Mittwoch, 13. November 2019

Geldanlage "Aktien sind nicht mehr günstig"

Aktien sind teuer geworden: Der Dax kratzt an der Marke von 9000 Punkten, doch die Gewinndynamik der Unternehmen lässt nach. Wer investieren will, muss vorsichtig sein

Der Dax notiert auf Rekordniveau: Der Aktienmarkt ist nicht mehr günstig und das Aufwärtspotential ist begrenzt, sagt Investmentexperte Bernhard Langer von Invesco. Kaufenswerte Aktien gibt es seiner Ansicht nach aber immer noch.

mm: Herr Langer, der US-Haushaltsstreit ist vorerst beigelegt, viele Banken empfehlen deshalb den Kauf von Aktien. Aber sind die Bewertungen gemessen an den Firmengewinnen überhaupt noch attraktiv?

Bernhard Langer: Aktien sind nicht mehr günstig, beim Verhältnis von Marktwert und geschätzten Gewinnen erreichen wir jetzt den neutralen Bereich. Allerdings erwarten die Analysten zwischen 8 und 12 Prozent Gewinnwachstum für 2013 und 2014 in Europa. Das ist zu hoch.

mm: Was heißt das für Anleger?

Langer: Die Kursrally hat noch etwas Schwung. Wer Aktien hat, sollte das mitnehmen. Wer neu investieren will, muss dagegen vorsichtig sein. Wenn der Aktienmarkt die Richtung wechselt, dann zuletzt meist abrupt und heftig. Außerdem sollten Anleger auf Qualitätsunternehmen setzen, also auf Firmen mit stabilem Geschäftsmodell und gut vorhersehbaren Einnahmen.

mm: Es sind genau solche Aktien, die manager magazin mit der Euro-500-Analyse der größten börsennotierten Unternehmen herausfiltert (siehe Heft 11/2013, ). Leider sind gerade solche Qualitätswerte an der Börse besonders gefragt - und bereits entsprechend teuer.

Langer: Der Einwand ist berechtigt: Qualitätsaktien sind teuer geworden. Die hohe Bewertung liegt unter anderem daran, dass inzwischen viele neuartige Indexfonds (ETF) auf solche Qualitätsaktien setzen.

mm: Verlieren Qualitätsaktien im nächsten Crash vielleicht besonders stark an Wert, weil sie derzeit so hoch bewertet sind?

Langer: Das glaube ich nicht. Bei starken Börseneinbrüchen wie 2008 haben sich Qualitätsaktien immer bewährt und weniger stark verloren als der Gesamtmarkt. Ich bin optimistisch, dass dies weiterhin gilt. Gerade wenn die US-Notenbank Federal Reserve mit ihrer Einschätzung recht behält, dass die Konjunkturerholung noch auf tönernen Füßen steht, brauchen Investoren jetzt solche Titel.

mm: Und wenn die Federal Reserve sich irrt?

Langer: Dann müssen sie stark konjunkturabhängige Aktien kaufen und in südeuropäischen Märkten wie Spanien und Portugal investieren. Aber daran glauben wir nicht. Anleger sollten Vorsicht walten lassen. Das Aufwärtspotenzial der Aktienmärkte ist begrenzt.

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