Biontech-Aktie haussiert Investoren reißen sich um Impfstoff-Aktien

Die Aktien der Hersteller von mRNA-Impfstoffen gehören seit Wochen zu den Favoriten der Investoren. Ein Bericht der "New York Times" beschert den Papieren von Biontech, Pfizer und Moderna weiteren Schwung.
Favorit an der Börse: Der Kurs der Biontech-Aktie steigt seit Monaten

Favorit an der Börse: Der Kurs der Biontech-Aktie steigt seit Monaten

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Thomas Lohnes / Getty Images

Die Rally bei mRNA-Impfstoffaktien kennt weiter keine Grenzen. Die Papiere von Biontech wurden am Mittwoch erstmals in ihrer Geschichte über der Marke von 300 Euro gehandelt, wenige Tage bevor von dem Corona-Pandemie-Gewinner die jüngsten Quartalszahlen erwartet werden. Wie die "New York Times " in der Nacht auf Mittwoch unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet hatte, will die US-Gesundheitsbehörde FDA dem gemeinsam mit Pfizer vermarkteten Corona-Impfstoff noch im September die endgültige Zulassung erteilen. Bislang handelt es sich nur um eine Notfallzulassung.

Die FDA hatte die Notfallzulassung für den Impfstoff von Biontech und Pfizer im Dezember erteilt. Im Mai hatten die beiden Unternehmen dann damit begonnen, die Unterlagen für die vollständige Zulassung bei der Behörde einzureichen. Vergangene Woche erklärte die FDA, die endgültige Genehmigung sei eine ihrer obersten Prioritäten.

Eine vollständige Zulassung des Corona-Impfstoffes könnte auch Impfskeptiker überzeugen und so die zuletzt ins Stocken geratene Impfkampagne in den USA wieder voranbringen. Bisher haben in den USA rund 192 Millionen Menschen mindestens eine Impfdosis erhalten, das sind 58 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Aktien von Pfizer und Moderna ebenfalls gefragt

Parallel zur nachlassenden Impfbereitschaft waren die Corona-Infektionszahlen in den USA wegen der besonders ansteckenden Delta-Variante des Virus zuletzt wieder angestiegen. In der Woche vor dem 2. August infizierten sich nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC jeden Tag durchschnittlich über 84.300 Menschen mit dem Coronavirus - so viele wie zuletzt im Winter.

Zuletzt stieg der Biontech-Kurs am Mittwoch im Frankfurter Handel um 2,3 Prozent auf 306 Euro. Am Vortag schon hatten die Biontech-Papiere an der Nasdaq - ihrem Haupthandelsplatz - bereits deutlich zugelegt und mit 351,81 US-Dollar geschlossen. Das sind umgerechnet gut 296 Euro. Vorbörslich wurden sie an der Nasdaq nun bei knapp 360 Dollar gehandelt.

Auch die Pfizer-Aktien kennen in New York derzeit kein Halten mehr, sie steuern mit großen Schritten auf ihren bisherigen Rekord aus der Zeit vor der Jahrtausendwende zu. Am Mittwoch vorbörslich über 46 Dollar liegend fehlt ihnen zu den 1999 erreichten 47,45 Dollar nicht mehr viel.

Der Rückenwind erstreckt sich auch auf die Aktien von Moderna, die ihre Rekordrally am Dienstag in den USA mit besonders großem Schwung fortgesetzt hatten. Die Papiere des Konkurrenten waren in New York am Vorabend mit mehr als 11 Prozent Plus aus dem Handel gegangen, sie werden nun am Mittwoch im vorbörslichen US-Handel aber nochmals im Plus erwartet.

Derzeit intensiviert sich in der Branche die Aussicht auf baldige Booster-Impfungen, auch um die Verbreitung des Coronavirus mit der besonders ansteckenden Delta-Variante in Schach zu halten. In Großbritannien und Deutschland kommt dabei laut dem Börsenbrief-Autor Hans Bernecker eine Drittimpfungskampagne für bestimmte Risikogruppen auf den Radar. Allgemein steigt derzeit auch die Fantasie, dass die beiden Unternehmen mit ihrer Technologie auch andere Anwendungsgebiete erobern können.

Mit Blick auf Moderna verwies Bernecker am Mittwoch darauf, dass ein Impfstoffkandidat gegen das den Atemtrakt befallende RSV-Syndrom mit einem Fast-Track-Status bei der US-Zulassungsbehörde "jetzt quasi auf der Überholspur fahre". Die Moderna-Aktie hat im bisherigen Jahresverlauf 270 Prozent gewonnen, während sich die Biontech-Titel in US-Dollar gemessen in dieser Zeit nun schon mehr als vervierfacht haben.

Auch Novavax-Aktie steigt zweistellig

Auch die Aktie des US-Impfstoffherstellers Novavax, der allerdings im Gegensatz zu Biontech/Pfizer und Moderna nicht auf einen mRNA Impfstoff setzt, sondern einen proteinbasierten Impfstoff ins Rennen schickt, legte am Mittwoch zeitweise um 20 Prozent zu. Anlass für den Kurssprung: Die Europäische Kommission hat sich im Namen der 27 EU-Länder die Lieferung von 200 Millionen Impfstoffdosen von Novavax gesichert, erklärte die Brüsseler Behörde am Mittwoch. Voraussetzung für die Bestellung von zunächst bis zu 100 Millionen Dosen ist demnach, dass der Impfstoff von der Europäischen Arzneimittelbehörde zugelassen wird. Anschließend können die Mitgliedstaaten eine Option auf 100 Millionen weitere Dosen aktivieren, wie die Kommission weiter mitteilte. Die Lieferungen könnten sich demnach bis ins Jahr 2023 erstrecken.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von "einer weiteren Absicherung zum Schutz unserer Bevölkerung". Angesicht des Auftretens neuer Coronavirus-Varianten verwies sie darauf, dass Novavax, "seinen Impfstoff bereits erfolgreich an diesen Varianten testet". Die neue Vereinbarung mit dem US-Hersteller erweitere "unser Impfstoffportfolio um einen weiteren proteinbasierten Impfstoff, der sich in klinischen Prüfungen als vielversprechend erwiesen hat", fügte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides hinzu.

Das deutsche Gesundheitsministerium hat den Impfstoff von Novavax für 2022 bereits eingeplant. Von den insgesant 204 Millionen Corona-Impfstoffdosen, die Berlin für das kommende Jahr beschaffen will, soll ein Teil von Novavax kommen. Zum Plan des Ministeriums gehören zudem die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna sowie ein weiteres noch nicht zugelassenes proteinbasiertes Vakzin des französischen Herstellers Sanofi.

cr/dpa-afx, AFP
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