Kursrutsch nach Rekordjagd Bitcoin fällt um mehr als 10 Prozent

Nach seiner Rekordjagd vom Wochenende gibt Bitcoin wieder deutlich nach. Anleger nehmen Gewinne mit. Die Kryptowährung fällt um mehr als 10 Prozent.
Bitcoin: Kursrutsch nach Rekordrally

Bitcoin: Kursrutsch nach Rekordrally

Foto: Rick Bowmer/ AP/dpa

Der Bitcoin-Höhenflug ist am Montag jäh unterbrochen worden. Nach dem Rekord von knapp 58.000 US-Dollar am Sonntag gab die Kryptowährung zu Wochenbeginn wieder deutlich nach und fiel zeitweise unter die Marke von 50.000 US-Dollar zurück. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte Bitcoin zuletzt bei 50.350 US-Dollar - ein Verlust von mehr als 15 Prozent binnen weniger Stunden. Am Sonntag war die gesamte Marktkapitalisierung von Bitcoin auf mehr als eine Billion Dollar gestiegen, doch nun setzen vermehrt Gewinnmitnahmen ein.

Der Ether-Kurs fiel am Montag ebenfalls deutlich zurück. Nachdem am Wochenende erstmals die Marke von 2000 Dollar überschritten worden war, kostete ein Ether zu Wochenbeginn 1750 Dollar. Der Marktwert aller rund 8500 Digitalwährungen ging von 1,76 Billionen Dollar am Wochenende auf etwa 1,63 Billionen Dollar zurück.

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Tesla-Chef Elon Musk, der bereits im Januar 1,5 Milliarden Dollar Firmengeld in Bitcoin investiert hat, hatte die Nachfrage am Freitag mit einem weiteren Tweet angeheizt: Wenn herkömmliche Währungen wie Dollar oder Euro mit negativen Zinsen belegt seien, würde sich "nur ein Narr nicht nach Alternativen umschauen", schrieb Musk. Der Bitcoin-Kurs legte daraufhin weiter zu und erreichte ein Rekordhoch von knapp 58.000 US-Dollar. Zwei Tage zuvor hatten andere Bitcoin-Pusher wie Microstrategy-Chef Michael Saylor bestätigt, weiterhin auf Pump im großen Stil in Bitcoin zu investieren. Die Zulassung eines Bitcoin-ETF in Kanada nährt außerdem die Hoffnung vieler Investoren, dass ein solcher börsennotierter Fonds demnächst auch in den USA startet. In Europa wird ein solcher Bitcoin-ETF  bislang von der Schweizer Bank Vontobel angeboten.

Der Bitcoin befindet sich seit Wochen und Monaten im Höhenflug, der sich zuletzt noch einmal beschleunigte. So hatte der Bitcoin an Weihnachten noch rund 25.000 Dollar gekostet. Im Spätsommer lag der Kurs noch bei rund 10.000 Dollar.

Der US-Elektroautobauer Tesla beabsichtigt, die Digitalwährung künftig als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Musk selbst wiederum machte immer wieder via Twitter auf die Digitalwährung aufmerksam. Teslas Engagement weckt die Hoffnung, dass auch andere Unternehmen folgen könnten, was die Akzeptanz des Bitcoin steigern würde. So scheint auch das Kreditkartenunternehmen Mastercard dem Kryptogeld nicht mehr abgeneigt. Raj Dhamodharan, zuständig bei Mastercard für digitale Vermögenswerte, hatte vergangene Woche in einem Blog geschrieben, dass der Konzern Transaktionen mit ausgesuchten Kryptowährungen erlauben wolle. Darüber hinaus stehe man in engem Kontakt mit Zentralbanken, die an eigenen Digitalwährungen arbeiten.

Und auch immer mehr professionelle Investoren schielen auf die Digitalwährung. So war am Wochenende durchgesickert, dass die US-Bank Morgan Stanley erwäge, über ihre Investmentgesellschaft den Bitcoin auf die Liste möglicher Investments zu setzen. Auch wenn viele Banken weiterhin zögern, sich mit Bitcoin zu beschäftigen, könnten Meldungen wie in der vergangenen Woche immer mehr Finanzdienstleister zu einer schnelleren Einführung und Nutzung von digitalen Vermögenswerten anspornen, glaubt Patrick Campos, Strategiechef bei Securrency, einem Entwickler von Blockchain-basierter Finanztechnologie. Insbesondere die - nicht unumstrittene - Ankündigung von Tesla könnte andere große Unternehmen und Institutionen dazu ermutigen, Kryptowährungen "nicht nur als eine würdige, sondern vielleicht sogar als eine wesentliche Anlageklasse zu akzeptieren", zitierte Bloomberg  am Sonntag den Experten.

Die wichtigsten Kryptowährungen der Welt

Befeuert wird der Krypto-Währungs-Boom aber auch nicht zuletzt durch die Geldschwemme der Zentralbanken und wichtiger Industriestaaten. In der Corona-Krise haben die Notenbanken ihre ohnehin schon lockere Geldpolitik noch wesentlich großzügiger ausgestaltet. Die Staaten stützen Verbraucher und Unternehmen durch hohe Ausgaben, was die staatliche Schuldenlast stark steigen lässt. Aus dieser Entwicklung könnte eine erhöhte Inflation resultieren, die traditionelle Währungen entwerten würde. Einige Anleger fragen daher verstärkt alternative Anlagen wie Digitalwährungen nach.

mit Agenturen