Freitag, 18. Oktober 2019

Plus 13 Prozent im Vergleich zu Freitag Zocker treiben Bitcoin Richtung 12.000 Dollar

Ein Mitarbeiter arbeitet an Bitcoin-Mining-Computern in der Bitminer-Fabrik in Florenz
Alessandro Bianchi / REUTERS
Ein Mitarbeiter arbeitet an Bitcoin-Mining-Computern in der Bitminer-Fabrik in Florenz

Die Digitalwährung Bitcoin hat am Montag die Marke von 11.000 US-Dollar deutlich hinter sich gelassen und näherte sich am Montagvormittag auf der größten Handelsplattform Bitstamp mit 11.743 Dollar der Marke von 12.000 Dollar. Das war der höchste Wert seit Mitte Juli, berichtet Bloomberg. Zum Handelsschluss am Freitag hatte die Kryptowährung noch bei 10.400 Dollar notiert und damit rund 13 Prozent tiefer als am Montag.

Auch andere Digitalwährungen wie Ripple und Ether zogen an. Der Bloomberg Galaxy Crypto Index, der einen Korb von Kryptowährungen erfasst, stieg um mehr als 7 Prozent, während sich auch konkurrierende digitale Münzen wie Ether und XRP erholten.

Die zentrale Kryptowährung Bitcoin ist hoch spekulativ, nicht reguliert und untersteht keiner Aufsicht. Der Kurs des Bitcoin ist extremen Schwankungen ausgesetzt - von zwischenzeitlich bis zu 10 Prozent in einer Stunde.

Hinter den Kulissen ziehen immer wieder hochliquide Zocker die Fäden: Zuletzt rief zum Beispiel das völlig undurchsichtige Zusammenspiel mit der Kryptowährung Tether und der umstrittenen Kryptobörse Bitfinex die New Yorker Staatsanwaltschaft auf den Plan. Krypto-Kritiker sprachen in diesem Kontext von "purer Marktmanipulation".

Verteidiger des Bitcoin und jene, die im Umfeld der Cyberwährung als Berater davon profitieren, sehen das selbstredend anders. Bereits mit geschickter Wortwahl wie "Schutz" oder "digitales Gold" versuchen sie die Vorstellung eines seriösen, vermeintlich wertstabilen Investments zu erzeugen - doch der Bitcoin ist alles andere als das.

"Angesichts der Turbulenzen auf den Märkten und auf den Straßen scheint digitales Gold auf einmal keine so schlechte Idee zu sein", zitiert Bloomberg zum Beispiel Jehan Chu, Partner bei der Blockchain Investment- und Beratungsfirma Kenetic Capital. Bitcoin werde zunehmend nicht nur als Wette auf die Zukunft gesehen, "sondern auch als Schutz für die Gegenwart".

manager magazin und Mynd erklären: So funktionieren Krypto-Währungen

Gleichzeitig sind Experten um Erklärungen bemüht, lancieren makroökonomische Probleme und politische Turbulenzen als möglichen Grund für die erratischen Ausschläge der Kryptowährungen. So müssen aktuell auch die deutliche Abwertung des chinesischen Yuan und der eskalierende Handelsstreit zwischen Peking und Washington als Deutungsversuch für den Kursanstieg herhalten:

"Ein Großteil davon könnte mit einer Kapitalflucht aus China zusammenhängen", spekuliert Tom Maxon auf Bloomberg. Sicher sei das aber nicht, der derzeitige "Bitcoin-Bullenmarkt" habe eine Menge positiver Dynamiken hervorgebracht, die diesen Schritt ebenfalls befeuern könnten, räumt der Leiter des US-Geschäfts von CoolBitX Ltd. ein, ein Unternehmen für elektronische Zahlungsprodukte.

Rein zeitlich folgt die aktuelle Bitcoin-Rally einem Ausverkauf der Kryptowährung im Juli, als die US-Administration sich skeptisch zu den Libra-Plänen von Facebook geäußert hatte. Zu Jahresbeginn hatte der Bitcoin sogar noch bei 4000 Dollar gestanden.

"Der Bitcoin sollte bald die Marke von 12.000 US-Dollar testen", erklärte Charles Yang, Chefhändler der in Hongkong ansässigen OTC-Handelsfirma Genesis Block. "Dies setzt natürlich voraus, dass wir der Meinung sind, dass Makro-Probleme Bitcoin tatsächlich antreiben."

Zwischen den Zeilen besagt dies nichts anderes, als dass auch besagte "Experten" einräumen müssen, keine plausible Erklärung für die Bitcoin-Entwicklung zu haben geschweige denn sie prognostizieren zu können - da hilft auch das an Modellen orientierte Reflektieren über den "inneren" oder "wahren" Wert eines Bitcoin wenig. Daraus abgeleitete Aussagen einer möglichen "Überbewertung" oder "Unterbewertung" können sich - die Realität ist der beste Beleg dafür - binnen Stunden pulverisieren.

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