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Die größten Digitalwährungen: Bitcoin und die Alternativen

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Daniel Pfändler

Der Bitcoin-Boom geht weiter - noch Der Absturz des Bitcoin ist eine Frage der Zeit

Daniel Pfändler
Von Daniel Pfändler
Von Daniel Pfändler
Ein Bitcoin kostet rund 10.000 Dollar: Der Anstieg der Kryptowährung ist kometenhaft. Doch ebenso rasant dürfte sich auch der Absturz vollziehen.

  • Kryptowährungen und die dahintersteckende Technologie stellen einen Fortschritt dar. Sie ermöglichen eine höhere Geschwindigkeit, Sicherheit und Anonymität bei finanziellen Transaktionen. Langfristig dürften sie eine zunehmende Bedeutung im Finanzsystem einnehmen.
  • Die älteste Kryptowährung Bitcoin (Kurswerte anzeigen) verzeichnet phänomenale Kursgewinne. Das Angebot ist aufgrund des zunehmenden Aufwands beim Schürfen beschränkt. Die Nachfrage hingegen ist wegen der steigenden Verbreitung bei digitalen Transaktionen sowie der spekulativen Nachfrage groß. Der Preisboom dürfte daher noch eine Weile weitergehen.
  • Allerdings ist es wahrscheinlich, dass der technologische Fortschritt bei Kryptowährungen anhält. In diesem Prozess dürfte der Bitcoin durch effizientere Alternativen ersetzt werden - und sein Wert so schnell sinken, wie er zuletzt gestiegen ist.

Daniel Pfändler

Daniel Pfändler verfügt über langjährige Erfahrung in der makro-ökonomischen Analyse und Finanzmarktstrategie. Er ist Gründer der unabhängigen Research Firma Research Ahead.

Kryptowährungen sind digitale Zahlungsmittel, die sich durch Prinzipien der Kryptographie und der Dezentralität auszeichnen - und so ein verschlüsseltes, nicht zentral gesteuertes Zahlungssystem geschaffen haben. Im Gegensatz zu Zentralbankengeld, das von staatlich überwachten Instituten - eben den Zentralbanken - geschöpft wird, geschieht dies bei Kryptowährungen durch private Institutionen. Mittlerweile gibt es mehrere Tausend solcher Kryptowährungen und fast täglich kommen neue dazu. Bitcoin  wurde 2009 eingeführt und ist die älteste Kryptowährung mit einem aktuellen Marktwert von ungefähr 160 Milliarden US-Dollar und einer phänomenalen Kursentwicklung: Innerhalb eines Jahres hat sich der Preis eines Bitcoin von 950 auf mehr als 9000 US-Dollar nahezu verzehnfacht. Die nächstgrößere Kryptowährung, der Ethereum, der 2015 gestartet ist, kommt bereits auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 45 Milliarden US-Dollar. Auch hier war der Kursgewinn in diesem Jahr enorm.

Generell werden bei der Definition von Währungen drei Funktionen unterschieden: Tauschmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel. Klassische Währungen wie der Euro gelten als gesetzliches Zahlungsmittel und erfüllen damit alle drei Funktionen. Mit Euro kann überall in der Eurozone bezahlt werden, sei es bei Bargeldtransaktionen, Banküberweisungen oder mit Hilfe von Kreditkarten. Privatpersonen werden mit Euro bezahlt und "rechnen" in Euro, sowohl die Unternehmen als auch die Staaten bilanzieren in Euro. Als Wertaufbewahrungsmittel hat der Euro seine Funktion seit der Einführung Ende der 1990er Jahre bislang recht gut erfüllt, was unter anderem in einer durchschnittlich niedrigen Inflationsrate zum Ausdruck kommt.

Kryptowährungen profitieren vom Vertrauensverlust

Allerdings hat gerade diese Funktion in den vergangenen Jahren gelitten: durch die Finanzkrise, die Eurozonen-Schuldenkrise, die - dadurch ausgelöste - massive Ausweitung der EZB-Bilanz sowie das historisch niedrige Zinsniveau. Ähnliches gilt für andere wichtige Weltwährungen wie den US-Dollar. Es ist daher nicht überraschend, dass ausgerechnet jetzt Alternativen aufkommen. Allerdings ist beim Bitcoin das Angebot durch die zugrunde liegende Technologie begrenzt. Das Schürfen neuer Bitcoins wird stetig rechenintensiver und dadurch aufwendiger. Die Menge an Bitcoins nimmt in der Folge immer langsamer zu. Als Recheneinheit und Tauschmittel funktionieren die Kryptowährungen zwar nur im digitalen Raum. Weil aber die Digitalisierung fortschreitet und es eine zunehmende Anzahl von Anbietern gibt, die ihre Waren gegen Bitcoins verkaufen, steigt deren Gebrauch.

