Mittwoch, 11. Dezember 2019

G7-Finanzminister beraten über Krypto-Kontrolle Kurse von Bitcoin und Ethereum rauschen abwärts

Kryptowährungs-Miner in Florenz

Die Ankündigung einer härteren Gangart der USA setzt Kryptowährungen zu. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise Bitcoin Börsen-Chart zeigen fiel am Mittwoch auf bis zu 9226 Dollar und büßte damit binnen 24 Stunden rund 1500 Dollar ein.

Auch andere Kryptowährungen verloren deutlich. Ethereum fiel in der Nacht um 12 Prozent auf 195 Dollar, den tiefsten Stand seit Anfang Mai. Litecoin und Eos gaben ebenfalls zweistellig nach.

Am Dienstag hatte US-Finanzminister Steve Mnuchin die Nutzung von Kryptowährungen zu einer "Gefahr für die nationale Sicherheit" erklärt. Er brachte Bitcoin und Co. mit "Cyberkriminalität, Steuerhinterziehung, Erpressung, illegalen Drogen und Menschenhandel" in Verbindung. Außerdem bereite die "rein spekulative Natur" Sorge um die finanzielle Stabilität. Bitcoin und Co. seien "hochvolatil und auf dünne Luft gebaut".

Der Staat werde die Kryptowährungen nicht verbieten, sagte Mnuchin, aber die Einhaltung der für den Finanzsektor geltenden Regeln durchsetzen. Die Äußerungen wurden in der Krypto-Szene auch als Angriff auf Tether gewertet, eine Kopie des US-Dollars, die in den vergangenen Monaten maßgeblich dafür sorgte, die Kurse aufzupumpen.

Ebenfalls am Dienstag hatte der Bankenausschuss des US-Senats David Marcus, der bei Facebook das digitale Währungsprojekt "Libra" leitet, in die Mangel genommen. Die Parlamentarier bezeichneten die Pläne des Online-Netzwerks als "verrückt". Außerdem sei es eine "wahnhafte Idee", dass Facebook angesichts zahlreicher Datenskandale glaube, die Politik werde dem Unternehmen erlauben, Geld seiner Kunden zu verwalten. Marcus betonte, Facebook wolle das Projekt nur mit Zustimmung der staatlichen Aufsichtsbehörden starten.

Die sieben wichtigsten Industrieländer wollen nach französischen Angaben die Risiken neuer Digitalwährungen eingrenzen. Dies werde eine der Prioritäten beim am Mittwoch in Chantilly bei Paris beginnenden G7-Treffen sein, sagte Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire in einem Interview der italienischen Zeitung "Corriere della Sera". Hier müssten die G7-Staaten sehr aufmerksam sein.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte bereits am Dienstag Widerstand angekündigt: "Die Herausgabe einer Währung gehört nicht in die Hände eines Privatunternehmens, denn sie ist ein Kernelement staatlicher Souveränität." Beim G7-Finanzministertreffen soll eine Arbeitsgruppe unter Leitung des EZB-Direktors Benoit Coeuré erste Erkenntnisse zu Kryptowährungen vorstellen.

ak/reuters

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