Sonntag, 18. August 2019

Anheuser-Busch will in Hongkong an die Börse US-Bier-Riese strebt Rekord-IPO an - in China

Der Bier-Riese Anheuser Busch will offenbar schon in gut zwei Wochen in Hongkong an die Börse gehen

Löst Hongkong die Wall Street als Rekord-Börsenplatz ab? Kürzlich hieß es, der in New York notierte chinesische Internetriese Alibaba strebe eine Zweitnotierung in Honkong an - und könnte bis zu 20 Milliarden Dollar einspielen. Jetzt scheint ausgerechnet der US-amerikanisch-belgische Bier-Riese Anheuser-Busch den Chinesen in der Heimat zuvorzukommen.

Allen Spannungen zwischen den USA und China zum Trotz - der US-Brauereikonzern Anheuser-Busch (AB InBev) will sein Asien-Geschäft ganz offensichtlich an die Hongkonger Börse bringen. Das Börsendebüt in der chinesischen Finanzmetropole ist für den 19. Juli geplant, berichtet das "Wall Street Journal" (€) am Dienstag.

Der hochverschuldete Konzern mit insgesamt 50 Marken - unter anderem Budweiser, Corona oder Stella Artois - könnte dabei bis zu 9,8 Milliarden Dollar einspielen. Sollte noch die Mehrzuteilungsoption ausgeübt werden, könnte der Konzern sogar bis zu 11,2 Milliarden Dollar einnehmen.

Bislang wäre dies der weltgrößte Börsengang in diesem Jahr, selbst wenn die Aktien am unteren Ende der Preisspanne zwischen 40 und 47 Honkong- Dollar (zwischen 4,52 und 5,32 Euro) pro Stück ausgegeben werden sollten. Die Marktkapitalisierung der Budweiser Brewing Company APAC könnte sich auf bis zu 63,7 Milliarden Dollar belaufen, rechnet die Zeitung vor.

Die Hauptmärkte des weltgrößten Bierbrauers sind China, Australien, Südkorea, Indien und Vietnam. Der asiatische Arm von Anheuser-Busch erzielte im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 1,41 Milliarden US-Dollar nach 1,08 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017. Der Umsatz kletterte um 8,6 Prozent auf 8,46 Milliarden Dollar, berichtet das "Wall Street Journal" weiter.

Chinas Biermarkt hart umkämpft

Der Biermarkt in China ist hart umkämpft, was dazu führt, dass trotz der Größe des Marktes die Gewinne der Brauer überschaubar bleiben. Die Menge des im Land getrunkenen Biers stagnierte laut Euromonitor International zuletzt sogar, da Verbraucher verstärkt zu anderen alkoholischen Getränken wie Wein und lokalen Likör-Spezialitäten wie Baijiu gegriffen hätten.

Ausländischen Brauern wie Budweiser APAC scheint es aber zu gelingen, die aufstrebende chinesische Mittelschicht für teurere Getränke zu gewinnen. Das dürfte auch erklären, dass sie zum einen ihre Umsätze steigern konnten und dass China im Jahr 2021 mit Blick auf die Umsätze die USA als weltgrößten Biermarkt ablösen könnten, wie Experten laut WSJ prognostizieren.


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AB InBev wollte die Informationen dem Bericht zufolge nicht kommentieren. Allerdings hatte der Konzern bereits Anfang Mai entsprechende Überlegungen formuliert. Anheuser-Busch hatte seinen größten Rivalen SABMiller im Jahr 2016 für die seinerzeit astronomisch hohe Summe von 100 Milliarden Dollar übernommen. Seitdem sitzt der Konzern auf einem riesigen Schuldenberg. Der Börsengang würde diese Last ein wenig mindern.

Wenn Alibaba kommt, verblasst Anheuser Busch

Dem Finanzplatz Hongkong wiederum würde der Börsengang des Brauerei-Konzerns einen willkommenen Schub verleihen. In der IPO-Statistik liegt die Metropole noch hinter der New Yorker und der Technologiebörse Nasdaq. Honkong hat sich aber zum Ziel gesetzt, der Wall Street mehr Konkurrenz zu machen und attraktiver vor allem für asiatische Firmen zu werden.

Interessierte chinesische Börsenkandidaten gib es durchaus: So könnte sich der IPO von Anheuser Busch, der angesichts der politischen Spannungen zwischen Peking und Washington zweifelsohne auch ein Prestigeerfolg darstellte, gleichwohl vergleichsweise klein ausnehmen, sollte der chinesische Internetriese Alibaba seine Pläne für eine mögliche Zweitnotierung in Hongkong in die Tat umsetzen.

Berichten von Ende Mai zufolge könnte Alibaba mit der Zweitnotierung bis zu 20 Milliarden Dollar einspielen. Noch im Juli könnte ein Antrag auf Notierung gestellt werden, hieß es vor einem Monat. Ursprünglich hatte Alibaba bereits 2014 in Hongkong an die Börse gehen wollen, entschied sich dann aber doch für New York.

rei

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