Donnerstag, 19. September 2019

Scharfe Kritik und Forderungen nach Milliardeneinstieg Hedgefonds Elliott nimmt AT&T in die Zange

Von Argentinien bis Bayer: Die Opfer des Paul Elliott Singer
REUTERS

Wer Paul Elliott Singer an seiner Seite weiß, braucht sich über einen Mangel an Stress nicht zu beklagen. Der aggressive Investor hat mit seinem Hedgefonds Elliott Capital schon so manches Unternehmen aufgemischt und Vorstände zu Schritten gedrängt, die sie eigentlich ablehnten. Thyssenkrupp und Bayer wissen davon ein Klagelied zu singen.

Jetzt hat sich Elliott keinen geringeren als den US-Telekom- und Medienkonzern AT&T vorgeknöpft. Der Aktivist hat sich laut Bloomberg mit 3,2 Milliarden US-Dollar bei dem Konzern eingekauft und macht gleich Druck: So forderte er in einem Brief an den Vorstand den Konzern auf, einige seiner nicht zum Kerngeschäft zählenden Geschäftsbereiche zu verkaufen und die Kosten zu senken, um den Börsenwert des Unternehmens zu steigern.

Zu den identifizierten Geschäften, von denen sich der Konzern trennen solle, zählt Elliott unter anderem den Satellitenfernsehanbieter DirecTV, das mexikanische Mobilfunkgeschäft oder Teile des Festnetzgeschäfts. Konzernchef Randall Stephenson solle zugleich auf größere Akquisitionen in Zukunft verzichten, mahnte Paul Singer in dem Brief.

An der Börse schnellte die Aktie von AT&T am Montag in der Spitze um 10 Prozent in die Höhe, wohl auch deshalb, weil Elliotts Angriff darauf abzielt, Vorstandsposten neu zu besetzen.

Der aktivistische Investor bezeichnete das US-amerikanische Telekom- und Medien-Konglomerat als "zutiefst unterbewertet" und stellte zum Beispiel den Kauf von Time Warner im Wert von 85 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr in Frage. Auch lange nach der Übernahme fehle immer noch eine klare strategische Begründung dafür, "warum AT&T Time Warner besitzen muss", schrieb Elliott an das Management.

Randall Stephenson: Der Chef des US-Telekomriesen AT&T weiß mit Elliott jetzt einen äußerst unangenehmen aktivistischen Aktionär in seinen Reihen

AT&T hat in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Deals seine Wandlung von einem reinen Telekom- zu einem Medien und Unterhaltungskonzern beschleunigt. So kaufte das US-Unternehmen im Jahr 2015 den Satelliten-TV-Anbieter DirecTV für 67 Milliarden US-Dollar - was ihm laut Bloomberg die Marktführerschaft unter den US-Pay-TV-Anbietern einbrachte. Elliott kritisierte den Deal ebenso wie die Übernahme von Time Warner, womit AT&T endgültig in der Unterhaltungs- und Medienindustrie ankam.

AT&T müsse auch seine Kosten noch stärker reduzieren, forderte der aktivistische Investor. Während der Konzern selbst lediglich Kosteneinsparungen von 5 Milliarden US-Dollar plane, sehe er Potenzial für 10 Milliarden Dollar, womit der US-Telekomkonzern seine Margen um bis zu 3 Prozentpunkte bis 2022 steigern könne.

Der Aktivist zeigte sich - wie so oft bei seinen Angriffen - davon überzeugt, dass auch der Wert der Aktie von AT&T deutlich steigen werde, wenn das Management denn dem Plan von Elliott folge. So könnte das Papier bis Ende 2021 die Marke von 60 Dollar erreichen, prognostizierte Paul Singer.


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"AT&T kann durch die Fokussierung seines Portfolios, die Verbesserung der operativen Leistung, die Festlegung klarer Kapitalprioritäten und durch eine verbesserte Führung und Kontrolle einen erheblichen Mehrwert erzielen."

Elliott verwaltet nach eigenen Angaben ein Vermögen von 35 Milliarden US-Dollar. Kampagnen des aggressiven Fonds haben bereits zu wichtigen Veränderungen unter anderem bei EBay, SAP oder auch der Telecom Italia geführt. Die Investition in AT&T soll indes die größte sein, die der Fonds bislang getätigt habe.

Ob der Fonds mit seinem aggressiven Kurs auch bei dem US-Riesen zum Erfolg kommt, bleibt ungewiss. So rechnen die Experten von Bloomberg vor, dass Paul Singer mit seinem Engagement lediglich 1,2 Prozent Anteil an AT&T erworben habe.

Paul Elliott Singer braucht also zwingend Mitstreiter unter den anderen Aktionären, die seinen Kurs teilen. Die hat Elliott in der Vergangenheit in vielen anderen Fällen allerdings immer wieder gefunden.

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