"Bitcoin ist Betrug" Tausende protestieren gegen Bitcoin-Fan Bukele

In El Salvador sind tausende Menschen gegen die Regierung von Präsident Nayib Bukele auf die Straße gegangen. Der Protest in der Hauptstadt San Salvador richtete sich unter anderem gegen die Einführung des Bitcoin als offizielle Währung neben dem Dollar.
Proteste in San Salvador: Gegenwind für Bitcoin-Fan Bukele

Proteste in San Salvador: Gegenwind für Bitcoin-Fan Bukele

Foto: RODRIGO SURA / EPA

Auf Protestplakaten, die die Demonstranten am Sonntag mit sich führten, waren Aufschriften zu lesen wie "Bitcoin ist Betrug". El Salvador hatte Anfang September als erstes Land weltweit Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel eingeführt: Kritiker werten dies als Versuch des Präsidenten, von den Problemen des hoch verschuldeten Landes abzulenken. "Die Menschen werden dieser autoritären Regierung allmählich müde, sie ist undemokratisch", sagte der Umweltaktivist Ricardo Navarro. Die Einführung des Bitcoin als offizielle Währung sei eine von Bukeles "schlechten Ideen", die der Wirtschaft des Landes schadeten.

El Salvador hatte am 7. September als erstes Land der Welt die Kryptowährung als offizielle Währung eingeführt und 200 Wechselautomaten im Land aufgestellt. In der Bevölkerung wird dies mit großer Skepsis gesehen. Mehr als zwei Drittel der 6,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner sprachen sich in zwei verschiedenen Umfragen dafür aus, den Dollar als alleinige Währung beizubehalten. Auch Wirtschaftsexperten und internationale Akteure wie die Weltbank oder der Internationale Währungsfonds hatten Bedenken geäußert.

An den Protesten am Sonntag beteiligten sich unter anderem auch feministische Gruppen, Menschenrechtsaktivisten und Oppositionsvertreter. Medardo González von der Nationalen Befreiungsfront Farabundo Martí warf Bukele Angriffe auf die Unabhängigkeit der Justiz vor. "Dies ist etwas, was nur eine diktatorische Regierung tun würde und das wollen wir in El Salvador nicht", sagte der Oppositionspolitiker.

Kurssturz am Premierentag

Der Tag, an dem El Salvador als erstes Land der Welt Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel einführte, sollte ein Freudentag für den hoch verschuldeten Staat mit seinen rund 6,5 Millionen Einwohnern werden. Doch die Kryptowährung Bitcoin brach am Premierentag zweistellig ein, tausende Bürger des Pazifikstaates hatten Probleme, die staatliche Bitcoin-Wallet "Chivo" überhaupt herunterzuladen, und bei einer Demonstration in der Hauptstadt San Salvador gegen Bitcoin und Big Money brannten Autoreifen. Bukele fing sich zusätzlich noch herbe Kritik von Weltbank und Weltwährungsfonds ein. Statt sich an die Spitze der Krypto-Finanzszene zu setzen, droht er nun seine wichtigsten Geldgeber zu vergraulen, auf deren echtes Geld er dringend angewiesen ist. Inzwischen hat sich Bitcoin zwar von seinem Kurssturz erholt und ist wieder auf dem Weg zu neuen Rekordhöhen, die Kritik an Bukeles Bitcoin-Projekt reißt jedoch nicht ab.

Probleme mit Chivo-Wallet – und mit dem Internetzugang

Mehr als 400 Millionen Dollar pro Jahr könnten die Bürger El Salvadors an Bankgebühren und Transaktionskosten sparen, wenn sie künftig auf Bitcoin setzen. So lautete das Versprechen des Präsidenten, der im Lande populär ist, aber auch gerne populistisch agiert. Zudem hätten Tausende Bürger, die über kein eigenes Bankkonto verfügen, künftig Zugang zu Finanzdienstleistungen. Was in der Theorie plausibel klingt, hat in der Praxis vielfach einen Haken: Rund die Hälfte der Bürger El Salvadors verfügen nicht nur über wenig Geld, sie haben auch keinen Zugang zum Internet. Und viele, die Netzzugang haben, können diesen nur sporadisch nutzen.

Bitcoin

Abstufung statt Jubelfeier

Auch die Nachricht, dass man nun bei McDonald´s in San Salvador seinen Cheeseburger mit Bitcoin bezahlen kann und einige Geldautomaten im Land nun für den Tausch von Kryptowährung in Fiatgeld ausgerüstet sind, taugte nicht als globaler Stimmungsaufheller.

Im Gegenteil. Weltbank und Weltwährungsfonds, die das hoch verschuldete Land mit immer neuen Krediten über Wasser halten, sehen die Krypto-Party des Präsidenten mit großer Skepsis. Man werde die Bitcoin-Aktivitäten El Salvadors in keiner Weise unterstützen, hatte ein Sprecher der Weltbank bereits vor Einführung der Währung klargemacht. Und der Weltwährungsfonds prüft, ob der geplante IMF-Kredit in Höhe von einer Milliarde Dollar tatsächlich in voller Höhe fließen kann.


Die Ratingagentur Moody´s stufte die Kreditwürdigkeit El Salvadors am Tag der Bitcoin-Einführung erst einmal ab. Die finanzielle Instabilität des Landes könne sich auf Grund der starken Kursschwankungen von Bitcoin steigern, so die Befürchtung am Markt. Zudem steige das Risiko von Geldwäsche. Die Dollar-Anleihen des Landes gerieten am Dienstag unter Druck.

la/dpa
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