Montag, 16. September 2019

Risikoprämien stark gestiegen Anleihen statt Aktien - nach dem Schmerzensjahr steigen die Chancen

Händler an der Wall Street: Steigende Risikoprämien drücken die Kurse am Rentenmarkt. Dies sorgt für Kaufchancen bei einigen Unternehmens-Bonds

Das Jahr 2018 war für Aktionäre schmerzensreich, doch auch am Anleihe-Markt kam keine Freude auf. Steigende Risikoprämien haben selbst bei soliden Unternehmensanleihen zum Teil kräftig die Kurse gedrückt. Damit bieten sich Renditechancen für Investoren, die Alternativen zu Aktien suchen.

manager-magazin.de: Das Jahr 2018 war für Aktien-Investoren kein gutes Jahr, viele Anleger erlitten teils zweistellige Verluste. Konnten Anleihen von diesem Trend profitieren und wieder mehr Freunde gewinnen?

Moritz Schildt: Auch am Rentenmarkt kam im vergangenen Jahr wenig Freude auf. Wer höchste Sicherheit wollte und in erstklassige Anleihen mit kurzer Laufzeit investiert hat, verzeichnete eine negative Rendite. Eine zweijährige deutsche Bundesanleihe zum Beispiel brachte 2018 mit -0,65 Prozent einen negativen Ertrag.

Es müssen ja nicht immer Staatsanleihen sein. Viele Investoren weichen auf Unternehmensanleihen mit erstklassigem Kreditrating aus, um zumindest eine bescheidene positive Rendite zu erzielen.

Moritz Schildt
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    Moritz Schildt ist Gründer der nordIX AG, die auf festverzinsliche Anlagen spezialisiert ist. Das Unternehmen verwaltet in fünf 5 Spezial- und Publikumsfonds mehrere 100 Millionen Euro.

Auch diese Strategie hat nicht immer funktioniert. Wer Anfang 2018 zum Beispiel eine dreijährige Anleihe von BMW erworben hat, die mit einem Kreditrating von A+ eine hohe Sicherheit bot, musste sich mit einem sehr geringen Zinskupon von 0,125 Prozent zufriedengeben. Und selbst diese Mini-Rendite wurde nicht erzielt: Zum Jahresende war nämlich der Wert der Anleihe, der am Jahresanfang noch bei 100,20 lag, auf 99,90 gesunken. Unter dem Strich verblieb mit -0,175 Prozent ebenfalls eine negative Performance auf dem Depotauszug.

Verluste mit erstklassig besicherten Anleihen - wie kommt es dazu?

Der Grund für den Preisverfall am Rentenmarkt ist die Ausweitung der Credit Spreads, also der Risikoaufschläge. Diese steigen, wenn Anleiheinvestoren höhere Prämien für ihr Ausfallrisiko verlangen. Die steigenden Risikoaufschläge haben dazu geführt, dass auch viele konservative Rentenfonds das Jahr 2018 mit Verlusten von oft mehr als 3 Prozent abgeschlossen haben. Damit lagen sie zwar besser als viele Aktienfonds, aber glänzen konnten auch Rentenfonds nicht.

Wenn Risikoaufschläge steigen, müssen Unternehmen den Anleiheinvestoren eine höhere Verzinsung bieten. Damit werden Anleihen aber doch attraktiver für Investoren.

Das ist richtig. Das gilt aber nur für Anleihen, die neu emittiert werden. Wer bereits in bestehende Anleihen mit geringerem Kupon investiert ist, erleidet einen Kursverlust: Denn die höher verzinsten neuen Anleihen machen die ausstehenden Titel weniger attraktiv. Folglich fällt der Kurs.

Steigende Risikoaufschläge als Renditekiller für bestehende Anleihen?

Dieser Effekt hat sich vor allem im letzten Quartal 2018 ungewöhnlich stark bemerkbar gemacht. Allein zwischen Oktober und Dezember 2018 zeigten die Indizes für Anleihen mit einem geringen Kreditrisiko (Investment Grade) einen Rückgang von mehr als 1,9 Prozent. Auf Jahresbasis waren es minus 3,8 Prozent. Bei Anleihen mit höherer Verzinsung, zum Beispiel Titeln der durchaus soliden ThyssenKrupp AG, die ein BB-Rating hat, stieg der Risikoaufschlag von 0,94 Prozent im Oktober auf 2,52 Prozent im Dezember - also ein Anstieg um 1,6 Prozent. Das hat sich drastisch auf den Kurs bestehender Anleihen ausgewirkt: Investoren einer vierjährigen Anleihe von ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen haben im Jahr 2018 knapp 6 Prozent Verlust eingefahren.

6 Prozent Verlust mit soliden Unternehmensanleihen innerhalb eines Jahres - das ist für den Rentenmarkt eine ungemütliche Bilanz.

Sucht man nach den Ursachen für diese extremen Kursentwicklungen, so könnte man meinen, dass das Insolvenzrisiko - also die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls der Anleihe, deutlich gestiegen sei. Das ist aber nicht der Fall - das Kreditrisiko ist nur moderat erhöht. Am Markt für Kreditausfallversicherungen - dem CDS-Markt - haben sich die Risikoprämien für Anleihen knapp unterhalb des "Investment Grade" Niveaus im vergangenen Jahr von 2,3 auf 3,5 Prozent ausgeweitet, also ein Anstieg um 1,2 Prozent. Bei den Anleihen jedoch gab es einen deutlich stärkeren Anstieg der durchschnittlichen Renditen: Sie stiegen von 4,7 auf 7,7 Prozent, also um satte 3 Prozent.

Was bedeutet das für den Anleihen-Investor?

Die Renditen im Bereich der etwas riskanteren Anleihen - also im Ratingbereich BB und schlechter - sind per Anfang 2019 auf einem deutlich höheren Niveau als noch vor Jahresfrist. Die deutlich gestiegene Verzinsung lässt sich aber nur zum Teil mit einer höheren Ausfallwahrscheinlichkeit begründen. Wir sehen also Einstiegskurse bei BB Unternehmensanleihen: Der Preisverfall an den Anleihemärkten ist viel stärker durch eine allgemeine negative Grundstimmung und durch Unsicherheit beeinflusst als durch die fundamentalen Faktoren. Dadurch ergeben sich Ertragspotenziale und die Chance auf steigende Anleihekurse. Denn bei Betrachtung der fundamental wertbestimmenden Faktoren ist der Kursrückgang dieser Anleihen deutlich zu stark ausgefallen.

Nach einem mageren Jahr am Rentenmarkt sehen Sie also Erholungschancen? Sind Anleihen als Alternative zu Aktien einen Blick wert?

Anders als Aktien haben Anleihen ja den großen Vorteil, dass der Anleger am Ende der Laufzeit das investierte Kapital zurückerhält - sofern der Emittent bis dahin keine Insolvenz angemeldet hat. Die aktuelle Marktsituation könnte eine gute Chance sein, zu günstigen Einstiegskursen Anleihepositionen aufzubauen und auf eine Erholung der Märkte zu setzen. Die Chancen auf positive Renditen - bei gleichzeitig vergleichsweise hoher Sicherheit für das investierte Kapital - sind nach unserer Einschätzung nach dem schwierigen Jahr 2018 deutlich gestiegen.

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