Inflation auf höchstem Stand seit 31 Jahren Gold und Bitcoin schnellen nach US-Inflationsdaten hoch

Die Inflationsrate steigt im Oktober in den USA auf 6,2 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 31 Jahren. Anleger greifen bei Gold und Bitcoin, dem "digitalen Gold", beherzt zu.
1000-Gramm-Goldbarren: Gold gilt unter Anleger als Inflationsschutz

1000-Gramm-Goldbarren: Gold gilt unter Anleger als Inflationsschutz

Foto: A9999 Db Heraeus/ dpa

In den USA ist die Inflationsrate im Oktober auf 6,2 Prozent gestiegen und damit so wie seit November 1990 nicht mehr. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 5,8 Prozent gerechnet, nach einem bereits satten Preisauftrieb im September von 5,4 Prozent. "Die Inflation scheint außer Rand und Band zu sein", sagte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.

Der Preis für Gold, das viele Investoren als Inflationsschutz sehen, zog sofort an. Am Nachmittag stieg der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) an der Börse in London um zwei Prozent auf 1868 US-Dollar. Dies ist der höchste Stand seit Mitte Juni. Am Morgen hatte das Edelmetall noch rund 1825 Dollar gekostet.

Auch die wichtigste Kryptowährung Bitcoin zog deutlich an. Einige Marktteilnehmer erachten Digitalwerte wie Bitcoin oder Ether als Schutz gegen eine hohe Entwertung klassischer Währungen wie den Dollar. Herausgefordert wird diese Sichtweise regelmäßig durch die extrem hohen Kursschwankungen von Kryptowerten.

Mit fast 69.000 US-Dollar erreichte die älteste und nach Marktwert größte Digitalwährung auf der Handelsplattform Bitstamp  ihren bislang höchsten Stand. Die nach Marktvolumen zweitgrößte Internetdevise Ether markierte mit 4861 Dollar ebenfalls ein Rekordhoch. Die runde Marke von 5000 Dollar rückt somit immer näher. "Befeuert wird die Rally abermals durch Inflationssorgen", erklärte Kryptoexperte Timo Emden von Emden Research.

Die USA sind dabei nicht allein auf weiter Flur, da die Preise praktisch weltweit auf dem Vormarsch sind. Grund sind aus der Corona-Krise resultierende Lieferengpässe und ein weit verbreiteter Materialmangel bei Halbleitern, Stahl, Holz und Kunststoff, der die Preise treibt. In China stiegen die Erzeugerpreise auf den höchsten Stand seit 26 Jahren. In Deutschland trieben hohe Kosten für Energie die Inflationsrate auf ein 28-Jahres-Hoch von 4,5 Prozent. Auch in den USA heizen die hohen Energiekosten die Inflation an. Die Spritpreise an den Zapfsäulen sind auf ein Sieben-Jahres-Hoch gestiegen. Der Ölpreis hat dieses Jahr bereits mehr als 60 Prozent zugelegt.

Unternehmen geben steigende Kosten zusehends weiter

Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe verwies darauf, dass Unternehmen gestiegene Kosten zunehmend an ihre Abnehmer weitergeben würden. "Dieser Überwälzungsprozess erfasst mehr und mehr Güter, da vor allem die Probleme auf der Angebotsseite sich nicht rasch auflösen." In der Tat haben die US-Produzenten ihre Preise im Oktober erneut kräftig angehoben. Diese stiegen wie schon im September um 8,6 Prozent zum Vorjahresmonat. Einen kräftigeren Zuwachs hat es seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2010 noch nicht gegeben.

Doch auch statistische Effekte spielen bei der rasch anziehenden Inflation eine gewichtige Rolle. Im Zuge der Corona-Pandemie waren im März 2020 viele Preise eingebrochen: "Die geringe Vergleichsbasis des Vorjahres ist noch immer der zentrale Treiber für die hohen Inflationsraten von nun über sechs Prozent", erläutert Ökonom Gitzel. Auch vor dem Hintergrund der rasant steigenden Preise hatte die US-Zentralbank jüngst die Abkehr von der extrem lockeren Geldpolitik eingeleitet: "Das ist gut so, denn die Zeit für expansive geldpolitische Maßnahmen ist abgelaufen", sagte der Bank-Ökonom aus Vaduz.

Die US-Notenbank fährt ihre Anleihenkäufe ab Mitte dieses Monats zurück, so dass die Zukäufe von einem monatlichen Volumen von derzeit noch 120 Milliarden Dollar bis Mitte nächsten Jahres komplett abgeschmolzen sein dürften. Das Ende der Zukäufe gilt zugleich als Voraussetzung für eine Zinserhöhung.

rei/Reuters/DPA
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