Kryptowährungen mit Kursrallye Bitcoin steigt nahe 40.000 US-Dollar, Dogecoin springt nach Musk-Tweets

Die Kryptowährung Bitcoin erholt sich weiter und nimmt ihr Rekordhoch jenseits der 40.000 US-Dollar in den Blick. Noch stärker steigt die Kryptowährung Ether. Dogecoin profitiert kräftig von Elon Musks Tweets.
Bitcoin: Die Kryptowährung nimmt wieder die Marke von 40.000 US-Dollar in den Blick

Bitcoin: Die Kryptowährung nimmt wieder die Marke von 40.000 US-Dollar in den Blick

Foto: JIM URQUHART/ REUTERS

Erneute Kaufwelle am Markt für Kryptowährungen: Die Digitalwährung Bitcoin hat unter starken Schwankungen am Donnerstag seine Aufholjagd fortgesetzt und ist bis auf knapp 39.000 US-Dollar gestiegen. Damit rückt die runde Marke von 40.000 US-Dollar wieder in den Blick. In der Vorwoche war Bitcoin zeitweise noch unter 30.000 US-Dollar gestürzt. Auf der Luxemburger Handelsplattform Bitstamp  notierte sie zuletzt bei 38.900 US-Dollar. Anfang Januar hatte die Kryptowährung noch ein Rekordhoch von knapp 42.000 Dollar erreicht.

Noch stärker waren die Kursgewinne bei dem "kleinen Bruder" von Bitcoin, der Kryptowährung Ethereum. Ether erreichte am Donnerstag ein Rekordhoch von rund 1700 US-Dollar. In der kommenden Woche sollen an der Terminbörse in Chicago Ether-Futures gehandelt werden, dies stützte die Währung. Zudem steigen zahlreiche Bitcoin-Anleger auf Ether um oder ergänzen damit ihr Krypto-Portfolio.

Ausgerechnet der reichste Mann der Welt, Tesla-Chef Elon Musk, hatte in der vergangenen Woche mit einem Tweet das Interesse an Bitcoin neu entfacht. Die Kryptowährung stieg am Freitag binnen Minuten um rund 20 Prozent, nachdem Musk in seiner Twitter-Biografie schlicht "#bitcoin" gepostet hatte.

Aktuell pusht Musk die Kryptowährung Dogecoin in mehreren Tweets, etwa in diesem hier:

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Musks Unterstützung hat den Wert von Dogecoin heute um bis zu 50 Prozent in die Höhe getrieben. Musks Tweets über bestimmte Währungen und Firmen - inklusive Gamestop - haben deren Preise in den vergangenen Wochen stark steigen lassen.

Ob diese Werbung der Kryptowährung einen nachhaltigen Kursschub beschere oder nur ein Strohfeuer auslöse, sei unklar, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Marktbeobachtern zufolge könnte das erneute Interesse an Bitcoin auch mit dem Duell zwischen Flashmob-Tradern und Hedgefonds zu tun haben: Vor einigen Tagen hatte Musk mit einer Verlinkung auf ein Anleger-Forum im Internet den Börsen-Hype um den US-Videospielehändler Gamestop mit befeuert. Dort hatten konzertierte Käufe von Kleinanlegern Hedgefonds gezwungen, Wetten auf einen Kursverfall der Titel aufzulösen. Dies trieb einige Fonds an den Rand des Ruins.

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Die Auseinandersetzung zwischen Privatanlegern, die nach der "Pump and Dump" Methode sich zum Kauf bestimmter Aktien verabreden, und US-Hedgefonds hat in den USA inzwischen auch eine politische Dimension erreicht: Privatanleger werfen Handelshäusern vor, stets im Interesse der Wall Street zu handeln. Ein Aufstand gegen "Big Money" und die Macht der großen US-Geldhäuser an der Wall Street könnte mittelfristig Bitcoin und andere Kryptowährungen stützen - gelten sie dennoch als Alternative zum etablierten Finanzsystem.

Zuletzt hatte die neue US-Finanzministerin Janet Yellen die Skepsis gegenüber Bitcoin verstärkt. Während einer Anhörung im Senat am Dienstag äußerte Janet Yellen (74) Bedenken, dass Kryptowährungen zur Finanzierung illegaler Aktivitäten verwendet werden könnten. Ein weiterer Verkaufsgrund war Börsianern zufolge die Warnung des Research-Hauses BitMex, einige Bitcoin könnten zwei Mal ausgegeben worden sein. Diese Bedenken wurden allerdings kurz darauf zerstreut.

Bitcoin-Händler Coinbase will per Direktplatzierung an die Börse

Die größte US-Handelsplattform für Krypto-Währungen wie Bitcoin, Coinbase, konkretisiert unterdessen ihre Pläne für einen Börsengang. Das in San Francisco ansässige Unternehmen kündigte am Donnerstag (Ortszeit) an, seine Aktien über eine Direktplatzierung in den Handel zu bringen. Dabei werden die Papiere ohne Begleitung durch Investmentbanken und ein vorheriges Preisbildungsverfahren direkt an der Börse gelistet. Mit dieser eher ungewöhnlichen, aber kostengünstigeren Variante waren zuvor schon andere größere Firmen wie der Musikdienst Spotify oder die Bürochat-App Slack erfolgreich.

