Dividende übersteigt Einsatz der Investoren Wagniskapitalfirma MIG macht Kasse mit Biontech

Diese Wette ist spektakulär aufgegangen: Die MIG Fonds, die sich an der Gründung von Biontech beteiligten, haben Aktien für ein Vielfaches der eingesetzten Summe verkauft. Anleger bekommen mehr Geld, als die Gesellschaft bisher insgesamt einsetzte.
Kapitalspritze: Impfstoff von Biontech im Einsatz in Madrid

Kapitalspritze: Impfstoff von Biontech im Einsatz in Madrid

Foto: SERGIO PEREZ / REUTERS

Die finanzielle Unterstützung des Mainzer Biotechunternehmens Biontech zahlt sich für den Wagniskapitalgeber MIG Fonds aus. Die Anleger der MIG Fonds erhielten im Zuge der aktuellen Ausschüttung rund 340 Millionen Euro, teilte der Münchener Investor am Donnerstag mit. Nach Zahlungen über 260 Millionen Euro aus Verkäufen von Biontech-Aktien  im vergangenen Jahr erhöhe sich damit die Gesamtsumme der Ausschüttungen aus den Investments bei Biontech bis heute auf rund 600 Millionen Euro. Dem stünden 13,5 Millionen Euro gegenüber, die MIG 2008 bei der Gründung in das Unternehmen investierte. Insgesamt habe die Gesellschaft bisher 580 Millionen Euro in 40 Unternehmen der Bereiche "Deep Tech" und "Life Sciences" investiert. Diese gesamte Summe wird also von der Biontech-Dividende schon überstiegen.

MIG-Partner Michael Motschmann (63) hatte Biontech im Januar gegenüber dem manager magazin  als "eines der erfolgreichsten Investments aller Zeiten" in Europa bezeichnet - und zugleich eine strahlende Zukunft als "völlig neue Art von Techunternehmen" verheißen. Co-Investor Thomas Strüngmann (70) bekannte sich in demselben Interview auch zu einer langfristigen Beteiligung, um einen "eigenständigen, voll integrierten Pharmakonzern aus Deutschland" aufzubauen. Einen Verkauf seiner auf mehr als zehn Milliarden Euro gestiegenen Anteile wies er zurück. Motschmann und Strüngmann hatten erstmals gemeinsam in Ganymed investiert, die vorige - inzwischen verkaufte - Firma der Biontech-Gründer Uğur Şahin (55) und Özlem Türeci (53).

Die Corona-Krise rückte Biontech in den Fokus der Öffentlichkeit: Zusammen mit seinem Partner Pfizer gelang dem Unternehmen Ende vergangenen Jahres die weltweit erste erfolgreiche Zulassung eines Covid-19-Impfstoffs. Wichtigste Kapitalgeber von Biontech sind die Strüngmann-Brüder, die Gründer des Generika-Konzerns Hexal. Auch Microsoft-Gründer Bill Gates pumpte über seine Stiftung Millionen in Biontech.

Partner Pfizer rechnet mit gewaltiger Gewinnmarge

2019 ging Biontech an die US-Technologiebörse Nasdaq. Bis zur Entwicklung des Corona-Impfstoffs hatte es immer nur Verlust geschrieben.

Unmittelbar nach dem Börsengang hielt MIG Fonds noch 6 Prozent der Biontech-Aktien, inzwischen ist der Anteil wegen der Verkäufe unter 1 Prozent gesunken. Seit dem Börsendebüt mit einem Ausgabekurs von 15 Dollar hat sich der Kurs auf rund 118 Dollar vervielfacht. Biontech wird damit mit mehr als 28 Milliarden Dollar bewertet.

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Während Biontech bislang keine konkrete Geschäftsprognose vorgelegt hat, erklärte der US-Konzern Pfizer am Dienstag, er rechne mit Einnahmen von 15 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) mit dem gemeinsam vermarkteten Corona-Impfstoff Comirnaty in diesem Jahr. Das Mittel wäre damit das umsatzstärkste Medikament der Welt - und Pfizer erwartet eine Gewinnmarge von mehr als einem Viertel der Erlöse. Auch für die kommenden Jahre dürfte Comirnaty wegen Auffrischimpfungen und möglicherweise aktualisierten Formeln, um Mutationen des Virus zu erfassen, laut Pfizer noch einen "dauerhaften Einnahmestrom" versprechen. Pfizer und Biontech haben die hälftige Aufteilung der Erlöse vereinbart.

Curevac erhöht Kapital um eine halbe Milliarde Dollar

Der Tübinger Wettbewerber Curevac hat bei einer Kapitalerhöhung 517,5 Millionen US-Dollar (rund 431,5 Millionen Euro) erlöst. Nach Abschluss der Optionsausübung stieg die Zahl der durch das Unternehmen verkauften Stammaktien  auf 5,75 Millionen zum Ausgabepreis von je 90 Dollar, wie das Unternehmen am Donnerstag in Tübingen mitteilte. Curevac ist seit August 2020 an der New Yorker Börse Nasdaq notiert.

Curevac entwickelt derzeit einen Corona-Impfstoff. Er basiert wie die Impfstoffe von Biontech und Moderna auf sogenannter "Messenger RNA" (Boten-RNA), ist aber noch nicht abschließend klinisch erprobt. Curevac kooperiert mit dem weltgrößten Impfstoffhersteller Glaxosmithkline, um gleich einen mutationsfesten Impfstoff zu entwickeln und damit den Rückstand wettzumachen. Zudem kooperiert das Unternehmen von Hauptaktionär Dietmar Hopp (80) mit Bayer, um seinen Corona-Impfstoff noch in diesem Sommer einsetzen zu können.

ak/Reuters