Montag, 30. März 2020

Megadeal in Versicherungsbranche Aon kauft Willis Towers Watson für 30 Milliarden Dollar

Aon-Zentrale im Londoner Wolkenkratzer Leadenhall Building
Getty Images
Aon-Zentrale im Londoner Wolkenkratzer Leadenhall Building

Die Fusionen unter den Versicherungs- und Rückversicherungsmaklern gehen weiter: Die britische Aon übernimmt den - selbst aus einer Fusion entstandenen - Rivalen Willis Towers Watson, wie beide Unternehmen mitteilten.

Das fusionierte Unternehmen, das unter dem Namen Aon auftreten soll und von Aon-Chef Greg Case aus London geführt wird, kommt auf einen Börsenwert von rund 80 Milliarden Dollar, erwirtschaftet 20 Milliarden Dollar Umsatz und einen operativen Mittelzufluss von 2,4 Milliarden Dollar im Jahr. Damit entsteht der weltgrößte Versicherungsmakler, weil die bisherigen Nummern zwei und drei der Branche gemeinsam an Marktführer Marsh & McLennan vorbeiziehen. Die künftigen Partner hoffen auf Synergieeffekte von 800 Millionen Dollar im Jahr.

Die Willis-Towers-Watson-Aktionäre sollen für jede ihrer Aktien 1,08 Aon-Papiere bekommen, einen Aufschlag von 16 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Sie halten damit rund 37 Prozent an dem fusionierten Unternehmen.

Schon im vergangenen Jahr war über den Deal verhandelt worden, Aon sagte den Plan jedoch ohne Angabe von Gründen ab. Im April 2019 baute Marsh & McLennan seinen Vorsprung mit der Übernahme des britischen Wettbewerbers Jardine Lloyd Thompson für 5,7 Milliarden Dollar aus.

Die Branche kämpft mit fallenden Gewinnmargen, weil die Prämien im harten Wettbewerb sinken, zugleich aber die Kosten für zu begleichende Schäden steigen. Zunehmende Großrisiken durch den Klimawandel oder aktuell die Corona-Epidemie verstärken diesen Trend.

"Aon hat grundsätzlich eine erfolgreiche Akquisitionsgeschichte, aber angesichts des Timings ist nicht sicher, wie Investoren kurzfristig auf den Zukauf reagieren werden", kommentierte Paul Newsome, Geschäftsführer der Investmentbank Piper Sandler. Aon-Aktien sanken am Montagmittag - während die allgemeinen Börsenkurse wegen Corona-Panik heftig einbrachen - um 2,7 Prozent. Die Titel von Willis legten um 1,4 Prozent vor Börsenöffnung in New York zu.

Die Fusion steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung von Aktionären und Aufsichtsbehörden. Mit einem Abschluss wird in der ersten Jahreshälfte 2021 gerechnet.

ak/reuters

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