sorgten am Freitag Nachrichten aus China: Peking werde das Ausmaß des Bitcoin-Minings sowie sämtliche Handelsaktivitäten mit der Kryptowährung herunterfahren und streng kontrollieren, teilte das Komitee für Finanzstabilität am Freitag mit. Es gehe darum, Risiken am Finanzmarkt abzuwenden. Man werde auf illegale, nicht genehmigte Mining-Aktivitäten mit strengen Maßnahmen reagieren, hieß es aus dem Komitee, das von Chinas Vizepremier Liu He geführt wird.

Liu He sagte, die Regierung werde gegen die Mining- und Handelsaktivitäten der virtuellen Währung vorgehen. Illegale Wertpapiergeschäfte würden unterbunden und die Stabilität der Aktien-, Anleihen- und Devisenmärkte werde aufrechterhalten. Liu ist der hochrangigste chinesische Beamte, der öffentlich ein Vorgehen gegen Bitcoin anordnet, und es ist das erste Mal, dass der Staatsrat explizit den Krypto-Sektor im Visier hat. Chinas staatlicher Sender CCTV warnte am Freitag in einem Kommentar auf seiner Website vor "systemischen Risiken" des Kryptowährungshandels. Bitcoin war wegen der harschen Töne aus Peking zur Wochenmitte bereits auf ein Vier-Monats-Tief von 32.000 Dollar eingebrochen und steuert nun auf einen Wochenverlust von 24 Prozent zu. China hatte Finanzinstituten untersagt, Dienstleistungen im Zusammenhang mit Kryptowährungen anzubieten. Viele der neuen Regelungen erweiterten frühere Beschränkungen und schlossen Schlupflöcher. Da der Markt weltweit noch kaum reguliert ist, fürchten Investoren, dass weitere Länder nachziehen könnten. Bitcoin kann rund um die Uhr gehandelt werden und zieht viele private Spekulanten an, was große Kursschwankungen begünstigt - vor allem am Wochenende.

Bitcoin BTC

Knapp 10.000 Digitalwerte am Markt

Die abgelaufene Woche war eine denkwürdige für Bitcoin und die übrigen rund 9900 Digitalwerte. Am Mittwoch waren die Kurse vieler Kryptowährungen so stark wie selten zuvor abgestürzt. Innerhalb weniger Stunden wurden mehrere hundert Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung vernichtet. Das Rekordhoch, erreicht Mitte April zum Börsengang der Kryptowährung Coinbase bei knapp 65.000 Dollar, ist außer Reichweite. Ether notierte zuletzt bei rund 2700 Dollar. Das Rekordhoch, ebenfalls erst vor wenigen Wochen erreicht, beträgt mehr als 4000 Dollar.

China, Steuerpläne und Elon Musk bewegen den Markt

Es sind vor allem drei Parteien, die den Kryptomarkt zuletzt bewegt haben: Elon Musk, China und die US-Regierung. Zunächst hatte Tesla-Chef, Multimilliardär und Krypto-Befürworter Musk den Markt in Aufregung versetzt. Erst revidierte er den Bitcoin-freundlichen Kurs des Elektroautobauers Tesla, dann schien er anzudeuten, dass sich dieser von seinen Bitcoin-Beständen trennen könnte. Musk dementierte letzteres schnell, der Schaden aber war angerichtet.

Der dritte Belastungsfaktor neben Peking und den Musk-Tweets kam aus den USA. Am Donnerstagabend gab das US-Finanzministerium bekannt, dass es zwecks Steuerehrlichkeit eine Anzeigepflicht für Krypto-Transaktionen von mehr als 10 000 US-Dollar in Erwägung ziehe. Sollte das Vorhaben umgesetzt werden, wäre dies ein Schlag gegen die von Krypto-Fans so geschätzte Anonymität von Transaktionen in ihren Lieblingsassets.

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NFT-Fans bleiben gelassen

Der jüngste Kurskollaps von Bitcoin, Ethereum & Co bescherte den Besitzern sogenannter NFTs zwar herbe Buchverluste. Die Fans dieser "Non-fungible Token", einer Art Eigentumsnachweis für digitale Objekte, lassen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Sie halten an ihren Sammlerstücken fest. "Leute, die Tausende für NFTs ausgegeben haben, werden sie nicht mit einem Abschlag von 50 Prozent verkaufen", sagt ein NFT-Sammler mit dem Pseudonym "Pranksy". "Viele sehen sie als eine Wertanlage." Das sei vergleichbar mit traditioneller Kunst, deren Preise unabhängig von der Entwicklung an der Wall Street seien. Mit NFTs lassen sich digitale Objekte wie Bilder, Videos oder auch Grundstücke in virtuellen Welten als Originale kennzeichnen und zu Sammlerstücken machen. So können sich beispielsweise Fans Videoclips von spektakulären Aktionen ihrer Sportidole sichern. Künstlern eröffnet diese Technologie, die auf der von Kryptowährungen bekannten Blockchain basiert, neue Möglichkeiten zur Vermarktung ihrer Bilder, Videos oder Musikstücke.

Kryptowerte von mehr als einer Billion Dollar verbrannt

Mit den wachsenden Verlusten in Zeiten steigender Inflation droht der Bitcoin auch seinen Ruf zu verlieren, als möglicher Inflationsschutz zu dienen. Der Marktwert der derzeit rund 9900 Digitalwerte war am Mittwoch bis auf 1,35 Billionen Dollar eingebrochen. Noch vor einer Woche war ein Rekordwert von 2,5 Billionen Dollar markiert worden. Mit anderen Worten: Innerhalb von nur einer Woche sind Werte von mehr als einer Billion Dollar verbrannt worden.

Im März hatten bereits Steuerpläne der USA die Kryptowährung stark unter Druck gesetzt. US-Präsident Joe Biden (78) plant, die Kapitalertragssteuern in etwa zu verdoppeln. Börsianer befürchten, dass dies die Attraktivität von Kryptowährungen als Geldanlage schmälert. In Deutschland ist die Besteuerung von Kryptogewinnen juristisch umstritten . Das Bundesfinanzministerium kündigte dem manager magazin  eine baldige Klarstellung gegenüber den Finanzämtern an.

Auch die jüngsten Tweets von Tesla-Chef Elon Musk (49) trugen zum Kursrutsch bei Bitcoin und Co. bei. Tesla hatte im Januar für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoin gekauft. Im jüngsten Geschäftsquartal hatte das Unternehmen für fast 300 Millionen Dollar seiner zuvor gekauften Bitcoins wieder verkauft und daran nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Dollar verdient. Zuletzt heizte der Tesla-Chef selbst Gerüchte an, das Unternehmen habe erneut Bitcoin verkauft. Zuvor hatte das Unternehmen erklärt, Tesla werde den Handel mit Bitcoin aussetzen, auch könnten Kunden ihr Auto nicht mehr mit Bitcoin bezahlen. Begründet wurde dies mit dem Energieverbrauch beim Schürfen von Bitcoin.

la/DPA
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