Ant publiziert Börsenprospekt Alibaba-Tochter startet größten Börsengang der Welt

Die Alibaba-Tochter Ant Financial hat den Prospekt für ihren Börsengang veröffentlicht. Beim Sprung aufs Parkett winken dem Fintech bis zu 30 Milliarden Dollar.
Ant-Financial-Zentrale in Hangzhou, China: Im Börsenprospekt stehen weder Details zum Volumen noch zum Zeitpunkt

Ant-Financial-Zentrale in Hangzhou, China: Im Börsenprospekt stehen weder Details zum Volumen noch zum Zeitpunkt

Foto: Shu Zhang / REUTERS

Alibaba-Gründer Jack Ma (55), der reichste Mann Chinas, will sich zu seinem 56. Geburtstag im September ein ganz besonderes Geschenk machen: den größten Börsengang der Welt. Das von ihm ins Leben gerufene Fintech-Unternehmen Ant Financial gab am Dienstag den Startschuss für eine Platzierung an den Börsen in Hongkong und Shanghai. Insider halten ein Emissionsvolumen von 30 Milliarden Dollar für möglich. Damit würde Ant Financial den Ölkonzern Saudi Aramco übertrumpfen, dessen Börsengang im vergangenen Jahr 29,4 Milliarden Dollar einbrachte.

"Die Börsengänge werden dem Unternehmen helfen, sein Ziel der Digitalisierung der Dienstleistungsindustrie in China und der wachsenden heimischen Nachfrage zu beschleunigen", teilte die Ant Gruppe mit. Auch wolle sich das Unternehmen besser für die Entwicklung globaler Märkte positionieren und mehr in Technologie und Innovation investieren. 

10 bis 15 Prozent der Aktien sollen offenbar platziert werden

Im Wertpapierprospekt nannte die Gruppe, die den Bezahldienst Alipay betreibt und 2014 von der weltgrößten chinesischen Online-Handelsplattform Alibaba abgespalten wurde, weder den konkreten Zeitpunkt noch ein Volumen. In der Regel ist es nach einer Veröffentlichung des Wertpapierprospekts aber nur noch eine Frage von wenigen Wochen, bis die Aktien platziert werden. Einer mit den Plänen vertrauten Person zufolge sollen zwischen 10 und 15 Prozent der Aktien an den Markt gebracht werden. Ant lehnte eine Stellungnahme ab. Ma, der seit Jahren auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen aus China  ganz oben steht, hat am 10. September Geburtstag. Vor einem Jahr war er an diesem Tag nach 20 Jahren an der Alibaba-Spitze von seinem Posten zurückgetreten.

Ant Financial wurde zuletzt mit mehr als 200 Milliarden Dollar bewertet und ist damit das teuerste Fintech-Unternehmen der Welt. Mit Alipay betreibt Ant den dominierenden Bezahldienst in China und bietet über die App auch Kredite, Versicherungen und Vermögensmanagementdienste an. Den Markt teilt sich Alipay mit der Konkurrenz von WeChat-Pay des chinesischen Internetkonzerns Tencent.

Die Chinesen bezahlen in Geschäften meist nur noch mit dem Handy, indem ein Code eingescannt wird - sei es "Weixin" für Wechat oder "Zhifubao" für Alipay. Die App hat 711 Millionen monatliche Nutzer - eine Milliarde insgesamt. Mehr als 80 Millionen Händler benutzten die Alipay-App zudem, um Geschäfte zu tätigen. Auch in Europa wird Alipay von Tausenden Einzelhändlern akzeptiert, um chinesische Touristen anzulocken. In Deutschland bieten die Drogerieketten DM und Rossmann sowie die WMF-Gruppe, der Kaufhof oder der Flughafen München die Zahlung mit Alipay auf dem Handy an.

Der Amazon-Rivale Alibaba hält ein Drittel der Anteile an Ant Financial. Seit der letzten Finanzierungsrunde 2018 sind außerdem namhafte Investoren wie der Staatsfonds Temasek aus Singapur und der Finanzinvestor Warburg Pincus beteiligt. Das Fintech wird von Jack Ma kontrolliert. An die Börse führen wird Ant Financial aber Simon Hu. Der Alibaba-Veteran hatte erst im Dezember 2019 die Führung des Fintech-Unicorns von Eric Jing übernommen, der seitdem ausschließlich als Executive Chairman fungiert. Der Wechsel war Teil eines konzernweiten Personalumbaus bei Mutter Alibaba, nachdem im September 2019 Jack Ma die Führung an Daniel Zhang (48) abgegeben hatte.

Ant Financial umgeht die großen amerikanischen Börsen

Neben der Hongkonger Börse strebt Ant Financial die Börse in Shanghai an. Dort wird das Segment Star Market angepeilt, das es erst seit vergangenem Sommer gibt und speziell für wachstumsstarke chinesische Firmen nach dem Vorbild der US-Börse Nasdaq  geschaffen wurde. Alibaba hatte die New Yorker Technologiebörse 2014 noch für seine Erstplatzierung gewählt, 2019 erfolgte die Zweitnotierung in Hongkong. Inzwischen herrscht aber Eiszeit in den Beziehungen zwischen der Volksrepublik und den USA. Die Drohungen von US-Präsident Donald Trump (74) gegen chinesische Unternehmen in den USA dürften für Ant Financial eine Rolle bei der Wahl des Handelsplatzes gespielt haben.

Von der Corona-Krise ließ sich Ant Financial bislang nicht beeinflussen. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete das Unternehmen laut Wertpapierprospekt einen Betriebsgewinn von umgerechnet rund drei Milliarden Euro nach gut 500 Millionen im ersten Halbjahr 2019. Der Umsatz stieg um 38 Prozent auf neun Milliarden Euro.

Trotz der Corona-Pandemie gilt das Umfeld für Börsengänge als günstig, schließlich haben die weltweiten Börsen dank der weit offenen Geldschleusen der Zentralbanken in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt. So stiegen die US-Technologiebörse Nasdaq  und der breiter gefasster S&P 500  jüngst auf Rekordhochs.

mg/Reuters, dpa-afx
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