Freitag, 22. November 2019

Anlage-Legende Geld in Bill-Gross-Fonds stammt zum Großteil von Gross selbst

Ex-Bond-König Bill Gross: "Ich glaube an den Janus Global Unconstrained Bond Fund"

Den Beinamen "Anleihenkönig" trägt Bill Gross immer noch. Der turbulente Abgang des exzentrischen Gründers brachte der Allianz-Tochter Pimco eine Anlegerflucht ein - und dem bis dahin unbekannten neuen Arbeitgeber Janus einen Milliardenzufluss, doch offenbar vor allem vom Guru selbst.

Hamburg - Gerade erst hat Bill Gross mit einem düsteren Jahresausblick von sich reden gemacht, demzufolge von keiner Geldanlage noch Gewinn zu erwarten sei. Und schon sorgt der "Anleihenkönig" wieder für Nachrichten.

Das "Wall Street Journal" berichtet (€), der Fondsmanager, der noch vor kurzem eine Viertelbillion Dollar über den Globus dirigierte, verwalte nun zu einem Großteil eigenes Vermögen. Mit 1,2 Milliarden Dollar gibt Janus Capital, bis zu Gross' Antritt Anfang Oktober eine kleine Nummer, das Vermögen des von Gross geleiteten Global Unconstrained Bond Fund per Ende November an.

Immerhin. Das ist zwar nur ein Bruchteil der Kapitalabflüsse, die Gross' ehemalige Firma, die von ihm mitgegründete und zum Allianz-Konzern Börsen-Chart zeigen gehörende Gesellschaft Pimco, mit dem turbulenten Wechsel erlitt - 150 Milliarden Dollar im Jahr 2014. Doch das Erreichen der Milliardenschwelle zeigte, dass zumindest ein Teil der risikoscheuen Anleiheninvestoren ihrem gestürzten König die Treue halte. Mit George Soros konnte sich Janus sogar mit einem weiteren Börsenpromi als Kunden schmücken.

700 Millionen Dollar aus einer einzigen Quelle

Allerdings kamen laut "Wall Street Journal" allein 700 Millionen Dollar aus einer einzigen Quelle in den Janus-Fonds: der Filiale der Vermögensverwaltung von Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen in der kleinen kalifornischen Küstengemeinde La Jolla. Dort arbeite Robert Inbody, einer von Gross' persönlichen Beratern. Damit ist zwar nicht gesagt, dass sicher, dass das Geld komplett aus seinem Privatvermögen stammt. Es spricht aber auch wenig dagegen.

Janus antwortete auf die Recherchen mit einem Tweet in Gross' Namen: "Ja, ich glaube an den Janus Global Unconstrained Bond Fund und investiere in ihn." Die übliche Formel, die Vertrauen der Anleger nähren soll: Der Manager setzt eigenes Geld in den Fonds. Doch wenn er das im Wesentlichen allein tut, wäre das dem Vertrauen eher abträglich.

"Bloomberg"-Kolumnist Matt Levine setzt auf den allgegenwärtigen Spott noch die Frage: "Warum hat Gross so wenig von seinem Geld in den eigenen Fonds investiert?" Schließlich sei er ein Multimilliardär, nachdem die Allianz ihm jahrelang höhere Gehälter zahlte, als alle Dax-Chefs zusammengenommen kassierten. Aber vermutlich sei es auch von einem Bond-König zu viel verlangt, das komplette Vermögen in Anleihenfonds zu investieren.

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