Handel verboten Briten greifen gegen Kryptobörse Binance durch

Die nach eigenen Angaben weltweit führende Kryptowährungsbörse Binance hat ein Problem mit der Finanzaufsicht. Die britische Behörde FCA verbietet den Handel mit regulierten Produkten wie Derivaten und warnt die Nutzer.
Dunkle Ecke: Binance-Logo auf einer maltesischen Blockchain-Messe

Dunkle Ecke: Binance-Logo auf einer maltesischen Blockchain-Messe

Foto: Darrin Zammit Lupi/ REUTERS

Die britische Finanzaufsicht hat Binance, einer der größten Börsen für Kryptowährungen der Welt, den aufsichtspflichtigen Handel untersagt und die Nutzer vor der Plattform gewarnt, die weltweit in den Blick der Behörden gerät.

In einer auf Samstag datierten Meldung  teilte die Financial Conduct Authority (FCA) mit, die britische Binance-Filiale Binance Markets Ltd "darf mit sofortiger Wirkung keinerlei regulierte Aktivitäten ohne vorherige schriftliche Zustimmung der FCA mehr ausüben". Binance reagierte am Sonntag nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Der Handel mit Kryptowährungen wie Bitcoin ist in Großbritannien zwar nicht reguliert, aber Dienste wie der Handel mit Derivaten auf diese Assets fallen unter die Finanzaufsicht. Auch Kryptoinvestments, "die wir als Wertpapiere zählen würden", sind nun verboten. Darunter könnten beispielweise digitale Tokens fallen.

Die FCA verlangt von Binance, bis zum 30. Juni auf seiner Website und den Auftritten in sozialen Netzwerken einen Warnhinweis anzubringen: "Binance Markets Limited ist nicht zugelassen, um jegliche regulierte Aktivität im Vereinigten Königreich zu betreiben." Außerdem müsse das Unternehmen seine gesamte Kommunikation mit britischen Kunden sichern und für die Behörde vorhalten. Das Einhalten dieser Vorschrift sei der FCA bis zum 2. Juli zu melden.

Handelsvolumen von 1,5 Billionen Dollar im Monat - ohne Aufsicht

Die Aufsichtsbehörde erklärte nicht, warum sie diese Maßnahmen gegen Binance ergreift. Das Unternehmen hatte zuvor betont, es nehme seine Rechtspflichten "sehr ernst" und trete "Aufsichts- und Vollzugsbehörden kollaborativ gegenüber".

Die FCA verschärft ihre Aufsicht des Handels mit Kryptowährungen, der in diesem Jahr in Großbritannien ebenso wie weltweit dramatisch zugenommen hat. Allein im Mai verzeichnete Binance ein Handelsvolumen im Wert von 1,5 Billionen Dollar.

Seit Januar schreibt die FCA allen Firmen, die Kryptodienste anbieten, vor, sich zu registrieren und das Einhalten von Anti-Geldwäsche-Richtlinien zu beweisen. Anfang Juni erklärte die Behörde jedoch, bislang hätten sich nur fünf Firmen angemeldet, die Mehrheit halte die Vorschriften nicht ein. Die "Financial Times" berichtete am Sonntag  unter Berufung auf Insider, Binance habe sich zwar um eine Registrierung beworben, den Antrag aber nach dem Dialog mit der FCA zurückgezogen.

Keine Adresse für die globale Firmenzentrale

Die japanische Aufsichtsbehörde hatte am Freitag auf ihrer Website erklärt, Binance sei in Japan legal tätig. In anderen Ländern nehmen die Behörden das Unternehmen jedoch strenger unter die Lupe. Im Mai berichtete "Bloomberg", dass für Geldwäsche und Steuervergehen zuständige Beamte des US-Justizministeriums und der Steuerbehörde IRS Informationen von Binance-Insidern verlangt hätten. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin warnte im April, Binance riskiere eine Strafe für das Angebot digitaler Tokens, ohne einen Anlegerprospekt vorzulegen, der über die Risiken aufklärt.

Binance wurde 2017 von dem kanadischen Kryptomilliardär Changpeng Zhao in China gegründet und stieg binnen weniger Monate zur Plattform mit dem größten Handelsvolumen auf. Seitdem wechselte der Firmensitz mehrfach, nachdem die Behörden mehr Kontrolle verlangten. 2020 stellte die Finanzaufsicht von Malta klar, dass sie sich nicht für Binance zuständig fühle. Malta ist zwar Mitglied der Europäischen Union, wurde aber am Mittwoch von der globalen Financial Action Task Force (FATF) auf die "graue Liste" der wegen mangelnder Kooperation gegen Geldwäsche zu beobachtenden Staaten gesetzt. Zuletzt erklärte Zhao, Binance habe überhaupt keine Zentrale. Die FCA verortete die Holding auf den Cayman Islands, einer britischen Kronkolonie in der Karibik.

Ein Account, der Binance zugeschrieben wird, gilt als größter Halter der umstrittenen Kryptowährung Tether . Laut der von den Tether-Machern, die auch hinter der ebenfalls umstrittenen Börse Bitfinex stehen, veröffentlichten "Tether Rich List"  liegen auf dem Binance-Konto 17,2 Milliarden Tether, die den Wert von US-Dollars haben sollen, aber kaum davon gedeckt sind.

ak/Reuters
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