Bankaktien im Fokus - verzerrter Wettbewerb Warum Goldman Sachs Europas Banken alt aussehen lässt

Finanz-Deregulierung und steigende Zinsen in den USA, dazu - nach dem Brexit - die Anziehungskraft New Yorks für Jobs aus London: US-Banken drohen der Konkurrenz in Europa zu enteilen. Was heißt das für Aktionäre?
Wall Street in New York: Die US-Banken blicken in eine rosige Zukunft - anders als ihre europäische Konkurrenz

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Deutsche Bank  minus sechs Prozent, Commerzbank  sogar minus zehn Prozent - in den vergangenen zwei Wochen kam es ziemlich dicke für die Aktionäre der hiesigen Geldinstitute. Das ist zwar nur eine Momentaufnahme, und insgesamt haben sich die Papiere zuletzt eigentlich recht erfreulich entwickelt. Vieles spricht jedoch dafür, dass deutsche und europäische Banken gegenüber der Konkurrenz vor allem aus den USA künftig eher den Kürzeren ziehen werden. Hier die wichtigsten Gründe dafür:

Deregulierung

US-Präsident Donald Trump hat sich die Deregulierung der Finanzbranche auf die Fahnen geschrieben, und es besteht kaum ein Zweifel, dass er dieses Versprechen auch in die Tat umsetzen wird. Schließlich hat Trump schon in den ersten Tagen seiner Amtszeit bewiesen, dass er ein Mann der Tat ist. Zudem hat er sich in seinem Regierungsteam mit einer Reihe ehemaliger Wall-Street-Leute umgeben. Und die werden zweifellos darauf drängen, dass der Präsident seine Versprechungen auch umsetzt.

Im Zentrum der Diskussion steht dabei der sogenannte Dodd-Frank-Act, ein umfassendes US-Gesetz aus dem Jahr 2010, das als Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 entwickelt worden war und mit dem die US-Regierung unter Präsident Barack Obama die Finanzmarktstabilität verbessern wollte. Die Fesseln, die den US-Banken mit diesem Gesetz angelegt wurden, dürfte Trump in nächster Zeit ein Stück weit lockern - wodurch die Institute vermutlich einen relativen Wettbewerbsvorteil gegenüber der europäischen Konkurrenz erlangen werden. Banken in Europa befürchten gar eine Wettbewerbsverzerrung.

Zinsen

Während die Europäische Zentralbank für die Eurozone gegenwärtig noch an ihrer Niedrigzinspolitik festhält, hat in den USA bereits vor mehr als einem Jahr ein Zyklus steigender Zinsen begonnen. Zuletzt erhöhte die US-Notenbank Fed ihren Leitzins Ende 2016, und weitere Schritte sind für das laufende Jahr angekündigt.

Hintergrund ist die wirtschaftliche Entwicklung, die in den Vereinigten Staaten deutlich positiver verläuft als in Europa. Für die Banken bedeutet das: Die US-Institute können in einem prosperierenden Umfeld bei steigenden Zinssätzen immer bessere Geschäfte machen, während die Konkurrenz in Europa hinterherhinkt; neben der schwächelnden Konjunktur in vielen Ländern des alten Kontinents lastet auch die Euro-Schuldenkrise nach wie vor auf den Instituten.

Nicht zu vergessen: Auch weitere Wohltaten, die US-Präsident Trump der Wirtschaft seines Landes versprochen hat, werden die Institute an der Wall Street eher erfreuen als jene in Europa. Als da wären vor allem: Steuersenkungen für US-Unternehmen sowie Milliardeninvestments in die amerikanische Infrastruktur.

Brexit

Beim bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union könnte Europas Bankenwelt am Ende ebenfalls als Verlierer dastehen. Nicht nur, dass mit dem Brexit der gemeinsame Wirtschaftsraum, in dem die kontinentalen Institute agieren, um einen maßgeblichen Teil schrumpft. Auch bei der Verteilung der Ressourcen, die den bislang dominanten Finanzplatz London wohl werden verlassen müssen, drohen die Länder der Eurozone in die Röhre zu schauen.