Ein weiterer wichtiger Treiber für die Verbreitung des Bitcoin dürfte zudem die Tatsache gewesen sein, dass er eine deutlich bessere Anonymität gewährleistet als Transaktionen mit Zentralbankengeld. Dies dürfte vor allem bei illegalen Geschäften wie etwa bei Warenkäufen im Dark Web eine Rolle spielen. Des Weiteren sind die Möglichkeiten von Staaten begrenzt, Transaktionen in Bitcoin zu unterbinden. In der Folge können in Ländern, in denen beispielsweise der Kapitalverkehr stark eingeschränkt ist, Bitcoins oder andere Kryptowährungen dazu benutzt werden, derartige Verbote zu umgehen und so Kapital außer Landes zu schaffen.

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In der Summe dürften also eine gestiegene Skepsis gegenüber traditionellen Währungen, die Einfachheit bei der Abwicklung digitaler Transaktionen, der Gebrauch bei illegalen Geschäften sowie die Möglichkeit zur Umgehung von Kapitalverkehrskontrollen hinter der breiteren Verwendung von Bitcoin stecken. Darüber hinaus dürfte gerade in diesem Jahr auch eine steigende spekulative Nachfrage für die phänomenalen Preisanstiege verantwortlich sein. Eine Nachfrage also, die aufgrund der Erwartung weiter steigender Preise und nicht wegen einer breiteren Nutzung von Bitcoins zustande kommt. Weil aber gleichzeitig das Angebot durch den Schürfmechanismus begrenzt ist, steigt der Preis immer weiter an. Dies wiederum generiert verstärkt Aufmerksamkeit durch die Medien, löst Aktivitäten aus, den Marktzugang für potenzielle Investoren zu erleichtern und führt damit zu einer weiteren Zunahme der Nachfrage.

Was dem Bitcoin zum Verhängnis wird

Genau an diesem Punkt dürften wir aktuell stehen. Es gibt immer mehr Börsen, über die Bitcoins gehandelt werden können, und auch traditionelle Banken haben begonnen, den Handel mit Kryptowährungen zu ermöglichen. Zu guter Letzt sind auch erste Fonds sowie Zertifikate aufgelegt worden. Wie lange dieser Prozess noch anhält, lässt sich nur schwer abschätzen. Weil Bitcoins - im Gegensatz zu klassischen Wertpapieren wie Aktien - keinen reellen Gegenwert besitzen, hängt der Kurs ausschließlich von Angebot und Nachfrage ab. Solange stetig mehr Benutzer und Investoren den Marktplatz betreten, steigt der Kurs tendenziell. Schließlich findet auch der Handel in den anderen Kryptowährungen meist gegenüber dem Bitcoin statt. Daher braucht man aktuell immer neue Bitcoins, um in diese sogenannten Altcoins investieren zu können.

Die Ineffizienz des Bitcoin wird sein Verhängnis sein

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Bitcoin stellt zweifellos einen technologischen Fortschritt dar, jedoch dürfte genau dieser technologische Fortschritt auch zu seinem Ende führen. Die Technologie hinter Bitcoin ist wenig effizient. So braucht das Netzwerk und insbesondere das Schürfen eine exorbitante und immer weiter wachsende Energiemenge. Es gibt mittlerweile effizientere, schnellere, sicherere Technologien, die hinter neuen Kryptowährungen stecken - von denen einige zusätzlich auch noch eine bessere Anonymität sicherstellen. Ein weitergehender technologischer Fortschritt wird sich kaum aufhalten lassen.

Beim Bitcoin dürfte der Preisboom vorerst noch anhalten, weil die Nachfrage größer ist als das Angebot. Wie lange und wie weit die Preise dabei klettern, lässt sich nicht seriös abschätzen. Längerfristig dürfte aber der technologische Fortschritt dazu führen, dass bessere Kryptowährungen den Platz von Bitcoin einnehmen und sich der Gebrauch von Bitcoin reduziert.

Auf Sicht von mehreren Jahren dürften Kryptowährungen eine bedeutendere Funktion im internationalen Finanzsystem ausüben als heute. Der Bitcoin dürfte dann aber kaum mehr dazu gehören. Wenn er aber nicht mehr gebraucht werden wird und keinerlei reellen Gegenwert hat, heißt das, dass er dann nahezu wertlos sein wird.

Daniel Pfändler ist Portfoliostratege beim unabhängigen Vermögensverwalter Main Sky Asset Management und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.