Donnerstag, 19. September 2019

Aston Martin stürzt an der Börse ab Die wahrscheinlich schlechteste Autoaktie der Welt

Idylle - aber nicht für Aktionäre: Das Papier des britischen Herstellers Aston Martin befindet sich auf rasanter Talfahrt.
Aston Martin
Idylle - aber nicht für Aktionäre: Das Papier des britischen Herstellers Aston Martin befindet sich auf rasanter Talfahrt.

Wer einen glanzvollen Auftritt von Aston Martin Börsen-Chart zeigen sehen will, geht am besten ins Kino. Der britische Hersteller liefert schon traditionell verschiedene Sportwagen für die James-Bond-Filmreihe. Unvergessen etwa der Auftritt des Aston Martin DB5 in "Goldfinger" mit Sean Connery am Steuer (und später noch einmal, in einer Reminiszenz, in "Skyfall" mit Daniel Craig). Zuletzt sauste auch ein Aston Martin durch den jüngsten Bond-Streifen "Spectre", und im kommenden Film mit dem berühmten Agenten, dem 25. Bond im Kino, wird allem Anschein nach ebenfalls eines der Fahrzeuge britischer Herkunft einen Auftritt haben.

Im wahren Leben dagegen sieht es gegenwärtig eher schlecht aus für Aston Martin - und das bekommen besonders schmerzlich die Aktionäre des Unternehmens zu spüren. Am Mittwoch veröffentlichte der Autobauer verheerende Geschäftszahlen. Aston Martin rutschte in den vergangenen Monaten tief in die roten Zahlen. Im ersten Halbjahr 2019 fiel ein Verlust von 63 Millionen Pfund an (69 Millionen Euro), so das Unternehmen. Der Umsatz ging um 4 Prozent auf 407 Millionen Pfund zurück.

Die Folge: Die Aktie von Aston Martin brach an der Londoner Börse allein am Mittwoch um mehr als 20 Prozent auf 450,60 Pence ein. Schon in der Vorwoche hatte eine Gewinnwarnung für einen Kursverlust von rund 40 Prozent gesorgt. Seit dem Börsengang im Oktober vergangenen Jahres, als Aston Martin zum Preis von 1900 Pence debütierte, ging es mit dem Papier um insgesamt 76 Prozent abwärts. Das dürfte weltweit in der Autobranche einmalig sein, und auch darüber hinaus finden sich wohl nur wenige Aktien, die binnen einer solchen Frist einen derartigen Absturz hinlegten.

Zum Vergleich: Auch für die deutschen Autobauer läuft es am Aktienmarkt seit Monaten nicht optimal. Volkswagen Börsen-Chart zeigen notiert aber im Vergleichszeitraum zumindest beinahe unverändert. Die Aktien von BMW Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen befinden sich im Vergleich zu Oktober vergangenen Jahres ebenfalls deutlich im Minus, aber mit knapp 20 Prozent doch noch wesentlich moderater als Aston Martin. Auch der zuletzt wieder ins Schlingern geratene US-Elektroautobauer Tesla Börsen-Chart zeigen verbucht an der Börse im gleichen Zeitraum einen Verlust von lediglich rund 20 Prozent.

Grund für die jüngsten Verluste bei Aston Martin ist Berichten zufolge ein Missverhältnis: Während das Unternehmen wegen geringerer Nachfrage seine Luxusautos zu niedrigeren Preisen veräußern musste, stiegen auf der anderen Seite die Ausgaben. Bemerkenswert: Die Stückzahl der verkauften Autos stieg im ersten Halbjahr 2019 um 6 Prozent auf 2442.

Zudem befindet sich der Autobauer ohnehin seit geraumer Zeit in Geldnot. Schon der Börsengang war mehr oder weniger eine Notlösung, weil Kapital für die Entwicklung des SUVs DBX gebraucht wurde. Der bevorstehende Brexit macht dem Unternehmen das Leben ebenfalls nicht leichter.

Am Mittwoch sagte Finanzchef Mark Wilson dem Nachrichtendienst "Bloomberg" zufolge erneut, das Unternehmen benötige womöglich frische Mittel. "Cash ist momentan die Hauptsorge", kommentierte auch Goldman-Sachs-Analyst George Galliers. Der "Free Cash Flow", den Aston Martin angab, lag demnach 96 Millionen Pfund unter den Erwartungen.

Andere Analysten spekulierten, wie sich Aston Martin womöglich frisches Kapital beschaffen könnte. Die Experten von Bank of America Merrill Lynch etwa stuften die Aktie bereits auf "halten" herunter. Die Begründung: Es stehe womöglich eine Kapitalerhöhung von bis zu 500 Millionen Pfund an. Zudem machten die Schwierigkeiten Aston Martin zu einem Übernahmekandidaten, so die Banker.

mit dpa

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