Axel Weber jedenfalls, Verwaltungsratschef der schweizerischen UBS, sieht New York noch vor Frankfurt oder Paris als Nutznießer des Brexit. Zwar werde auch Frankfurt profitieren, so Weber in einem exklusiven Interview in der neuen Ausgabe des manager magazin. London habe jedoch erst zur Finanzhauptstadt der Welt werden können, als in New York die Krise ausbrach. Diese Entwicklung werde sich nun wieder umkehren. Lediglich jene Jobs, die nicht von London nach New York wandern, würden sich dann über ganz Europa verteilen, so der Ex-Bundesbankpräsident.

Was heißt das für Aktionäre?

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So viel zu den Aussichten. Doch heißt das auch, dass die Aktien US-amerikanischer Banken jenen europäischer Institute zurzeit vorzuziehen sind? Nicht unbedingt. Schließlich sind die Kurse von Goldman Sachs , JP Morgan und Co in den vergangenen Monaten bereits erheblich gestiegen. Viel von dem, was aus Investorensicht in nächster Zeit an Gutem auf die Banken zukommt, ist also in den Aktienpreisen bereits enthalten.

Die Initialzündung erfolgte Anfang November, als der Wahlsieg Trumps an der US-Börse eine breite Euphorie auslöste. Seither ging es auch mit den Papieren von US-Banken aufwärts. Insgesamt, so rechnet die US-Website Quartz.com  vor, stieg der Börsenwert der sechs führenden US-Banken seit der US-Wahl um zusammen 280 Milliarden Dollar. Die Aktien von Goldman Sachs sowie JP Morgan etwa erreichten gerade in diesen Tagen neue Allzeithochs.

Die Papiere europäischer Banken dagegen - inklusive Deutscher Bank und Commerzbank - konnten seit der US-Wahl zwar ebenfalls zulegen. Die Gegenüberstellung ergibt jedoch einen klaren Etappensieger: Während der europäische Stoxx-Bankenindex in den vergangenen zwölf Monaten um etwa 25 Prozent stieg, betrug das Plus amerikanischer Bankaktien gemessen am 24 Werte umfassenden KBW-Index im gleichen Zeitraum fast 60 Prozent.

Entscheidend: Welche Aktien sind am günstigsten?

Die Aktienkurse allein geben allerdings nur wenig Auskunft darüber, ob die Papiere günstig oder teuer, ob sie also eher ein Kauf oder ein Verkauf sind. Zu dem Zweck hilft ein Blick auf Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV).

Eine Übersicht, die kürzlich von der "FAZ " veröffentlicht wurde, zeigt: Das Bild ist recht klar. US-Banken wie JP Morgan oder Wells Fargo stechen vor allem mit einem hohen KBV heraus, erscheinen also gemessen an dieser Kennzahl bereits recht teuer. Europäische Banken dagegen verfügen zum Großteil über vergleichsweise niedrige KBV-Zahlen.

Ähnlich sieht es zudem beim KGV aus: Auch dort liegen die Werte der amerikanischen Institute im Schnitt über jenen der europäischen Wettbewerber. Einzige Ausnahme: Die Commerzbank, deren KGV mit 17,3 jenes der gesamten Konkurrenz deutlich übersteigt.

Was also tun? Auch Kian Abouhossein, Bankenanalyst bei JP Morgan, sieht künftig bessere Chancen bei US-Banken, will aber auch die europäischen Institute nicht komplett abschreiben. Der Experte rät vor allem davon ab, in Institute mit geringer Profitabilität und knapper Eigenkapitalausstattung zu investieren. Als Beispiele dafür nennt er: ausgerechnet die Deutsche Bank sowie die Commerzbank.

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