Kryptowährung Bitcoin erholt sich vom Kurssturz

Nach seinem Kurssturz um rund 10.000 US-Dollar vom Vortag setzt Bitcoin zur Erholung an. Die Kryptowährung steigt am Dienstag wieder über die Marke von 35.000 US-Dollar - obwohl die Renditen der US-Staatsanleihen weiter steigen.
Bitcoin: Die Kryptowährung schwankt stark

Bitcoin: Die Kryptowährung schwankt stark

Foto: JIM URQUHART/ REUTERS

Die Digitalwährung Bitcoin hat unter starken Schwankungen am Dienstag zu einer Erholung angesetzt. Nach dem Kurssturz am Montag bis auf 30.250 US-Dollar setzten Anschlusskäufe ein, die den Wert der Kryptowährung bis Dienstagmorgen wieder über die Marke von 35.000 US-Dollar hoben. Zuletzt notierte Bitcoin auf der Luxemburger Handelsplattform Bitstamp  bei 36.300 US-Dollar und damit 20 Prozent über dem am Montagnachmittag erreichten Wochentief.

Am Montag war Bitcoin zeitweise bis auf 30.250 US-Dollar gefallen und hatte damit von ihrem am Samstag erreichten Rekordhoch rund 10.000 US-Dollar an Wert eingebüßt. Auf den Kursrutsch um rund 25 Prozent folgten jedoch Käufe, so dass die runde Marke von 30.000 US-Dollar zunächst verteidigt wurde. Nun nimmt Bitcoin wieder die Marke von 40.000 Dollar in den Blick - obwohl die Renditen für US-Staatsanleihen, die am Montag noch als Anlass für den Bitcoin-Ausverkauf genannt wurden, weiter steigen und den vierten Tag in Folge zulegen.

Die Stärke des Dollar und die Erholung der Anleiherenditen in den USA wird mit dem erwarteten billionenschweren Corona-Hilfsprogramm in den USA begründet. Joe Biden, der am 20. Januar als neuer US-Präsident vereidigt wird, hatte versprochen, "Billionen" auszugeben, um die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen in den USA in den Griff zu bekommen. Die Rendite einer 10-jährigen US-Staatsanleihe beträgt wieder mehr als 1 Prozent und liegt aktuell bei 1,14 Prozent. Doch auch von diesem Trend ließ sich die Rekordrally der Alternativwährung Bitcoin nicht nachhaltig bremsen.

Die US-Investmentbank J.P. Morgan hatte erst in der ersten Januarwoche ein Kursziel von rund 150.000 US-Dollar für Bitcoin ausgerufen und damit den Hype um die Cyberdevise weiter befeuert. Doch die Preisobergrenze von Bitcoin ist begrenzt - zu den limitierenden Faktoren zählt auch der extrem hohe Energieverbrauch des Bitcoin-Minings. Der Bitcoin-Boom ist von deutlichen Kursausschlägen begleitet, aber nach Ansicht von Marktbeobachtern trotz des jüngsten Rücksetzers ungebrochen .

Starke Kursausschläge vor allem an Wochenenden

Bemerkenswert ist auch, dass Bitcoin die größten Kursausschläge in jüngster Zeit vor allem über die Wochenenden verzeichnet. Während des ersten Wochenendes nach Weihnachten sowie an den ersten beiden Wochenenen des Jahres 2021 hatte Bitcoin jeweils noch zweistellig zugelegt - um nun, wiederum in der Nacht von Sonntag auf Montag, um mehr als 10 Prozent nachzugeben. Zugleich ist das Handelsvolumen an den Wochenenden auch deutlich größer als werktags, wie Analysen des Dienstes CryptoCompare zeigen. Wer bei Bitcoin mitspekulieren will, muss dies künftig wohl an 7 Tagen in der Woche tun - zu stark sind die Aktivitäten professioneller Händler an den Wochenenden.

Seit März Wert verzehnfacht

Der jüngste Höhenflug des Bitcoin sucht dennoch seinesgleichen. Im März vergangenen Jahres war Bitcoin zeitweise unter die Marke von 4000 Dollar gefallen - und hat sich seit diesem Corona-Tief mehr als verzehnfacht.

Allein seit Mitte Dezember, also in gerade mal gut drei Wochen, hat sich der Kurs trotz des jüngsten Rücksetzers fast verdoppelt. Auf Jahressicht beläuft sich das Plus auf mehr als 300 Prozent. Derart drastische Kurssteigerungen hat derzeit so gut wie keine andere Anlageform zu bieten. Kritiker warnen jedoch vor Übertreibungen und einer Blase, da derart extreme Kursanstiege selten nachhaltig seien. Der Bitcoin ist die älteste und mit Abstand bekannteste Digitalwährung. Zuletzt hatten Experten die Marktkapitalisierung auf etwa 560 Milliarden Dollar geschätzt.

Für den jüngsten Höhenflug wird am Markt aber immer wieder angeführt, dass die Digitalwährung zuletzt stärker in den Fokus großer Finanzinvestoren gerückt sei und stärker nachgefragt werde. Experten warnen allerdings auch vor den extremen Kursschwankungen, die immer wieder beim Bitcoin zu beobachten sind. Der Wert der Kryptowährung hat sich im abgelaufenen Jahr 2020 mehr als vervierfacht.

Zweifel an Dollar und Euro - bietet Bitcoin einen Schutz vor Inflation?

Beflügelt wird der Bitcoin auch dadurch, dass sich immer mehr professionelle Anleger für Kryptowährungen interessieren. Das Interesse von Profi-Anlegern gilt häufig als längerfristig, was den sehr schwankungsanfälligen Bitcoin-Kurs verstetigen könnte. Gesteigert wird das Interesse an Digitalwährungen auch durch die Corona-Pandemie und die mit ihr einhergehende stark steigende Staatsverschuldung. Einige Anleger fürchten deswegen eine mittel- bis längerfristig steigende Inflation, wogegen sie sich mit alternativen Anlagen absichern wollen.

Die Corona-Pandemie und die zahlreichen Rettungsprogramme der weltweiten Notenbanken sorgen für eine Geldflut und stärken damit ebenfalls das Interesse an der Alternativ-Währung Bitcoin: Aufgrund der extrem lockeren Geldpolitik vieler Notenbanken und der immensen Staatshilfen dürften sich einige Anleger in ihrer kritischen Haltung gegenüber traditionellen Währungen bestätigt sehen. Ob die neuartigen Digitalwährungen einen nachhaltigen Schutz gegen hohe Inflationsraten bieten, ist aufgrund ihrer hohen Kursschwankungen zwar zweifelhaft.

Immerhin hat Bitcoin jedoch eine Art Inflationsschutz eingebaut: Die Menge an Bitcoin, die durch das Bereitstellen von Rechenleistung in der Blockchain "geschürft" werden kann, ist von vorneherein auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Die digitale Währung hat damit in Ihrem Code eine fixe Obergrenze von 21 Millionen Einheiten und durch das "Halving" eine mathematisch vorbestimmte Geldpolitik festgelegt: In diesem Punkt besteht ein wesentlicher Unterschied zu Währungen wie Euro oder Dollar, die in theoretisch unendlicher Menge gedruckt werden können.

mmo
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