Coinbase hatte bereits Mitte Dezember einen Antrag für eine Aktiennotiz bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und damit die Weichen für die erste Premiere einer großen US-Bitcoin-Börse am öffentlichen Kapitalmarkt gestellt. Wann genau es so weit sein soll und wie viel Geld Coinbase erlösen will, ist allerdings noch unklar. Dem Tech-Blog «"Techcrunch" zufolge wurde das 2012 gegründete Unternehmen bei einer Finanzierungsrunde von Investoren vor gut zwei Jahren mit rund acht Milliarden Dollar bewertet.

Die US-Investmentbank J.P. Morgan hatte erst in der ersten Januarwoche ein Kursziel von rund 150.000 US-Dollar für Bitcoin ausgerufen und damit den Hype um die Cyberdevise weiter befeuert. Doch die Preisobergrenze von Bitcoin ist begrenzt - zu den limitierenden Faktoren zählt auch der extrem hohe Energieverbrauch des Bitcoin-Minings. Der Bitcoin-Boom ist von deutlichen Kursausschlägen begleitet, aber nach Ansicht von Marktbeobachtern trotz des jüngsten Rücksetzers ungebrochen .

Starke Kursausschläge vor allem an Wochenenden

Bemerkenswert ist auch, dass Bitcoin die größten Kursausschläge in jüngster Zeit vor allem über die Wochenenden verzeichnet. Auf Anleger kommt nach dem Kursrutsch am Freitag nun ein unruhiges Wochenende zu. Während des ersten Wochenendes nach Weihnachten sowie an den ersten beiden Wochenenen des Jahres 2021 hatte Bitcoin jeweils noch zweistellig zugelegt - um nun, wiederum in der Nacht von Sonntag auf Montag, um mehr als 10 Prozent nachzugeben.

Zugleich ist das Handelsvolumen an den Wochenenden auch deutlich größer als werktags, wie Analysen des Dienstes CryptoCompare zeigen. Wer bei Bitcoin mitspekulieren will, muss dies künftig wohl an 7 Tagen in der Woche tun - zu stark sind die Aktivitäten professioneller Händler an den Wochenenden.

Seit März Wert verzehnfacht

Der jüngste Höhenflug des Bitcoin sucht dennoch seinesgleichen. Im März vergangenen Jahres war Bitcoin zeitweise unter die Marke von 4000 Dollar gefallen - und hat sich seit diesem Corona-Tief mehr als verzehnfacht.

Allein seit Mitte Dezember, also in gerade mal gut drei Wochen, hat sich der Kurs trotz des jüngsten Rücksetzers fast verdoppelt. Auf Jahressicht beläuft sich das Plus auf mehr als 300 Prozent. Derart drastische Kurssteigerungen hat derzeit so gut wie keine andere Anlageform zu bieten. Kritiker warnen jedoch vor Übertreibungen und einer Blase, da derart extreme Kursanstiege selten nachhaltig seien. Der Bitcoin ist die älteste und mit Abstand bekannteste Digitalwährung. Zuletzt hatten Experten die Marktkapitalisierung auf etwa 560 Milliarden Dollar geschätzt.

Für den jüngsten Höhenflug wird am Markt aber immer wieder angeführt, dass die Digitalwährung zuletzt stärker in den Fokus großer Finanzinvestoren gerückt sei und stärker nachgefragt werde. Experten warnen allerdings auch vor den extremen Kursschwankungen, die immer wieder beim Bitcoin zu beobachten sind. Der Wert der Kryptowährung hat sich im abgelaufenen Jahr 2020 mehr als vervierfacht.

Zweifel an Dollar und Euro - bietet Bitcoin einen Schutz vor Inflation?

Beflügelt wird der Bitcoin auch dadurch, dass sich immer mehr professionelle Anleger für Kryptowährungen interessieren. Das Interesse von Profi-Anlegern gilt häufig als längerfristig, was den sehr schwankungsanfälligen Bitcoin-Kurs verstetigen könnte. Gesteigert wird das Interesse an Digitalwährungen auch durch die Corona-Pandemie und die mit ihr einhergehende stark steigende Staatsverschuldung. Einige Anleger fürchten deswegen eine mittel- bis längerfristig steigende Inflation, wogegen sie sich mit alternativen Anlagen absichern wollen.

Die Corona-Pandemie und die zahlreichen Rettungsprogramme der weltweiten Notenbanken sorgen für eine Geldflut und stärken damit ebenfalls das Interesse an der Alternativ-Währung Bitcoin: Aufgrund der extrem lockeren Geldpolitik vieler Notenbanken und der immensen Staatshilfen dürften sich einige Anleger in ihrer kritischen Haltung gegenüber traditionellen Währungen bestätigt sehen. Ob die neuartigen Digitalwährungen einen nachhaltigen Schutz gegen hohe Inflationsraten bieten, ist aufgrund ihrer hohen Kursschwankungen zwar zweifelhaft.

Immerhin hat Bitcoin jedoch eine Art Inflationsschutz eingebaut: Die Menge an Bitcoin, die durch das Bereitstellen von Rechenleistung in der Blockchain "geschürft" werden kann, ist von vorneherein auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Die digitale Währung hat damit in Ihrem Code eine fixe Obergrenze von 21 Millionen Einheiten und durch das "Halving" eine mathematisch vorbestimmte Geldpolitik festgelegt: In diesem Punkt besteht ein wesentlicher Unterschied zu Währungen wie Euro oder Dollar, die in theoretisch unendlicher Menge gedruckt werden können.

la/wed
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