Samstag, 20. Juli 2019

Bank Safra Sarasin Maschmeyer fühlt sich betrogen

Carsten Maschmeyer: Der AWD-Gründer fühlt sich durch Falschberatung bei einem Finanzprodukt geprellt

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer will nach Medienberichten die Bank Safra Sarasin verklagen. Der Grund - die Bank soll ihn falsch beraten haben. Das Thema "Risiken von Finanzprodukten" sollte ihm noch aus seiner AWD-Zeit geläufig sein.

Hamburg - Carsten Maschmeyer ist Gründer der Vertriebsorganisation AWD, die er ab 2007 sukkzessive an die Versicherungsgruppe Swiss Life verkaufte. 2011 schied er selbst aus dem Unternehmen aus. Das ist die eine Phase seines beruflichen Wirkens. Er ist seitdem auch selbst Investor - eine andere Phase seines Arbeitslebens.

In dieser Eigenschaft fühlt er sich nun hintergangen. Die Schweizer Privatbank Safra Sarasin soll ihm ein Investment ans Herz gelegt haben, dass bislang nicht aufgegangen ist. Maschmeyer wirft den Verantwortlichen der Bank "vorsätzliche Täuschung" bei der Beratung vor, schreiben das "Handelsblatt" sowie unter anderem die "Handelszeitung".

Nun soll offenbar ein Gericht klären, ob er und andere Investoren mit dieser Auffassung Recht haben. Pikanterweise würde sich in diesem Prozess die eine Lebensphase als AWD-Lenker mit der anderen als Investor berühren.

Maschmeyer hatte 40 Millionen Euro in den Sheridan Solutions Equity Arbitrage Fund investiert; bislang soll er aber nur rund 26 Millionen Euro zurückerhalten haben. Die Bank hätte ihm seinerzeit eine Rendite von 8 bis 10 Prozent in Aussicht gestellt. Als Verlust wurde im schlimmsten Fall 2 Prozent angegeben.

Nun wurde deutlich, dass die Investments auf Steuergutschriften beruhten, die bis 2012 in eine Gesetzeslücke fielen. Man habe ihm seinerzeit, so Maschmeyer, "zugesichert, dass es sich um ein sicheres, seriöses und legales Geschäft handelt und verweigert seit Herbst 2011 die vollständige Auszahlung des Anlagebetrags", sagte er dem Handelsblatt.

Hunderte Klagen auch gegen den AWD

Kunden seines ehemaligen Unternehmens AWD dürften diese Sätze bekannt vorkommen. Denn immer wieder wurde der AWD verklagt - weil dessen Vertriebsmitarbeiter die Kunden mitunter nicht so über die verkauften Finanzprodukte aufklärten, wie es hätte geschehen müssen.

Entsprechend lagen Mitte 2012 allein beim Landgericht Hannover gut 800 Klagen gegen den AWD vor, berichtet die "Frankfurter Rundschau". Die Zeitung schrieb seinerzeit: "Es geht um den Vorwurf mangelnder Risikoaufklärung beim Vertrieb von Immobilien- und Medienfonds sowie angeblich zu hohe Provisionen für AWD-Berater."

2013 zog der Rechtsnachfolger des AWD, Swiss Life, einen juristischen Schlussstrick zumindest unter die entsprechenden Streitigkeiten in Österreich und zahlte in einem Vergleich mit dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) 11,1 Millionen Euro.

Mangelnde Risikoaufklärung, diesen Vorwurf dürften daher sowohl Maschmeyer als auch einige seiner früheren AWD-Kunden unterschreiben. Im Gegensatz zu etlichen seiner Kunden dürfte der Hannoveraner aber mehr Glück haben. Denn gegen drei ehemalige Manager der Bank Sarasin wurde 2013 bei der Staatsanwaltschaft Zürich wegen arglistiger Täuschung und Anlagebetrugs Strafanzeige erhoben. Und die Staatsanwälte bringen oft Unterlagen ans Tageslicht, die Anwälten verwehrt bleiben. Liegen sie aber bei Gericht, könnten auch Maschmeyers Anwälte Einsicht nehmen und ihren Mandanten so besser helfen.

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